Nachdem wir uns mit unseren Testplattformen 2016 und 2017 dem Enduro Sektor gewidmet haben, geht es dieses Jahr ein wenig härter zur Sache. Ein Propain Rage CF steht bereit, um eine Reihe Komponenten aus dem Bereich Downhill für euch zu testen. Warum wir dieses Bike gewählt haben, und welche Komponenten zum aktuellen Stand an dem Carbon-Downhiller ums Überleben bangen müssen, erfahrt ihr in unserer Vorstellung.

Propain Rage CF
Das Propain Rage CF – mehr „custom“ geht fast gar nicht!

Das Propain Rage CF

Der Rage CF Rahmen weist einige Features auf, welche nicht nur innovativ sind, sondern auch einen möglichst vielseitigen Aufbau erlauben. Die Züge und Leitungen von Bremse und Schaltung werden im Rahmen verlegt. Sehr gut gelungen finden wir die oberen Einlässe in den Rahmen, welche gleichzeitig als Anschlagpuffer für die Gabel dienen. Die ISCG Aufnahme wird – wie typisch für Propain Räder – vor der Montage des geschraubten BSA Innenlagers (DANKE!) über das Tretlagergehäuse gestülpt und dann vom montierten Lager festgehalten. Im Falle eines harten Chrashs ist so der Rahmen vor Beschädigung geschützt und es muss im Zweifel lediglich die ISCG Aufnahme getauscht werden.

Auf diesen Vielzahn wird die ISCG Aufnahme gesteckt und dann mittels BSA Innenlager in Position gehalten.

Features zusammengefasst

  • Vollcarbon Rahmen
  • Verstellbarer Reach (+10 mm / 0 mm / -10 mm)
  • Verstellbare Kettenstreben (445 mm / 459 mm)
  • Interne Züge
  • Kombinierte Gabelanschlagspuffer und Zugeinführung
  • Stabiler und haltbarer Unterrohrschutz
  • BSA-Innenlager

Geometrie

Das Bike verfügt über eine eigens entwickelte Reach Verstellung mittels Steuersatzschalen, welche einfach getauscht, beziehungsweise um 180° gedreht werden können. Die Schalen werden vor der Montage der Gabel in den Rahmen gelegt und erlauben den Reach in drei Stufen einzustellen. Auf Empfehlung von Propain verwendet unser Testfahrer mit 1,78 m Körpergröße einen Rahmen mit der Größe S/M, welcher die drei Reach-Werte von 411, 421 und 431 mm aufweist. Die Entscheidung viel sehr schwer, denn auf dem Papier klingen 441, 451 und 461 mm des L/XL Rahmens eher nach dem was der persönlichen Vorliebe entsprechen. Der Sache werden wir auf den Grund gehen und den Rahmen im Laufe der Saison austauschen.

Nicht nur der Reach kann auf Körpergröße und individuelle Vorlieben angepasst werden, sondern auch die Kettenstreben. Diese lassen sich im Handumdrehen von nicht kurzen 445 mm auf beachtliche 459 mm verlängern. Auf die Auswirkungen insbesondere der langen Einstellung sind wir sehr gespannt, denn der landläufigen Meinung „je kürzer die Kettenstreben desto besser“ möchten wir bei einem Downhillbike ungern folgen. Die kurze Einstellung entspricht der fixen Länge anderer Propain Hinterbauten, mit welchen wir bereits sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Ob die lange Einstellung für uns sinnvoll ist oder letztlich Racern einen Vorteil bietet werden wir herausfinden.

Ach ja… und so ganz nebenbei sieht das Teil auch echt heiß aus! Einige Argumente also, welche das Bike für unsere Testplattform hochinteressant machen.

