Den meisten unter uns dürfte DMR Bikes in erster Linie wegen ihrer beliebten Flatpedals bekannt vorkommen. Auch dass sie exzellente Dirtjump Rahmen entwickeln und sogar bereits Full Suspension Rahmen im Portfolio haben, ist dem ein oder anderen sicherlich bekannt. Dass sie letztes Jahr nun aber auch offiziell mit ihrem ersten Aluminium Rahmen mit 160 mm Federweg im Trail- beziehungsweise Endurosektor unterwegs sind, ist für viele neu. Seit wir das neue DMR Sled im auffälligen infra red gesehen haben, waren wir Feuer und Flamme, dieses heiße Geschoss zu testen. Und ob es nur gut aussieht oder aber auch auf dem Trail brillieren kann, haben wir die letzten Wochen versucht für euch herauszufinden.

DMR Bikes wurde 1995 in Großbritannien von Damian Mason und Matt Ryley gegründet. Aus den Initialen der beiden ergibt sich der Name DMR. Bekannt wurde die britische Firma durch ihre Dirtjump Rahmen aus Stahl und natürlich durch die berühmten Pedale V8 und Vault. Das DMR Sled ist zwar nicht das erste Full Suspension Bike – dies war das Bolt – aber dafür das erste Aluminium Bike mit 160 mm Federweg von DMR und wurde von Grund auf neu entwickelt. Für diese Neuentwicklung wurde mit David Earle ein absoluter Experte für VPP Hinterbauten eingekauft. Das Ziel der Designer war es, ein schnelles, Spaß bereitendes aber auch haltbares sowie wartungsarmes Bike zu kreieren ganz nach dem Credo: weniger Schrauben, mehr Biken.

DMR Sled
Ein typischer VPP Hinterbau

Den Sled Rahmen bietet DMR in den zwei Farben metallic black und infra red zu einem Preis von 1.999,99 € an. Aber auch ein Komplettbike kann mittlerweile durch einen Händler über Cosmic Sports bestellt werden.

Für unseren Test haben wir jedoch einen exklusiven Aufbau von Cosmic Sports erhalten, der 14,4 kg auf die Waage brachte und deutlich vom Aufbau des Komplettbikes abwich.

Rahmen DMR Sled, infra red, Größe L
Federgabel Cane Creek Helm, 160 mm Federweg
Dämpfer Cane Creek DB Inline CS
Schaltung SRAM X01, 11-fach
Kassette E*Thirteen 9-46T
Bremse Formula Cura
Laufräder E*thirteen TRS+
Sattelstütze E*thirteen TRS+ (150 mm)
Reifen E*Thirteen TRS
Kurbel DMR Axe
Vorbau DMR Defy 50
Lenker DMR Wingbar (Alu)

 

Der Rahmen

Bedingt durch den ovalen Querschnitt der Rohre wirkt der Rahmen von der Seite unheimlich mächtig, während er von oben betrachtet eine deutlich schlankere Form an den Tag legt. Dass der Rahmen auf Haltbarkeit ausgelegt ist, unterstreicht die fette Wippe und die Verbindung zum Hinterbau, die ebenfalls einen mächtigen Eindruck hinterlassen. Dies lässt darauf hoffen, dass der Sled-Rahmen, wie von den Entwicklern versprochen, sehr steif ist. In unseren Augen ein großer Pluspunkt ist das geschraubte 73 mm BSA Tretlager. Aber auch die großen Lager gefallen uns sehr gut und lassen eine lange Lebensdauer vermuten. Die Verarbeitung des Rahmens und der Lack fügen sich mit einer hohen Qualität nahtlos in dieses Erscheinungsbild ein. Der Rahmen verfügt zwar grundsätzlich über innen verlegte Leitungen, aber in Wirklichkeit verschwinden die Leitungen nur auf einer recht kurzen Wegstrecke im Unterrohr, mit Ausnahme der Leitung für die Sattelstütze.

Der Hinterbau bietet nicht zuletzt wegen des Boost-Standards von 12×148 mm ordentlich Reifenfreiheit.

Optisch erinnert das Sled doch schon sehr an eine kalifornische Kultmarke, die ebenfalls auf das VPP Hinterbaukonzept setzt. Allerdings unterscheidet sich das Rahmendesign des DMR Sled in einem elementaren Bereich deutlich von anderen VPP-Bikes. Die untere Wippe dreht sich wie ein Orbit konzentrisch um das Tretlager. Daher kommt auch der Name „Orbit-Link“. Das Ziel der Entwickler war es, dem Sled einerseits sehr gute Klettereigenschaften zu spendieren, wofür ein VPP-Hinterbau in ihren Augen prädestiniert ist, aber auch einen steifen Rahmen zu entwickeln, den man beim Downhill hart rannehmen kann.

Die Geometrie kann durchaus als modern beschrieben werden. Was uns gut gefällt, ist der Aspekt, dass die Sitzrohre tendenziell kurz ausfallen, wodurch man das Sled mehr nach dem Einsatzzweck oder den eigenen Vorlieben auswählen kann als nach der Körpergröße. So konnte unser Redakteur Philipp mit 1,73 m Körpergröße und einer Schrittlänge von 73 cm das Bike in der Größe L fahren, obwohl ihn die Größentabelle eher zu einem Medium Bike einordnet.

