Heute ist es soweit, mit der Montage des Antriebs und der Bremsen stellen wir unser „Ein Bike für alles“ fertig. An ein modernes MTB wird selbstverständlich ein 1-fach Antrieb montiert, allerdings nicht irgendeiner. Die aus unserem Einzeltest bekannte Kombination aus Truvativ Descendant Carbon-Kurbel und SRAM X01 Eagle findet in der Boost-Variante ihren Platz am Nomad. Auch zum Schluss bleiben wir der Herstellerlinie treu und wollen die systemübergreifenden Vorteile von MatchMaker und Co nutzen. Daher setzen wir auf die Avid Code mit RSC Hebeln, um das Geschoss zu bremsen.

SRAM X01 Eagle
Antrieb und Bremse

In unserem Einzeltest (>>Link zum Test) haben wir die Eagle bereits ausführlich getestet. Der einzige Unterschied zu damals ist der Boost-Standard. Die Descendant Carbon-Kurbel ist gleich mit der aus unserem Test, lediglich die Tretlagerschalen werden ohne Spacer montiert und das Kettenblatt muss gegen ein Boost kompatibles ausgetauscht werden. Bei der Montage der Lagerschalen finden wir eine der wenigen Stellen am Nomad, die nicht aus Carbon sind. Wie immer verwenden wir Fett zum Einschrauben der Lagerschalen. Aufgrund der Alu-Inserts kann hier jedes Montagefett verwendet werden. Da das Tretlagergehäuse in sich geschlossen ist – es gibt keinen offenen Übergang zum Sattelrohr, wodurch Nässe eindringen kann – lassen wir das Plastikrohr zwischen den beiden Lagerschalen weg. Auch wenn es nur 8 Gramm sind, es spart Gewicht.

Santa Cruz Nomad
Boost Kettenblatt für unsere Descendant Kurbel

Weiter verzichten wir aufgrund des X-Sync Kettenblatts und des Eagle Schaltwerks auf eine Kettenführung, was weitere Gramm spart. Genau wie die Reverb Leitung wird der Schaltzug zum Schaltwerk innen durch den Rahmen verlegt. Der Kabelweg führt am Unterrohr aus dem Hauptrahmen in eine Öffnung am Hinterbau. Um uns das Verlegen durch den Hinterbau zu erleichtern, nutzen wir ein bewährtes Hilfsmittel: einen Schweißdraht. Solch ein Stück Schweißdraht (ca. 2 Meter) kann in den meisten Schlossereien gegen ein paar Euro in die Kaffeekasse organisiert werden. Der Vorteil vom Schweißdraht im Vergleich zum Seilzug ist der, dass er steifer ist und sich so besser dirigieren lässt. Um Schäden im Rahmen zu vermeiden, können die Drahtenden rund gefeilt werden. Sobald der Draht durch den Rahmen gezogen ist, stülpen wir die Zugaußenhülle drüber und können diese so ganz entspannt in den Rahmen einziehen. Der gesamte Antrieb bringt ein Gewicht von 1.725 Gramm auf die Waage.

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Dank der Kombination von X-Sync Kettenblatt und dem Eagle Schaltwerk können wir auf eine Kettenführung verzichten.

Für stets festen Stand sollen die Crankbrothers Mallet E Pedale sorgen. Der leichte Edelstahl-Feder-Mechanismus wird von einem Pedalkörper aus Aluminium mit 8 mm Pins umschlossen. Wie von Flat-Pedals bekannt, können die Pins in ihrer Höhe variiert werden und somit für das bisschen Extra-Halt sorgen, solange bis das der Cleat noch nicht im Pedal eingerastet ist. Mittels Traction Pads kann der Abstand zwischen Schuh und Pedal ausgeglichen werden, was den gleichmäßigen Druck auf das Pedal erhöht. Bei den Traction Pads handelt es sich um schwarze, geriffelte kleine Plastikkappen, welche in den Pedalkörper eingesetzt werden. Vormontiert sind die 1 mm dicken Pads, im Lieferumfang inbegriffen ist ein Satz mit 2 mm Stärke. Das Gewicht liegt mit 424 Gramm im üblichen Rahmen für Enduro-Pedale.

Santa Cruz Nomad
Crank Brothers Mallet E Pedal

So langsam wird es auch am Cockpit voll. Mit der Montage der SRAM Code RSC Bremshebel können nun über die MatchMaker-Schellen die Reverb Remote und der Eagle Trigger in ihre vorerst endgültige Position gebracht werden. Auch wenn innenverlegte Leitungen optisch schön sind, eine außenliegende Bremsleitung ist ein Segen. Es vereinfacht die Montage und im Servicefall muss nicht die komplette Bremse zerlegt werden, um sie zu demontieren.

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Sinnvoll: Die Bremsleitung wird außen am Rahmen montiert.

Bei SRAMs Code RSC Hebeln kommt die sogenannte SwingLink Technologie zum Einsatz. SwingLink verkürzt über ein spezielles Nockendesign den Hebel-Leerweg. Dies hat einen kürzeren Hebelweg zur Folge, um die Bremsbeläge in Richtung Bremsscheibe zu schieben. Oft geht die Reduzierung des Leerwegs zu Lasten der Modulation der Bremsleistung, was ein harsches bzw. abruptes Bremsgefühl hervorruft. SRAM hat bei der Gestaltung der zuvor erwähnten Nocke darauf geachtet, dass genau dieses Verhalten nicht eintritt und aufgrund der Nockenform die Kraft beim Auftreffen der Beläge auf die Bremsscheibe besser moduliert werden kann. SRAM beschreibt das Verhalten als perfektes Gleichgewicht zwischen Kraft und Präzision.

