Trailbanger! Mit diesem Namen haut Centurion eine ziemlich fette Ansage raus und erweckt damit sogleich unsere Erwartung, ein starkes Enduro vorgesetzt zu bekommen. Mit leichten Anpassungen der Geometrie und Ausstattung zum Vorjahr scheint der Weg dorthin geebnet zu sein. Wieviel Bangareng wirklich aus dem Centurion Trailbanger zu kitzeln ist, soll unser Test klären.

Centurion Trailbanger
Durchgestylt von vorne bis hinten.

So durchgestylt wie das Trailbanger hat uns schon lange kein Rad mehr erreicht. Das matte Grau wirkt edel und unterstreicht die ohnehin schon sehr schicke Formensprache des Alurahmens. Für eine aufgeräumte Optik sind natürlich sämtliche Züge im Rahmen verlegt. Die grünen Akzente, die man von vorne bis hinten findet, machen das Trailbanger zum Hingucker, wirken dabei aber nie übertrieben. Da rennt man gleich zum Klamottenschrank, um die farblich passenden Sachen zu suchen und sich komplett durchgestylt auf das Rad zu schwingen.

Ready for Action.
Ready for Action.

Doch nicht nur die Optik des Centurion Trailbanger wirkt stimmig, sondern auch der Blick auf die Komponenten. Wie es sich für einen Abfahrtsboliden gehört, ist die Ausstattung robust gewählt. So nimmt eine Rock Shox Yari RC mit 170 mm Federweg die Schläge an der Front auf. Am Hinterbau generiert ein Rock Shox Monarch + DebonAir (216 x 63 mm) 165 mm Federweg. Um das Rad während eines zügellosen Ritts wieder einzufangen, hat Centurion eine kräftige Shimano Zee Bremsanlage mit fetten 203 mm Bremsscheiben für vorne und hinten spendiert. Ein SRAM GX Eagle Antrieb mit einer 170 mm langen Kurbel (Rahmenhöhe 38) und einem 32er Kettenblatt soll unterdessen dafür sorgen, dass der Fahrer aus eigener Kraft die nächste Steigung erklimmt. Die Mischung aus SRAM Schaltung und Shimano Bremsen mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, ist aus Sicht des Testers aber das Beste aus beiden Welten.

Sich bewusst, dass große Fahrer andere Anforderungen als kleinere Fahrer haben, hat Centurion dem Trailbanger bei Rahmenhöhe 48 eine passende 175 mm lange Kurbel spendiert. Doch nicht nur die Kurbellänge, sondern auch die Variostütze wächst mit der Rahmengröße. So findet sich bei Rahmenhöhe 38 eine 125 mm Stütze, Fahrer eines 43er Rahmens bekommen 150 mm Verstellweg und Piloten des 48er Rahmens erhalten sogar 170 mm.  Die restlichen Anbauteile wie der 780 mm breite Alulenker, Vorbau und die Laufräder kommen aus dem Hause Procraft.

Das Cockpit ist komplett von Procraft.
Das Cockpit ist komplett von Procraft.

Höchst erfreulich für kleine Fahrer ist die Tatsache, dass nun auch bei Rahmenhöhe 38 Platz für einen Dämpfer mit Ausgleichsbehälter geschaffen wurde. Vor allem auf langen, ruppigen Abfahrten, wo Dämpfer ohne Ausgleichsbehälter aufgrund hoher Hitzeentwicklung zu schwindender Dämpfung durch Überhitzung neigen, sollte das ein großer Gewinn an Performance sein.

Dämpfer mit Ausgleichsbehälter gibt es nun bei allem Rahmenhöhen.
Dämpfer mit Ausgleichsbehälter gibt es nun bei allem Rahmenhöhen.

Mit 15 kg ist das Trailbanger für heutige Verhältnisse nicht bahnbrechend leicht im Enduro Sektor. Mit Blick auf die Ausstattung und einem soliden Alurahmen geht das für uns aber auf jeden Fall klar. Freunde der härteren Gangart wird zusätzlich erfreuen, dass das Trailbanger eine komplette Park Freigabe besitzt. Für 3.499 € bekommt man hier sehr viel Bike für sein Geld.

