Carbon ist ein Werkstoff, welcher heutzutage in vielen Bereichen des Mountainbike- Sports Verwendung findet. Die Kombination aus Steifigkeit und passendem Gewicht machen das Material auch im Bereich des Antriebs sehr interessant. eThirteen mischt hier bereits seit langem mit und hat mit der bekannten TRSr Serie auch eine Carbon Kurbel im Angebot. Wir haben die leichte eThirteen TRSr SL Kurbel im Dauertest über ein Jahr im Einsatz gehabt. Sie hat uns auf Rennen, Hometrails und allen anderen Einsätzen begleitet und musste oft hart einstecken. Aber vor allem Kurbeln gehören zu den Komponenten, die man eigentlich erst mit viel Zeit richtig beurteilen kann und sollte.

eThirteen TRSr SL Kurbel
Das Santacruz Hightower LT ist aktuell eine unserer Testplattformen für den Enduro Bereich.

Die TRS Race SL Carbon Kurbel, oder kurzerhand TRSr, kommt ohne passendes BSA Innenlager. Dieses muss separat erworben werden und unsere Empfehlung liegt hier auch klar auf den Innenlagern aus dem selben Haus.

eThirteen TRSr SL Kurbel – Zusammengefasst

eThirteen hat mittlerweile reichlich Erfahrung in den Bereichen der Lager sammeln können und steckt dieses auch in die Optimierung der Tretlager. Das Design ist schlicht, aber ansprechend. Der erste Kontakt verlief daher auch recht positiv, vor allem wenn man zu der Gattung Biker gehört, die das erste Mal eine Kurbel aus Carbon in die Hand nehmen. Die knappen 450 Gramm der kompletten Kurbel mit Welle sind eine spürbare Ansage. Das passende Kettenblatt zur Kurbel bietet eThirteen in Form des Guidering M Direct Mount gleich mit an. Es ist nur kompatibel mit den hauseigenen eThirteen TRS Kurbeln und wird in schwarz sowie sechs Größen zwischen 28 und 38 Zähnen angeboten. An unserer Testkurbel ist das Blatt mit 32 Zähnen montiert und bringt 73 Gramm auf die Waage. Befestigt wird es über eine Verzahnung direkt auf der Welle. Die Sicherung erfolgt über eine Abschlussmutter, die mit dem bekannten eThirteen Innenlagerwerkzeug angezogen wird, welches jeder Kurbel beiliegt.

eThirteen TRSr SL Kurbel
Kurbelarme, Welle, Kettenblatt und Lager. Mehr braucht es nicht für eine Optimierung des Antriebs.

Die Montage geht recht simpel von der Hand und ist kein großer Unterschied zu anderen Systemen. Der Kurbelarm wird mit einem 8er Inbus angezogen (40-48 Nm) und die Anleitung zeigt bebildert alle Schritte, sodass eine fehlerhafte Montage nahezu ausgeschlossen werden kann. Anschließend wird die Lagervorspannung – anders als bei anderen Herstellern – mit dem APS genannten System von Hand über einen geriffelten Ring am Kurbelarm eingestellt.

Alle TRSr Kurbeln können mit Shimano oder SRAM Antrieben kombiniert werden.

eThirteen TRSr SL Kurbel – in der Praxis

Fakten und Design sind eine nette Sache, aber was bei Kurbeln wirklich zählt ist die Performance und Haltbarkeit auf dem Trail. Eine ausgesprochen gute Performance zeigte das BSA Innenlager. Wie bei Lagern von eThirteen üblich, brauchte es einige Kilometer um eingefahren zu werden. Ein Umstand den wir auch bei den Naben der Laufräder bereits festgestellt haben. Auch verläuft die erste Montage mit der massiven Welle der Kurbelarme sehr passgenau. Hier ist gefühlt praktisch kaum Luft vorhanden und die Kurbel dreht sich im eingebauten Zustand spürbar schwerfälliger als Produkte anderer Hersteller. Auf dem Trail erkennt man das dann wenn überhaupt nur über die Auswertung eines Trittsensors, aber es kann am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig sein. Sind die Lager dann eingefahren, laufen sie wie ein Uhrwerk und vermitteln einen sehr robusten Eindruck. Nach 14 Monaten intensiver Nutzung beginnt unser Tretlager sich unter anderem akustisch bemerkbar zu machen. Ein spürbares „mahlen“ der Lagerschalen tritt ebenfalls langsam auf. Nach Art und Dauer der Nutzung geht das in unseren Augen aber absolut in Ordnung, denn Tretlager sind eben am Ende des Tages vor allem eins: Verschleißmaterial.

eThirteen TRSr SL Kurbel
Der Abrieb an der Welle hielt sich sehr in Grenzen und wäre in der Praxis im jetzigen Zustand praktisch kaum messbar.