Das Fahrwerk

Dämpfer

Im Hinterbau des Propain Rage CF wird ein besonderes Stück seinen Dienst antreten, ein „Holy Grail“ des französischen Herstellers FAST Suspension. Hierbei handelt es sich um einen Stahlfederdämpfer mit einem Gewicht von nachgewogenen 555 Gramm, zuzüglich rund 350 Gramm für eine Stahlfeder. Entgegen eines Fox Float X2 oder Cane Creek Double Barrel ist der Heilige Grahl in „Monotube“ Bauweise gefertigt. Ein herkömmlicher Dämpfer also, welcher jedoch mit unabhängig von einander funktionierenden und einstellbare Low- und Highspeed- Druckstufen funktionieren möchte. Neben den beiden Druckstufen kann die Zugstufe des FAST Holy Grail im Lowspeed Bereich eingestellt werden. Die Dämpfer liegen übrigens nirgends auf Lager, sondern werden auf Kundenwunsch zusammengestellt. Dabei kann der Käufer zwischen verschiedenen Kolbenfarben, unterschiedlich eloxierten Verstellern und Federtellern, und natürlich Einbaulängen wählen. In unserem Fall musste ein metrischer Dämpfer mit den Maßen 250 x 75 mm gefertigt werden. Der Vertrieb läuft in Deutschland über MRC Trading, welche auch in Servicefällen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

FAST Holy Grail
Baguette Magic, oder doch nur eine Stange Brot? Wir finden es heraus.

Wer hat schon einmal ein Custom- Bike aufgebaut und alles hat gepasst? Glückwunsch wenn JA, wenn NEIN, Wilkommen im Leben. So ging es auch uns, als das gute Stück partout nicht ins Rage wollte. Telefon in die Hand und jemanden gefragt der das Teil im gleichen Bike verwendet – Marcus Klausmann. „Hey Marcus, sag mal wie bekommst du den Grail ins Rage?“ – „Na du musst den Lowspeed Druckstufen Versteller entfernen, dann passt es“.

Zugegeben, so richtig geil ist das nicht, aber die Schuld ist einer ungünstigen Paarung und keinem der Hersteller an sich zuzuweisen. Enger Rahmen trifft massiven Dämpfer. Laut MRC Trading soll FAST in Zukunft eine platzsparendere Version den Markt erschließen. Wir freuen uns drauf. Bis dahin hilft nur, den Dämpfer zum Einstellen der Druckstufe an der unteren Aufnahme zu lösen und wegzuschwenken den Knopf zum Einstellen einsetzen und dann wieder entfernen.

FAST Holy Grail
Wir starteten mit einer 375er Feder

Beim Finden des Setups für einen Fahrer mit knapp 85 kg fahrfertig schlug das Berechnungstool eine 375er Feder vor. Wir fanden diese viel zu weich denn wir landeten bei einem Sag von circa 40%. Der Schritt über eine 425er, brachte uns schließlich zu einer Feder mit 475 lbs und damit knapp 30% Negativfederweg.

Welches Setup wir in der Praxis probiert haben, welche Dämpfungseinstellung wir wählen werden, erfahrt ihr in einem Einzeltest des FAST Suspension Holy Grail

Gabel: Fox 40 Elite Performance

In der Front des Propain Rage CF wird eine FOX 40 aus der Elite Performance Serie ihren Dienst verrichten. Warum keine Factory? Die Topversion mit HSC/LSC ist bisher sehr häufig getestet worden und wir fanden es durchaus interessant, wie sich ein Modell mit „einfacher“ FIT4 Kartusche schlagen wird.

Der Antrieb

Schaltung

Die Auswahl der Schaltung war schnell gefunden und wir entschieden uns, eine SRAM GX DH Gruppe zu testen. Wir wählten diese 7-fach Schaltung aus, da die Schaltungen von SRAM über eine hohe Schaltwerkspannung und eine effektive „Roller-Bearing-Clutch“ verfügen. Eine Art Reibkupplung, um eine zu stark schlagende Kette durch hohe Schaltwerksbewegungen zu vermeiden. Durch diese Technologie erwarten wir, das Propain Rage CF möglichst leise zu bekommen. Neben dem SRAM GX DH Schaltwerk werden Trigger, Kette und Kassette aus der gleichen Gruppe eingesetzt. Erwähnenswert finden wir, dass die 7-fach GX Kassette entgegen dem teuren Bruder aus der X01 Gruppe mit einer Adaption auf herkömmliche Freilaufkörper, statt des XD Drivers ausgestattet ist.