Die Ausstattung des Trailbanger 2000

Quelle: Centurion Bikes

Geometrie des Centurion Trailbanger

Für das Modelljahr 2018 schwimmt das Trailbanger mit dem Trend und wird somit länger und tiefer, wobei die Änderungen nicht so radikal wie bei manch anderen Herstellern ausfallen. Mit einem Reach von 403 mm bei Rahmenhöhe 38 liegen diese eher auf der zahmen Seite. Selbst bei Rahmengröße 43 wächst der Reach lediglich auf 433 mm (450 mm beim größten Rahmen). Wer sich mehr Laufruhe wünscht oder seinen Fokus auf Rennen legt, sollte daher je nach Vorliebe einen Rahmen größer wählen. Das funktioniert aber nur solange die Beine lang genug sind. Der Sprung von satten 5 cm von Rahmenhöhe 38 auf Rahmenhöhe 43 fällt nämlich recht groß aus. Im Gegensatz zum Vorjahr stellt Centurion auch nur noch drei, statt vier Rahmenhöhen zur Verfügung.

Quelle: Centurion Bikes

Uphill

Gemächlich und angenehm antriebsneutral schlängelt sich das Trailbanger über Asphalt und Forstwege den Berg hinauf. Selbst bei geöffnetem Dämpfer vernimmt man dabei kaum ein Wippen. Gepaart mit der GX Eagle Schaltgruppe lassen sich selbst steile Anstiege in gemütlichem Tempo nehmen, sodass am Traileinstieg noch genügend Körner für die Abfahrt übrig sind. Der steile Sitzwinkel und die recht niedrige Front sorgen dafür, dass das Vorderrad auch bei steilsten Rampen erst sehr spät anfängt zu steigen. Trotz des 65,5° flachen Lenkwinkels wirkt das Trailbanger bergauf sehr ausgewogen und fühlt sich selbst in Spitzkehren nicht kippelig an.

Auch im Wiegetritt geht es ohne Plattform noch gut bergauf.
Auch im Wiegetritt geht es ohne Plattform noch gut bergauf.

Downhill

Bangareng! Bergab macht das Centurion Trailbanger seinem Namen alle Ehre. So frühstückt es flowige und ruppige Trails gleichermaßen ab. Auch wenn die Geometrie kürzer als bei vergleichbarer Konkurrenz ausfällt, fährt es sich sehr stabil. Einen großen Anteil an der Laufruhe bietet der hervorragende Hinterbau. Stoisch nimmt er jeden noch so schnellen Schlag auf und stellt genug Federweg für den nächsten bereit. Vor allem auf Flatpedals vermittelt es viel Sicherheit, weil wir nie das Gefühl hatten von den Pedalen geschüttelt zu werden. Bei kleineren Flugeinlagen gab uns der Hinterbau am Anfang allerdings zu bereitwillig den Federweg frei, was uns nach einen Blick in den Dämpfer wenig verwunderte. Unser Model wurde nämlich komplett ohne Spacer geliefert. Für flottere Fahrten haben wir den Dämpfer mit 3 Volumenspacern versehen, um ein wenig mehr Durchschlagschutz zu erhalten.

Abwärts ist das Trailbanger in seinem Element.
Abwärts ist das Trailbanger in seinem Element.

Die Motion Control Dämpfung der Rock Shox Yari RC kann hier leider nicht ganz mithalten, da sie ein wenig zu schnell durch den Federweg wandert und zu wenig Feedback vom Untergrund bot. Eine Charger Dämpfung, wie man sie in der Rock Shox Lyrik findet, würde einem so potenten Bike wie dem Trailbanger einiges besser zu Gesicht stehen und die Performance noch einmal deutlich anheben.
Nichts desto trotz bietet das Centurion Trailbanger verdammt viel Potenzial. Dank der hohen Laufruhe und dem gutmütigen Charakter ist das Trailbanger hervorragend für Neulinge im Enduro Sektor geeignet, die sich langsam an höhere Geschwindigkeiten herantasten wollen. Und hohe Geschwindigkeiten lassen sich mit den Trailbanger definitv erreichen.