Die Haltbarkeit zeigte sich aber vor allem auch bei den Kurbeln. Carbon ist nicht nur ein teures Material, es neigt natürlich auch zu einem anderen Verhalten als Aluminium, wenn es zum direkten Kontakt mit felsigen Gegnern kommt. Und davon hatten wir einige im Testzeitraum. Vor allem in den Renneinsätzen in Nauders und Paganella hatten wir diverse, teilweise heftige Kontakte der Kurbelarme mit dem Untergrund. Zieht es einem in den ersten tagen noch durch Mark und Bein, sieht man das später durchaus gelassen, da die Kurbeln den Kontakt problemlos verkraften. 

eThirteen TRSr SL Kurbel
Optisch fies, aber (noch) kein Grund zur Sorge. Die aktuellen Kurbeln wurden überarbeitet.

Auch wenn sie optisch durchaus Federn gelassen haben, vermitteln sie nach wie vor das Gefühl einer sehr robusten Konstruktion, die so schnell nichts erschüttert. Dazu sei noch zu erwähnen, das die SL Variante unserer Kurbel eigentlich nicht für den harten Enduro Einsatz vorgesehen war. 

eThirteen TRSr SL Kurbel
Das Innenlager war nach über einem Jahr der Nutzung ziemlich fertig. Darf es dann aber auch sein!

Grund zur Kritik gibt es für uns eigentlich nicht wirklich, aber einen Punkt den man bedenken sollte. Der Winkel der Kurbelarme ist bei den 2017er und 2018er Modellen etwas zu flach bemessen, was zu Problemen mit Kombinationen aus Pedalen und Schuhen führen kann. In unserem Fall waren es die Mallet E Pedale von Crankbrothers und die Freerider von FiveTen. Das schmale Pedal in Kombination mit den doch recht breiten Schuhen sorgte für Abrieb am Kurbelarm. In Kombination mit Matsch und 3 Tagen Dauereinsatz ergab sich ein durchaus ordentlicher und unschöner Abrieb der oberen Schicht des Kurbelarmes. Nach Rücksprache mit eThirteen konnten wir den Test allerdings fortsetzen. Optisch absolut unschön, aber dank großzügiger Nutzung von Decklack auf dem Carbon (noch) nicht dramatisch. Bei den aktuellen Modellen tritt dieses „Problem“ nicht mehr auf. Wir empfehlen abgesehen davon dennoch die Nutzung von Pedalen mit längerer Spindel bzw. Etwas mehr Abstand zum Kurbelarm um diesen Kontakt generell auszuschließen.

eThirteen TRSr SL Kurbel
Blessuren waren an vielen Stellen zu finden, Probleme bereiteten sie nie.

Das Kettenblatt geht nach dem Testzeitraum in die Verwertung. Ordentlicher Abrieb und sichtbare Abnutzungserscheinungen machen einen Austausch notwendig. Auch hier ist im Rahmen der Laufleistung alles völlig in Ordnung, denn auch das Kettenblatt fällt wie das Tretlager in die Rubrik Verschleißteile. Bei einem Preis von knapp 60 € ist man somit vergleichsweise günstig unterwegs.

Fazit

Edles Carbon, ansprechendes Design und vor allem eine hochwertige Verarbeitung machen aus den TRSr Carbon Kurbeln einen mehr als adäquaten Ersatz zu den bekannten Kurbeln die man von SRAM oder Shimano erhalten kann. Spätestens wenn man sich keine komplette Antriebsgruppe kaufen möchte, kommt der Einsatz einer Alternative in Frage. Vielleicht auch einfach nur dann, wenn man den vorhandenen Antrieb aufwerten möchte. Die Vorteile von Carbon an der Kurbel liegen vor allem im Bereich von Gewicht und Steifigkeit. Probleme gab es im gesamten Testverlauf keine und auch die Wahl der Schuhe hat bei den neusten Modellen keinen Einfluss mehr. Es kommt also nicht von ungefähr, dass man die eThirteen Kurbel auch im OEM Bereich an immer mehr Komplettbikes zu sehen bekommt.


Text und Redaktion: Patrick Frech, Robin Krings
Fotos: Patrick Frech
Weitere Infos: https://bythehive.com

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