Bereits im letzten Jahr hatten wir für euch einen First Ride Test zur neuen Alutech Fanes 6.0 parat. Nicht nur optisch hat sich einiges getan, auch an der Geometrie hatte man bei Alutech geschraubt. Das Ergebnis konnte sich zeigen lassen und überzeugte auch im ersten, wenn auch kurzen Eindruck. Die letzten Monate haben wir uns nun intensiver mit der Alutech Fanes 6.0 auseinander gesetzt und einen ausführlichen Einzeltest auf die Beine gestellt.

Alutech fanes 6.0
Optisch nach wie vor ein absoluter Blickfang.

Alutech Fanes 6.0 – Übersicht und Ausstattung

Die von uns getestete Alutech Fanes 6.0 ist eine Custom Version welche vom Chef Jürgen Schlender bewusst so bestückt wurde. An Komponenten findest sich alles was Rang und Namen hat, wodurch die komplette Auswahl durchaus als erlesen bezeichnet werden darf. So setzt man zum einen auf das komplette Factory Fahrwerk von Fox (36 und Float X2), edles Carbon von e13 und Answer, die komplette XX1 Eagle Gruppe von Sram und die neuen Hayes Dominion für die Bremsleistung. Letztere war uns bisher eher eine Unbekannte und Hayes konnte in der Vergangenheit nicht wirklich mit überragender Bremsperformance punkten. So waren wir an diesem Punkt mehr als gespannt und wurden durchaus sehr positiv von der Leistung der neuen Bremse überrascht. Möchte man die Custom Variante mit einer verfügbaren Version aus dem Shop vergleichen, so würden wir die „Rayeta“ nehmen. Preislich dürfte man ähnlich landen, allerdings gibt es leichte Abweichungen bei der Bremse.

Alutech fanes 6.0
Aluminium Raw ist unserer Meinung nach die beste Wahl für ein Alutech Rad.

Unser Testfahrer ist mit 1,75 m Größe bei Alutech eigentlich der absolute Kandidat für Rahmengröße M. Durch persönliche Vorlieben und aufgrund der Tatsache, dass die aktuelle Geometrie von Alutech durchaus im Vergleich zu anderen immer noch als gediegen bezeichnet werden kann, wählte er Größe L. Die Alutech Fanes 6.0 sollte dabei auf den Hometrails sowie alpinem Gelände bewegt werden. Die klassische „Ein Bike für alles“ Anforderung wenn man denn so will. Erfahrungen mit Größe M liegen ebenfalls vor und am Ende ist es auch einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks. Vor allem ambitionierte Fahrer richten sich heute kaum noch nach den Empfehlungen der Hersteller bezüglich der Fahrergröße.

Alutech Fanes 6.0
Geometrie Alutech Fanes 6.0

Lässt man den Blick über die Fanes schweifen kann man durchaus etwas ins Schwärmen kommen. Die Formen der 6er Version sind nicht mehr mit der alten Fanes vergleichbar. Man kann fast sagen, dass Alutech sich mit der Fanes ein klein wenig neu erfunden hat. Kennt man die Marke schon etwas länger, dann wird man Fanes-typische Details erkennen. So kommt der Hinterbau komplett aus Carbon, während der Hauptrahmen nach wie vor aus Aluminium besteht. Auch hat sich die Anlenkung und der STS Hinterbau nicht wirklich verändert, was sehr gut so ist. Never touch a running system! Die Kombination aus pechschwarzem Hinterbau und Raw Hauptrahmen mit schwarzen Decals gefällt und ist dezent. Die Verarbeitung ist sehr gut und lässt absolut keinen Punkt zur Beanstandung übrig. Wie von Alutech gewohnt, kann man sich farblich auch bei der neuen Fanes komplett austoben. Von dezent bis Farbexplosion ist alles möglich, was die RAL Farbpalette bietet. Für Freunde individueller Bikes ist das nach wie vor ein wichtiges Argument. Neben mehreren Komplettbikes kann die Fanes 6.0 nach wie vor auch als Framekit gekauft werden.

