Hallo allerseits – wenn ich mich eben kurz vorstellen darf: Ich bin Horst, Horst der freundliche Rottweiler und Traildog aus Leidenschaft. Mein voller Name ist Horst Holger Schrottweiler und ich werde heute über meinen ersten Downhill Worldcup berichten. Ich weiss, ihr habt alle mit einer Kolumne von meinem bekloppten Frauchen „Manu“ gerechnet, aber die ist seit Leogang leider out of order, weil sie sich pfeifrisches Drüsenfieber, auch bekannt als Kissing Virus, eingefangen hat. Wie das passieren konnte? Ich kann es euch nicht sagen, ich musste während der Party im Wohnmobil bleiben. Also, seid ihr nicht böse und lest einfach mal was abgeht, wenn „Horst on fire“ ist.
Also kommen wir zurück zum eigentlichen Thema: Mein erster Worlcup, welchen ich in Leogang erleben durfte. Die Autofahrt war öde, wie immer. Mittlerweile bin ich dieses ewig lange Herumgurken ja schon gewöhnt, aber mit 80 Kilometer Topspeed im Loose-Mobil bis nach Leogang, war echt übelst langweilig. Aber die Fahrt hat sich gelohnt, ich hatte ein mega Wochenende und ich denke, meinem Ziel einmal in meinem Hundeleben zur Red Bull Rampage nach Utah zu gelangen, bin ich auch wieder ein Stück näher gekommen, denn ich habe Hinz- und Kunz kennen gelernt und zu den wichtigen Leuten, war ich natürlich besonders nett und habe aufmerksame Konversation betrieben. Nicht zu aufgesetzt, oder affektiert – ich habe einfach versucht locker zu bleiben und ich selbst zu sein.
Das war beim ersten Highlight des Worldcup Wochenendes, dem Trackwalk aber gar nicht mal soooo einfach, denn ich war verdammt aufgeregt und hatte wirklich Mühe damit, mich vernünftig zu benehmen und so zog ich zwischendurch mal gut an der Leine, weil ich überall die Downhillstars sah, die ich bisher ja nur von Red Bull TV her kannte. Manch bereits bekanntes Gesicht sah ich auch und so freute ich mich besonders darüber, dass Jasper Jauch, mein alter Buddy, direkt zu mir kam, um mich zu begrüßen und ein wenig Smalltalk zu halten. Nichts desto trotz benahm ich mich glaube ich vor lauter Nervosität gehörig daneben und Manu hat sich nicht nur tierisch über mich aufgeregt, nein ich glaube sie hat sich sogar für mich und mein unangebrachtes Ziehen geschämt. Zudem hatte sie Angst, ich könne sie den Worldcuptrack bäuchlings herunter schleifen. Dies war natürlich nicht meine Intention, obwohl mich die Olle schon ganz schön aufgeregt hat, vor allem weil ich ganz genau bemerkt habe, dass sie mehr auf den Hintern dieses Giants-Cubaners schielte, als sich ernsthaft auf die Strecke zu konzentrieren. Naja, sie tat natürlich so, aber ich durchschaue sie da ganz schnell und wusste wo der Hase lang läuft.
Nachdem wir mehrere Pläuschchen am Streckenrande gehalten haben, hatten wir es dann doch sturzfrei per pedes ins Ziel geschafft und Manu war sichtlich erleichtert darüber. So erleichtert, dass wir unten angekommen uns erst einmal in der erst besten Kaschemme tierisch betrinken mussten. Es war ganz nett, aber ich wollte unbedingt auf die Strecke und Gas geben, aber heute war ja nur Training….
Am nächsten Tag ging es dann endlich richtig zur Sache und ich schaute den Schnellsten beim Training zu und fragte mich an der ein oder anderen Stelle, ob auch ich diese Linie gehen könne. Nach studenlangem Zuschauen wurde ich langsam verdammt ungeduldig und fragte mich, wann ich denn endlich mal auf den Track dürfte und vor allem, wem ich wohl folgen dürfte. Und dann kam der schrecklichste Moment des gesamten Wochenendes: Manu sah mich an und sagte „Da würdest Du jetzt auch gerne mit, was? Aber das ist nen Worldcup-Training, da darfst du nicht hinterher laufen“. WAAAAAS????? Das darf ja wohl wirklich nicht ihr ernst sein, jetzt sind wir hier 12 Stunden nach Leogang gegurkt, ich hab mir fast nen Ei abgefreut und jetzt darf ich nicht mals auf den Track???? Ich hatte keinen Bock mehr, jegliche Aufregung war ad hoc verflogen und ich blies Trübsal, legte mich auf meine Decke an unserem Loose Riders Stand und war ernsthaft angepisst.