In hängenden Passagen bieten die Reifen auch bei schlechter Witterung ordentlich Halt.
In hängenden Passagen bieten die Reifen auch bei schlechter Witterung ordentlich Halt.

Auch bei den Laufrädern steht alles auf Angriff. Auf Downhill Performance getrimmt hat Centurion vorne wie hinten einen Maxxis High Roller 2 in weicher Triple Compound „Maxx Terra“- Mischung spendiert. Exzellent abgestützt durch die Altitude 30 Felgen (30 mm Maulweite), haben uns die 2,4“ breiten Schlappen stets der Wunschlinie folgen lassen.

Einmal hart anbremsen, kein Problem mit der Shimano Zee.
Einmal hart anbremsen, kein Problem mit der Shimano Zee.

Das Centurion Trailbanger kann aber noch mehr als nur im Kamikazemodus den Berg hinab schießen. Die 428 mm kurzen Kettenstreben machen es wendig genug, um es durch nahezu jedes Nadelöhr zu manövrieren. Ist die Kurve zu eng um sie auf beiden Rädern durchzurollen, geht es bereitwillig auf das Vorderrad.

Im Schnee lernt man das Trailbanger auch mal langsam um die Kurzve zu bringen.
Im Schnee lernt man das Trailbanger auch mal langsam um die Kurzve zu bringen.

Da immer mehr Enduro Rennfahrer auf eine Trinkflasche anstatt eines Rucksackes setzen, hat Centurion am Trailbanger natürlich auch eine Montage für einen Flaschenhalter vorgesehen. Aufgrund der Dämpferposition ist die Montage allerdings aus dem Rahmendreieck heraus an das Unterrohr gewandert. Leider ist die Flasche damit bei feuchter Witterung dem dauerhaften Dreckbeschuss des Vorderrades ausgesetzt, was einen wenig appetitlichen Eindruck hinterlässt.

Das Trailbanger ist im Sommer wie im Winter ein treuer Begleiter.
Das Trailbanger ist im Sommer wie im Winter ein treuer Begleiter.

Komponentencheck

Procraft D-SP.RI  Vario-Sattelstütze

Überrascht einen weiteren Mitbewerber im hart umkämpften Markt der Vario Sattelstützen zu sehen, waren wir sehr positiv von der Funktion der Sattelstütze überrascht. Weder schlechtes Wetter noch Eiseskälte konnten der D-SP.RI etwas anhaben. Lediglich der leicht klappernde Hebel bietet hier Potenzial zur Verbesserung.

Shimano Zee Bremse

Vier Kolben für ein Halleluja. Mit der Shimano Zee Bremse hatten wir immer genug Power, um auch den wildesten Ritt wieder einzufangen. Mit 203 mm großen Bremsscheiben an Front und Heck sollten alle Fahrer, ob leicht oder schwer, locker zum Stehen kommen.

SRAM GX Schaltung

Die GX Eagle Schaltung ist das Beste was den langhubigen Potenzschleudern passieren konnte. Mit zwölf Gängen und einem 50er Rettungsring ist man für fast alles gewappnet. Lässt man das Gewicht außer acht, steht sie den teuren Brüdern aus der X01 und XX1 Gruppe um nichts nach, punktet jedoch mit einem besseren Preis-/Leistungs- Verhältnis.

Fazit

Centurion hat mit den Trailbanger verdammt viel richtig gemacht. Kurbel- und Sattelstützenlänge nach Rahmengröße, eine Geometrie mit der man sich wohl fühlt und eine durchdachte Ausstattung. Vor allem Fahrer mit etwas schmalerem Geldbeutel bekommen mit dem Trailbanger 2000 eine Maschine für Renneinsatz und Bikepark zum fairen Preis. Bangareng!


Text: Thomas Kappel
Bilder: Thorsten Illhardt, Thomas Kappel
weitere Informationen: Centurion Bikes

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