SRAM GX DH
Sieben Gänge für ein Halleluja

Ergänzt wird die Schaltung durch eine Descendant Kurbel aus Aluminium. Nicht zu schwer, aber nahezu unzerstörbar. Wie erhielten unser Testmuster noch bevor ein entsprechendes Pendant mit DUB Technologie verfügbar war. Einen entsprechenden Test des neuen Systems werden wir ebenfalls durchführen. Zuerst muss sich jedoch die SRAM GX DH Gruppe einen Einzeltest mit anschließendem Fazit gefallen lassen.

SRAM Descendant Alu-Kurbel

Kettenführung

Kettenführung ja oder nein – diese Frage stellt sich eher an einem tourentauglichen Bike. An einem Downhillbike haben wir uns diese noch nie gestellt. Technologien wie die Sram Roller-Bearing-Clutch und nicht zuletzt das X-Sync genannte Nah/Weit Profil der Kettenblätter und Schaltwerksrollen, machen eine „full-size“ Kettenführung jedoch nicht mehr zum Ziel unserer Wahl. Eine Rückfrage bei 77Designz machte klar – da reicht was kleineres.

77Designz Freesolo V2
Die 77Designz Freesolo V2 Kettenführung ist ultraleicht und unauffällig.

Kurzerhand montierten wir eine Freesolo V2 Kettenführung, gepaart mit einem Bashguard des gleichen Herstellers. Am Enduro- und Trailbike haben wir bereits sehr gute Erfahrungen gemacht – warum nicht auch am DH-Bock?

Der Bashguard kommt ebenfalls von 77Designz

HOPE

In Kooperation mit HOPE wählten wir die übrigen Komponenten aus. Das Farbthema ist für dieses Projekt unverkennbar, so wählten wir die meisten Komponenten in Orange. Sämtliche Teile sind für uns keine Neuheiten, sondern alte Bekannte auf die wir gern setzen.

HOPE Komponenten
Eindeutiges Farbthema – Orange. HOPE lieferte alles was wir brauchen

Laufräder

Zugegeben – leicht ist anders, so schlägt der HOPE TECH DH Laufradsatz mit 2,3 Kg zu Buche. Die Funktion und Zuverlässigkeit sind dafür um jeden Zweifel erhaben. Eine gute Wahl also, wenn man auf dem Racetrack nicht um Sekunden feilscht, sondern einfach Spaß haben will. Ausgestattet sind die Laufräder mit der gleichnamigen HOPE TECH DH Felge und Pro 4 Naben.

Bremsen

Gebremst wird das Propain Rage CF mittels Hope Tech3 V4 Bremsen. Die Downhillversion der wundervoll gefrästen Vierkolbenbremse wird mitt 203 mm Bremsscheiben kombiniert. Perfekte Einstellbarkeit der Hebelweite und des Kontaktpunktes der Bremsbeläge machen die V4 zu einem Ergonomiewunder. Ob die Bremskraft der Anlage noch up-to-date ist? Wir werden es herausfinden.

Sitzen und lenken

Hope stellte uns neben einem farblich passenden Direct Mount Vorbau in 50 mm Länge einen Carbon Lenker und eine Carbon Sattelstütze zur Verfügung. Ein doch recht ungewöhnliches Material für die britische Traditionsfirma welche eher durch perfekt gefräste Aluminium-Komponenten bekannt ist.

Der Hope Carbon Lenker ist eine Augenweide – wenn man auf Sichtcarbon steht

Optisch fällt der Lenker durch feinstes Sichtcarbon als oberste Schicht direkt auf. Mit einer Breite von 780 mm und einem Rise von 20 mm ist er prädestiniert für das Rage CF. Ein Upsweep von 5° und Backsweep von 7° machen den Lenker ergonomisch, sodass ein ermüdungsfreies Fahren kein Kraftakt der Unterarmmuskulatur sein wird. Mit einem Gewicht von 225 gr. ist er für einen downhilltauglichen Lenker recht leicht. Hope hält mit dem Lenker am altbewährten Durchmesser von 31,8 mm fest.

