Cane Creek hat sich in der Vergangenheit neben hochwertigen Steuersätzen in erster Linie einen Namen für sehr gute Dämpfer gemacht. Heimlich, still und leise haben die Amerikaner aus dem Bundesstaat North Carolina aber auch an ihrer Federgabel „ Cane Creek Helm “ gearbeitet. Diese haben sie Anfang 2017 mit einem lauten Knall der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Wir hatten die Möglichkeit das neue „Ruder“ (auf englisch helm) die letzten Wochen für euch ausgiebig zu testen.

Einsatzbereich Trail, Enduro
Laufradgröße 650b
Federung Luft
Federweg 100 – 170 mm; Optimiert auf 140 – 170 mm
Einbauhöhe 553 mm
Stechachse 15 x 110 mm
Bremsaufnahme PM6; maximal 203 mm
Offset 44 mm
Standrohrdurchmesser 35 mm
Material Aluminium
Einstellmöglichkeiten
Low Speed Rebound Extern, 15 Klicks
High- & Low Speed Compression Extern, 10 bzw. 20 Klicks
Luftkammervolumen Internes System, 8 Einstellmöglichkeiten
Gewicht 2070 g
Farben schwarz
Preis 1.199,00 €

 

Optisch kommt die Cane Creek Helm in dezentem schwarz mit weißen Decals und wenigen goldenen Highlights daher. Diese goldenen Akzente beschränken sich auf die Einstellrädchen für die Low Speed Compression sowie Rebound und die D-Loc Steckachse. Auch die Verarbeitung weiß durchaus zu gefallen. Alle Verstellrädchen lieferten ein deutliches Feedback bei den Klicks, an der Steckachse klapperte nichts und auch die Lackierung wusste zu überzeugen. Einziges Manko ist unseres Erachtens die Formgebung der Verstellrädchen für Low und High Speed Compression. Bedient man sie ohne Handschuhe schmeicheln sie, je nach Berührungspunkt, nicht immer den Fingern.

Setzt Cane Creek bei ihren Dämpfern konsequent auf die Twin-Tube Technologie, haben sie sich bei der Helm für die Mono-Tube Dämpfungseinheit entschieden. Von den Einstellfunktionen unterscheidet sich die Cane Creek Helm wenig von anderen Mitstreitern auf dem Markt. So wird auf der linken Seite der Gabel der Luftdruck für die Federung eingestellt und auf der rechten Seite bekanntermaßen die Druck- und Zugstufendämpfung. Allerdings lösen es die Nordamerikaner teilweise ein wenig anders. Bei vielen Wettbewerbern wird die Positivkammer mit Luft befüllt und der Druck in der Negativkammer passt sich automatisch an. Bei der Helm wird zunächst tatsächlich nur die Positivkammer mit Luft befüllt um dann anschließend ein gesondertes Ventil, am linken unteren Ende des Castings zu öffnen, damit Luft in Negativkammer strömen und für den entsprechenden Druckausgleich sorgen kann.

Bei der Volumenanpassung der Luftkammer, um Einfluss auf die Endprogression der Federkennlinie zu nehmen, geht Cane Creek etwas andere Wege. Bei der Helm müssen keine Plastikspacer hinzugefügt oder entfernt werden. Das Volumen kann per Hand auf acht verschiedenen Positionen eingestellt werden. Allerdings muss vorher trotzdem mit einer 30er Nuss die Luftkammer geöffnet werden:

Standardmäßig hat die Helm 160 mm Federweg, allerdings kann sie per Spacer intern in 10 mm Schritten angepasst werden. Der Federweg kann bis auf 170 mm erhöht und auf 100 mm abgesenkt werden. Cane Creek gibt aber an, dass die Helm auf einen Federweg zwischen 140 und 170 mm optimiert wurde.

Beim Einbau des Vorderrades haben wir dann auch unsere erste Bekanntschaft mit dem individuellen D-Loc Steckachsensystem gemacht. Die Achse ist nicht rund und kann daher nicht x-beliebig eingefädelt werden. Für die passende Position steht aber zur Orientierung „This side up“ auf dem oberen flacheren Teil. Hat man die Achse durchgeschoben, wird sie mit einer Art Schalter arretiert und ist somit schon gesichert. Anschließend wird das Ganze auf der Seite des Hebels mit einer Konterschraube vorgespannt und der Hebel umgelegt. Klingt fürs Erste kompliziert geht aber in Wirklichkeit schnell und einfach von der Hand.

Setup

Für das Grundsetup stellen wir zunächst immer nur den SAG und den Rebound ein. Alles andere wird dann auf dem Trail entsprechend nachjustiert. Cane Creek empfiehlt einen Negativfederweg für die Helm von 15 – 25 %. Dazu befüllen wir zunächst die Positivkammer mit Luft. Zur Orientierung gibt Cane Creek einen Luftdruck in PSI für die Hälfte des fahrfertigen Gewichts in Pfund an. In unserem Fall haben wir knapp 80 kg inkl. Rucksack und Co. Das sind umgerechnet 176 Pfund. Bei uns kamen wir so auf 88 PSI. Der Einfachheit halber kann man zur groben Orientierung auch einfach sein Gewicht in Kilogramm als Luftruck (in psi) wählen. Anschließend haben wir das Ventil für die Negativkammer geöffnet. Wichtig hierbei ist, dass man in der Zeit, in der man das Ventil betätigt die Gabel nicht belastet, sprich komprimiert. Denn sonst verharrt sie in dieser Position. Mit dieser Empfehlung landeten wir bei fast genau 20 % SAG. So ging es zunächst auf den Trail.