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RSC Bremshebel mit SwingLink Technologie

Apropos Bremskraft. Unser „Ein Bike für alles“ wird mit den starken vier Kolben der Code und einer Kombination aus 203 / 180 mm Scheiben gebremst. Diese von All Mountain / Enduro bis Downhiller gängige Kombination hat sich in der Vergangenheit stets bewährt. Die Postmount Aufnahme der Gabel ist für Bremsscheiben bis 180 mm ausgelegt. Um die 203 mm Scheibe montieren zu können, bedarf es eines passenden Adapters von SRAM. Der Nomad Rahmen ist am Heck bereits für 180 mm Postmount ausgelegt, weshalb hier kein Adapter notwendig ist. Für die gesamte Bremsanlage fällt ein Gewicht von 1.018 Gramm an.

Nachdem nun endlich jedes Bauteil montiert ist, müssen abschließend alle Leitungen gekürzt werden. Bevor wir aber den Cutter ansetzen, stellen wir zuerst die korrekte Sattel- und Cockpit-Position ein. Von der Sattelposition ist die Länge der Reverb Remote-Leitung stark abhängig. Auch wenn wir immer ein bis zwei Zentimeter für das Umschlagen des Lenkers und das spätere Anpassen der Sattelhöhe einkalkulieren, wird die Leitung so kurz wie möglich gehalten. Ist die korrekte Länge ermittelt, kürzen wir die Leitung mit dem SRAM Hydraulic Hose Cutter, womit die Leitungen 100 % gerade geschnitten werden. Den Hydraulic Hose Cutter verwenden wir bereits seit Jahren für jede hydraulische Leitung – herstellerunabhängig – und für knapp 15,- € gehört dieses Tool in jede Werkzeugkiste. Nachdem die Leitung passend gekürzt ist, wird die neue 1-fach Remote im Uhrzeigersinn auf die Leitung aufgedreht.

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Das benötigte Werkzeug zum Kürzen und Entlüften der Reverb Leitung.

Hast Du eine Reverb entlüftet, hast Du alle entlüftet. Der einzige Unterschied ist der, dass mit der neuen Remote auch die Bleeding Edge Technologie Einzug hält, bei der über das Bleeding Edge Tool gleichzeitig die Entlüftungsschraube geöffnet, entlüftet und wieder geschlossen wird. Der neu gestaltete Entlüftungskanal an der Remote muss bei der ersten Verwendung einmal mit einem Innensechskantschlüssel geöffnet und anschließend wieder leicht angezogen werden. Das neue Bleeding Edge Tool wird nun vorsichtig eingesetzt. Nachdem es spür- und hörbar eingerastet ist, wird mit einer vollen Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn die Schraube zum Entlüftungskanal geöffnet. Nun beginnt der bekannte Bleeding Prozess, bei dem die Hydraulikflüssigkeit von der Sattelstütze aus in die Spritze am Hebel gedrückt wird.

Andere Komponente, gleiche Technologie. Bleeding Edge kommt auch an den Bremsen zum Einsatz. Neben einem Bleeding Kit für Bremsen wird auch ein anderes Bleeding Edge Tool als für die Reverb benötig. Nachdem die Bremsleitungen entsprechend gekürzt und wieder montiert sind, muss das Bleeding Edge Tool am Bremssattel spür- und hörbar einrasten. Die restliche Prozedur verläuft analog zum Entlüften der Reverb bzw. wie die übliche Entlüftungsprozedur bei SRAM Bremsen.

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Das Bleeding Edge Tool zum Entlüften von Bremsen

Mit der Bleeding Edge Technologie hat SRAM jedem Mechaniker und Fahrer einen großen Gefallen getan. Dank der Möglichkeit mit dem Bleeding Tool die Entlüftungsschrauben zu öffnen und wieder zu verschließen, entfällt das lästige Gefummel mit den Schrauben und die damit meist verbundene Sauerei mit Bremsflüssigkeit. Lediglich am Bremshebel muss der Mechaniker beim Entlüften überlaufendes DOT mit einem Papiertuch auffangen.

Santa Cruz Nomad
Würde Bleeding Edge auch am Hebel zum Einsatz kommen, dann wäre es das perfekte Bleeding System.

SRAM stellt wie immer sehr ausführliche Anleitungen in Videoform zur Verfügung, mit denen es kinderleicht ist Reverbs oder Bremsen zu entlüften.

Durch das Gewicht des Antriebs, der Pedale und der Bremse ändert sich unsere Gewichtstabelle wie folgt:

Bauteil Gewicht (in Gramm)
Rahmen 2.750
Steuersatz oben 55
Steuersatz unten 36
Federgabel 2.060
Dämpfer inkl. Feder 987
Griffe 76
Vorbau 133
Lenker 197
Sattel 193
Sattelstütze 630
Remote 78
Laufrad vorne 670
Laufrad hinten 760
Reifen vorne 910
Reifen hinten 800
Antrieb 1.725
Bremsen 1.018
Pedale 424
Zwischenstand 13.502

Mit den letzten Servicearbeiten ist unser „Ein Bike für alles“ fertig, das reale Gewicht hat sich bei 13,7 kg inklusive der Pedale eingependelt und was sollen wir sagen… seht einfach selbst:

Santa Cruz Nomad
Unser Santa Cruz Nomad „Ein Bike für alles“

Nun geht es ab auf die Trails und in die Parks. Freut euch im Sommer auf einen Erfahrungsbericht, ob unser „Ein Bike für alles“ Konzept aufgegangen ist.


Text und Fotos: Michael Klasen
Redaktion: Robin Krings

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