Auf dem Trail

Da laut DMR bei der Entwicklung des Sled ein Schwerpunkt auf einer sehr guten Pedalierbarkeit lag, waren wir besonders gespannt, wie sich das DMR SLED bergauf verhält. Die Anti-Squat Werte sind das eine, die des Popometer das andere. Aber hier haben die beiden Werte gut zueinander gepasst. Selbst mit offenem Dämpfer neigt das Sled kaum zum Wippen und lässt sich recht komfortabel den Berg hinauf treten. Komfortabel auch deshalb, weil wir in Größe L den Sattel nicht so weit ausziehen mussten und somit die Position recht zentral über dem Pedal war. Auch haben wir den Sattel sehr weit nach vorne geschoben. Dadurch war es uns möglich die Kraft optimal zu übertragen. Der Hinterbau sorgt für eine gute Traktion bergauf. Ebenfalls positiv aufgefallen ist uns, dass wir äußerst selten mit dem Pedal aufgesetzt sind, was an dem – im Vergleich zu anderen Bikes – höheren Tretlager liegt. Wir können also durchaus bestätigen, dass sich das Sled bergauf gut bewegen lässt.

Geht auch ganz gut bergauf, der Schlitten

Und wie schlägt sich der Schlitten bergab?

Bergab fühlt man sich an seine Kindheit erinnert, in der es etwas ganz Besonderes war, mit dem Schlitten den Berg vorm Haus mit seinen Freunden herunterfahren zu können. Und so freut man sich jedes Mal wie ein Honigkuchenpferd, wenn der Trail bergab neigt und man dem Sled die Sporen geben darf. Selten durften wir ein Bike fahren, welches dermaßen spurtreu und präzise in der Linienwahl war. Ebenfalls klasse ist die Laufruhe, die das DMR Sled an den Tag legt. Das vermittelte viel Sicherheit und wir fühlten uns sehr schnell sehr wohl auf dem Schlitten. Das wiederum verleitet dazu, die Bremse ganz lange offen zu lassen und auch eher mal die gewagten Linien zu wählen.

Der lange Reach macht es sehr leicht, Druck auf dem Vorderrad zu erzeugen. Die Balance des Bikes hat uns sehr gut gefallen, denn das Hinterrad folgte zielsicher dem richtungsgebenden Vorderrad ohne, dass wir mit einem ausbrechenden Hinter- oder rutschenden Vorderrad zu kämpfen hatten. Auch in der Luft machte sich diese gute Balance durch ein stabiles und berechenbares Verhalten bezahlt. Bei einem SAG von 30 % würden wir die Kennlinie des Hinterbaus als gemäßigt progressiv bezeichnen. Deshalb empfanden wir es durchaus als sinnvoll, den ein oder anderen Token in den Dämpfer zu packen. Ohne fehlte uns etwas das Feedback und auch härtere Schläge fühlten sich ohne Spacer sehr harsch an. Was uns dazu verleitet zu behaupten, dass ein Stahlfederdämpfer nicht unbedingt zum Sled passt.

Knifflige Stellen? Kein Problem für das DMR Sled

Die Komponenten

Unser Sled war neben dem Cane Creek Inline mit der Helm ausgestattet. Unserer Meinung nach passt die Federgabel sehr gut zum Sled, da sie mit ihrer straffen Art massig Reserven liefert, die man gerade mit dem Sled sehr gut ausreizen kann. Auch die Steifigkeit der Helm macht sich positiv bemerkbar, da auch der Rahmen recht steif ist. Normalerweise wird der Sled Rahmen mit einem speziell getunten Rock Shox Monarch RT3 ausgeliefert. Aber auch der Inline machte eine sehr gute Figur. Der Federweg ließ sich sehr gut nutzen und mit seinen zahlreichen Einstellmöglichkeiten sowie mit Volumenanpassungen kann das Sled sehr facettenreich abstimmt werden. So sollte jeder sein passendes Setup finden.

Die Formula Cura Bremse musste sich auch schon bei uns im Einzeltest beweisen und schlug sich auch am Sled mit Bravour. Allerdings braucht das Sled auch eine solch kräftige Bremse.

Von ethirteen stammte neben der Kassette noch die komplette Laufradeinheit inklusive der Reifen. Während die Laufräder in unserer Testzeit über jeden Zweifel erhaben waren, sind wir bei den Reifen etwas unentschieden. Einerseits lieferten sie ordentlich Traktion und Grip, andererseits war der Rollwiderstand enorm hoch.

Fazit

Einige Jahre Entwicklungsarbeit steckte DMR in das Sled und diese hat sich bezahlt gemacht. Uns hat das Sled total überzeugt. Es vermittelte uns von Anfang an sehr viel Sicherheit, was sich in Geschwindigkeit und Spaß umwandelte. Überzeugend finden wir sowohl die Optik als auch die Verarbeitung des Rahmens. Auch die Konstruktion mit den sehr großen Lagern hat uns sehr gut gefallen. Der Rahmen ist unheimlich steif und lässt sich somit sehr präzise fahren. Die Kinematik des Sleds ist daher interessant, da sie den Spagat zwischen guten Pedaliereigenschaften ohne großes Wippen und Aufsetzen der Pedale und einer sehr guten Downhillperformace in Form von Laufruhe, Stabilität und Lenkpräzision schafft. Mit einem entsprechenden Luftdämpfer lässt sich der Hinterbau gut auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.


Text: Philipp Kargel
Redaktion: Robin Krings
Fotos: Jakub Reichhart, Thorsten Illhardt

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here