Vergeblich sucht man allerdings eine Möglichkeit die Trinkflasche bzw. deren Halter zu befestigen. Aufgrund der Anlenkung befindet sich im Rahmendreieck keine Möglichkeit einen Flaschenhalter zu montieren. Hier kann man also nur auf spezielle Lösungen für das Oberrohr zurück greifen. Die für viele Enduro Piloten wichtige Option ist bei der Fanes also leider nicht gegeben.

Alutech fanes 6.0
e13 LG1r EN kombiniert mit den WTB Vigilante Reifen.

Alutech Fanes 6.0 – Bergauf

Mit einem Sitzwinkel von 75 ° geht man direkt auf dem Papier davon aus das man mit der Alutech Fanes 6.0 gut den Berg hinauf kommt. Tatsächlich sitzt man durchaus gut zentriert im Rad und fühlt sich im Stand eher als würde man auf einem DH Bike statt einem Enduro mit Race-Potenzial sitzen. Die hohe Front ist daran sicher nicht ganz unschuldig. Auf dem Trail fühlt sich die Fanes bergauf pudelwohl. Der Hinterbau reagiert generell bereits recht wippfrei. Möchte man es noch eine Spur effizienter, wird er dank der Plattformfunktion des Float X2 nahezu komplett wippfrei und setzt die Pedalkraft erfreulich verlustfrei in Vortrieb um. So gut, dass man durchaus denken kann, auf einem Trailbike mit weniger Gewicht und vor allem weniger Federweg  zu sitzen. Denn die Alutech Fanes 6.0 bringt über 14 kg auf die Waage und die wollen in der Regel ja auch irgendwie den Berg hoch gebracht werden. 

Alutech fanes 6.0
Man kommt grundsätzlich überall hoch, aber kurze und knackige Passagen erfordern Nachdruck auf dem Vorderrad.

Auch auf längeren Bergauf-Passagen verheizt man keine unnötigen Körner und kann bedenkenlos die Almhütte aus eigener Kraft ansteuern. Die Traktion ist dabei immer gut bis sehr gut und die verbauten WTB Vigilante haben keinen übertrieben hohen Rollwiderstand. Die beste Wahl sind sie jedoch nicht, wie wir vor allem noch bergab feststellen sollten.

Geht es normal bis etwas steiler den Berg hoch ist die Position auf dem Rad angenehmen und man muss sich keine Gedanken um eine steigende Front machen. Die Hände ruhen auf dem 810 mm breiten Cockpit, welches auch 1,90 m Recken genügend Platz zur Entfaltung bieten dürfte. Wird es richtig steil und gleichzeitig technisch kommt die Fanes an ihre Grenzen. Die Front benötigt dann eine führende Hand und etwas Nachdruck um nicht zu steigen. Die Verlagerung der Position auf dem Rad kann dann aber schnell zu fehlender Traktion am Hinterrad führen. In kniffeligen Passagen kann das zu einem Problem werden. Hier muss sich aber jeder Interessierte Fahrer die Frage stellen, wie oft er/sie in solchen Grenzbereichen unterwegs ist. Ist man oben angekommen öffnet man die Plattform am Dämpfer und freut sich auf die kommende Paradedisziplin eines jeden Enduro Bikes.