Zum Uphill müssen wir gar nicht viele Worte verlieren. Während alle Dämpfer aus dem Hause Cane Creek mittlerweile die Climb Switch Technik als Kletterhilfe besitzen, fehlt diese Funktion bei der Helm gänzlich. Allerdings haben wir das bei der Gabel zu keiner Zeit vermisst. Bergauf verhielt sie sich angenehm unauffällig. Ganz platt formuliert, macht sie das, was sie soll. Sie schaukelt sich nicht auf und sorgt selbst bei langsamen Geschwindigkeiten hinauf für eine gute Traktion, was dadurch begründet werden kann, dass die Dämpfung von Haus aus sehr straff ist.

Neigt sich der Trail dann gen Tal wird es schon spannender. Wie verhält sich die Helm? Wird sie ihren Vorschusslorbeeren gerecht?

Cane Creek Helm
Die Cane Creek bietet sehr viel Support, direktes Feedback und geschmeidiges Ansprechverhalten

Nervös wie ein Rennpferd vor dem Start drücken wir noch im Stand energisch auf den Lenker, komprimieren die Helm und sie reagiert äußerst sensibel. Von einem Losbrechmoment oder Haftreibung ist nichts zu spüren. Dennoch fühlt sich die Helm im Vergleich zur Formula 35 nicht so plush an, sondern bietet von Anfang an einen angenehmen Support durch den ganzen Federweg sowie Feedback. Die Möglichkeit, dass man die Positiv- und Negativkammer der Cane Creek Helm manuell einstellen kann, bietet auch einen kleinen Trick, um die Helm am Anfang der Federung etwas lebendiger zu machen. Dazu wird die Positivkammer mit etwas mehr Luftdruck aufgepumpt, als man eigentlich braucht, anschließend gleicht man die Positiv- und Negativkammer aus, um im Nachgang wieder etwas Luft aus der Positivkammer zu entnehmen. Dadurch wird die Cane Creek gerade am Anfang des Federwegs noch etwas feinfühliger und aktiver. Der Nachteil ist, dass ein wenig Federweg verschenkt wird und man schneller im harten Bereich des Federwegs landet.

Cane Creek Helm Generell ist die Progression der Luftfeder stark ausgeprägt. Das Luftkammervolumen hatten wir in der „linearsten“ Einstellung und dennoch haben wir äußerst selten den kompletten Federweg gebraucht. So hatten wir immer noch eine kleine Reserve für einen harten Einschlag. Testweise haben wir die Volumenverstellung verändert, um zu prüfen, wie sich diese bemerkbar macht. Und wir wagen mal zu behaupten, dass es sehr wenige Personen gibt, welche die progressivste Einstellung nutzen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass jede einzelne Rasterung eine deutliche Steigerung der Progression bietet.  Auch die Dämpfung der Cane Creek Helm ist sehr straff, so dass wir beide Druckstufen weit offen hatten. Mit diesen straffen Eigenschaften will die Helm mit viel Nachdruck und aggressiv gefahren werden, um den entsprechenden Federweg freizugeben. Fordert man die Helm auf diese Art und Weise zahlt sie dies mit einer wirklich tollen Traktion zurück. Auch beim pushen über Bodenwellen oder aus Kurven heraus unterstützt sie die Impulse des Fahrers erstklassig. Wie sieht es aber mit der Steifigkeit aus, wenn die Gabel auf die Art und Weise durch ruppiges Gelände und schnellen Kurven bewegt wird? Super! Die Cane Creek Helm legt eine hohe Steifigkeit an den Tag und belohnt die aktive Fahrweise mit einem super präzisen Handling. Maßgeblich dafür ist das steife Casting, welches einen ausgeprägten Teil für diese Präzision ausmacht. Ein Flexen konnten wir nicht feststellen.

Service der Cane Creek Helm

Cane Creek empfielt alle 50 Betriebsstunden einen kleinen Service zu machen. Wer den kleinen Lower leg Service selbst machen kann und will, darf dies auf eigene Gefahr tun. Cane Creek bietet hierfür ein 50 Stunden Kit an. Wer diese Aufgabe lieber abgeben möchte, kann seine Helm zu Cosmic Sports senden und dort einen fachmännischen Service durchführen lassen. Einen Kartuschen Service der Cane Creek Helm darf man selbst nicht durchführen ohne, dass die Garantie erlischt.

Fazit:

Mit der Helm ist Cane Creek ein tolles Produkt gelungen. Das Ansprechverhalten ist sehr geschmeidig. Die straffe Dämpfungs- und Federungscharakteristik ist in unseren Augen sehr individuell und grenzt sich von der breiten Masse deutlich ab. Auch die Steifigkeit in Verbindung mit einer hohen Präzision und dem ausgeprägten Support sowie Feedback macht sie gerade für aggressive, fortgeschrittene Fahrer oder Enduro-Racer interessant. Was uns sehr gut gefallen hat, ist die Anpassung des Luftkammervolumens. Aufgrund dessen, dass hier keine „externen“ Token eingesetzt werden müssen, sondern das System integriert ist, kann dies relativ einfach vorgenommen werden und es muss kein zusätzliches Zubehör (Token) gekauft werden. Mit einer UVP von 1.199,00 € ist sie gegenüber den Mitbewerbern in bester Gesellschaft. Allerdings liegt der Straßenpreis bei teilweise unter 1.000,00 € und ist im Vergleich zu den bekannten Mitstreitern relativ fair.


Text: Philipp Kargel
Redaktion: Robin Krings
Fotos: Philipp Kargel, Thorsten Illhardt, Jakub Reichhart

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