Auch die Sattelstütze wurde an der obersten Schicht mit Sichtcarbon verfeinert. Unser Propain Rage CF benötigt die Stütze mit einem Durchmesser von 31,6 mm. Verfügbar sind ebenfalls die Dimensionen 27,2 mm und 30,9 mm. Während die beiden dickeren Stützen nur 220 gr. auf die Waage bringen, ist die dünnste Version mit 185 gr. ein Fliegengewicht.

Die Hope Carbon Sattelstütze muss für das Rage gekürzt werden – da blutet das Herz!

Reifen

Ein Reifen welcher in Kooperation mit Aaron Gwin entstanden ist, wird auch uns nicht langsamer machen. ONZA haben das Signature Modell des mehrfachen Worldcup Overall Gewinners zum testen bereitgestellt. Erster Eindruck: Starkes Profil, vielversprechende 45a Gummimischung – jedoch ist bei gewogenen 1,4 kg (pro Reifen) irgendwie auch egal, dass die Gummis nicht tubelessfähig sind.

Onza Aquila – nicht der leichteste, aber das scheint wohl für den Gwin(ner) kein Hindernis zu sein. Grund genug, den Reifen einmal selbst zu testen.
Gwins Reifen mit Peaty´s Tire Sealant abdichten – ein hervorragendes Duell

 


Weitere Informationen zu den Produkten:

www.propain-bikes.com
www.hopetech.com
www.mrc-trading.de
https://77designz.com
www.sram.com
www.foxracingshox.de
http://onza-tires.com/tires/

 

 

 

7 Kommentare

    • Hallo Matti,
      ja da kommt bald ein Einzeltest des Bikes. Dieser sollte schon längst fertig sein. Verletzungsbedingt musste ich fast die gesamte Saison pausieren, sodass ich erst spät dazu komme die Eindrücke zu sammeln.
      Wenn du etwas spezielles wissen magst, schreib mir gern an Thorsten@cycleholix.de

      Viele Grüße,
      Thorsten

      • Hi Thorsten, danke für deine Antwort! Bin sehr gespannt auf den Bericht…spezielle Fragen habe ich nicht, aber eine Einschätzung bzgl. der Größenwahl würde mich sehr interessieren. Bin mir bei 175cm Größe und zügigem, aktiven Fahrstil nicht ganz sicher, ob nicht Rahmengröße L/XL Sinn machen würde!?
        Tolle Seite und super Berichte übrigens…keep the good work going! :)

  1. Das Bike sieht echt genial aus mit den Hope Teilen. Wie hast due es letztendlich von der Größe her empfunden als S/M mit 177 cm?
    Ich bin nämlich auch gleich groß und würde eher zum L/XL tendieren.

    • Hallo Andreas,
      es kommt natürlich drauf an was du vor hast. Für mich persönlich fühlt sich bei der Körpergröße das L/XL besser an. Dies gern in der mittleren Einstellung. Ich fahre jedoch auch meine privaten Bikes, ein Bronson 2017 und ein Nomad 2018 beide in L und finde es super. Seit dem Nicolai G16 bin ich auf den Geschmack längerer Räder gekommen.
      Ich hoffe du kannst aus der Antwort deine Schlüsse ziehen.

      Viele Grüße, Thorsten

  2. Sehr schön! Als Biker mit ausgeprägtem Hope-Fetisch empfehle ich jetzt noch das Zwischenstück um den GX-Schalthebel mit der Bremshebelschelle zu verbinden.

    • Hallo Roman,
      prinzipiell eine tolle Sache, solche Teile. Ich habe genau dieses Adapterstück an einem anderen Bike mit Hope Bremsen und Sram Schaltung probiert. Ich ganz persönlich fand die Ergonomie der Griffe zu einander unterirdisch. Dies liegt sicher daran, dass ich die Bremsgriffe relativ flach fahre.

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