Alutech Fanes 6.0 – Die Abfahrt

Ellenbogen raus, Blick gen Tal bzw. Trail und dann vorwärts. Die Fanes war schon immer ein Rad welches sehr gute Bergab-Fähigkeiten hatte. Auch die 6. Auflage des Bikes ändert an dieser Tatsache nichts. Die satten 170 mm Federweg, die das Fox Fahrwerk generiert, liefern in bekannter Manier ab. Wie gewohnt eher dezent plushig aber dafür umso stabiler bei hohen Geschwindigkeiten, laden sie zu einem ordentlichen Ritt ein. Dabei ist die Fanes durchaus als sehr spurtreu zu bezeichnen. Verpatzte Linien und groben Untergrund schluckt sie klaglos und fängt nicht an zu bocken. In engen Kurven möchte sie teilweise mit etwas Nachdruck geritten werden und bei vielen Möglichkeiten lässt sie sich willig abziehen und auch Faxen sind drin. Dabei vermittelt sie stets eine gewisse Gelassenheit und sorgt so schnell beim Fahrer für Vertrauen. Man baut bereits ein paar Jährchen Bikes bei Alutech und ist in der Lage das gewonnene Know-How gut in die Produktpalette zu integrieren. Bei höheren Geschwindigkeiten bleibt das Fahrverhalten berechenbar stabil und man muss sich keine Gedanken um Überraschungen machen. Wer generell nahezu ausschließlich im Mittelgebirge unterwegs ist, dürfte die Fanes überwiegend unterfordern. Diese Dame möchte durchaus eher grob ausgeführt werden. 

Alutech fanes 6.0
Direkt ab den ersten Metern kommt Freude auf.

Dies merkt man dann, wenn man sich auf gemütlichen, eher flowigen Trails und vor allem weniger steilen Trails bewegt. Hier bekommt man relativ wenig von dem mit, was unter dem Rad passiert und könnte evtl. auch etwas Dynamik vermissen. Natürlich hat man immer noch Spaß, aber das Fahrverhalten ist definitiv nicht so lebendig und verspielt wie auf einem Trailbike mit weniger Federweg und mehr Popp. Aber das möchte die Fanes wie gesagt auch nicht sein. Oder anders ausgedrückt, ist die Fanes schon fast zu viel Bikes für derart seichte Trails.

Alutech fanes 6.0

Der Hinterbau kann aber generell als sehr gut abgestimmt bezeichnet werden. Mit knappen 25% SAG sprach er vor allem in grobem Gelände sensibel an, ohne dabei zu viel Federweg frei zu geben. Reserven bietet das 170 mm Fahrwerk generell ausreichend. Wie bei Fox üblich ist die Abstimmung eher straff und bietet zusätzlich die Option mit Volumenspacern die Gabel und den Dämpfer weiter an die eigenen Vorlieben anzupassen.

Die gewählte Bereifung hat uns vor allem auf den heimischen Trails nicht vollends überzeugt. Vor allem bei schlechterer Witterung mit Laub und Matsch kommt der Grip der WTB Bereifung schnell an seine Grenzen. Es sind Enduro-Alround Reifen die somit einfach nicht jeder Vorliebe gerecht werden können.

Alutech fanes 6.0

Alutech Fanes 6.0 – Disclaimer

Nach etlichen Monaten auf der neuen Fanes 6.0 kann man von einem mehr als gelungenen Upgrade reden, welches vor allem optisch stark abliefert. Auf dem Trail selbst war die Fanes auch vorher schon ein sehr gutes Bike, welches sich nach wie vor nicht vor der großen Konkurrenz zu verstecken braucht. Unser Testfahrer würde am Ende statt L doch zu Größe M greifen um die Dame unter anderem ein klein wenig wendiger zu machen.

Alutech fanes 6.0

Fazit:

Die Alutech Fanes 6.0 ist ein gelungenes Upgrade zur letzten Version und damit nach wie vor ein waschechtes Enduro Bike. Mit viel Potenzial und vor allem Reserven im Federweg ist es für uns klar für den Weg bergab gemacht, ohne dabei die Mühen einer Auffahrt unnötig zu erschweren. Optisch ein Augenschmauß und mit edler Ausstattung gibt es von unserer Seite aus nur die fehlende Flaschenhalterung zur kritisieren. Die sehr ähnlich ausgestattete verfügbare Rayeta Edition der Fanes wandert übrigens für 6.699€ über die virtuelle Ladentheke. Die aktuelle Fanes ist damit ein Bike welches mit zeitgemäßer Geo und robustem Rahmen sicher lange Freude bereiten kann.

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