Bis zu dem Moment, als Josh Brycland zu mir kam, um mir mit Streicheleinheiten sein Beileid an meiner World Cup Misere zu zollen. Ja, kein Scherz. Ratboy höchst persönlich kam zu mir, wuschelte mich heftig durch und ich glaube ihn gesagt haben zu hören, dass er auch gerne mal ne Runde mit mir drehen würde. DAS wäre FÄTTT. Von dem Moment an erhob sich meine Laune und ich genoss es einfach, dem wilden World Cup Trouble zusehen zu können. Langsam verflog auch die Aufregung und ich konnte alles sichtlich genießen. Tolles Wetter, toller Sport, tolle Leute. Viele kamen zu mir, was mich natürlich überaus erfreute.
Am Abend ging es dann richtig, richtig gut ab. Es ging zum Pumptrack Battle und dort war quasi die Weltelite des Slopestyles anwesend. Tom van Stenbergen, Max Fredriksson und Szymon Godziek sind nur ein paar wenige Namen derjenigen Stars, welche es sich dort Runde um Runde gaben. Und das war echt krass schnell und ebenso spannend zum Zuschauen. Mittlerweile hatte ich mich ja damit abgefunden, dass ich selbst hier in Leogang wohl nicht zum Traildogging kommen würde. Aber wenn man gerade dabei ist sich mit Dingen abzufinden, passiert oft das doch unmöglich geglaubte.
Nachdem mit dem letzten Battle ein Sieger feststand, ging Manu mit mir in Richtung Starthügel und fragte doch tatsächlich Szymon Godziek persönlich, ob er nicht Lust habe eine Runde mit mir zu drehen. Der schaute sie erst an wie eine Kuh auf Acid, stimmte dann aber zu und ich wusste, dass damit meine Zeit gekommen war. Ich durfte es nicht verkacken und so gab ich einfach mal Vollgas, damit auch alle sehen konnten, dass ich es wirklich verdient habe mal zur Rampage eingeladen zu werden. Leider überpeste ich direkt am Start etwas und rutschte daher im ersten Anlieger etwas weg, wodurch ich es nicht schaffte zu überholen. ABER: die Leute jubelten mir zu und das war ein unglaubliches Gefühl. Auf einmal stand ich im Mittelpunkt des Geschehens und jeder, wirklich jeder wollte mal eine gemeinsame Runde mit mir drehen. Ein paar Minuten später füllte es sich wieder am Track und es war jetzt gefühlt noch mehr Publikum anwesend, als zum Zeitpunkt des eigentlichen Rennens. Als Highlight durfte ich mich sogar mit der absoluten Legende, Ryan Nyquist batteln und dann fingen die Jungs auch noch an ihre Go Pros anzulegen, um ihren Run mit mir auf Bild festzuhalten. Das Publikum war jetzt auch voll „on fire“ und mittlerweile war mein Name genauso bekannt, wie der von Ryan Nyquist und das soll schon was heißen, denn so viele Medallien, wie dieser Herr bereits auf den X Games gewonnen hat – soweit kann ich nicht mals zählen. Um es kurz zu machen – es war ein hammer geiler Abend, und das erste mal in meiner Profi Traildogkarriere, dass mir von allen Seiten zugejubelt wurde.
Als ich am nächsten Morgen mit recht dicken Beinen wach wurde, war alles anders als jemals zuvor. Unzählige Leute kannten auf einmal meinen Namen, kamen zu mir, ließen Manu wissen, dass sie mich am gestrigen Abend in meinen Runs gesehen haben und ließen sich teilweise sogar mit mir auf einem Foto ablichten. Das war echt ein mega Gefühl und genau dieses will ich von dem Worldcup in Leogang auch mitnehmen. Alles in Allem muss ich jedoch leider sagen, dass ich mehr auf so Freeride Klamotten stehe. Irgendwie ist mir die Stimmung auf einem solchen World Cup zu angespannt und alles ist so genau durchdacht. Ich gehe lieber mit meinen Loose Riders Buddies Nico Vink, Max Kruse und Co. auf die Strecken, denn da darf ich wenigstens mitlaufen und keiner fängt das Weinen an, wenn er durch mich vielleicht ein paar Millisekunden verloren hat. Und darüber hinaus, was ist jetzt eigentlich genau so toll daran gewesen, dass dieser Rotschopf, Aaron Gwinn seinen Run ohne Kette absolviert und gewonnen hat? Ich bin immerhin auch chainless gegen Ryan Nyquist angetreten und da macht keiner einen solchen Bohei drum….
Bilder: Fabian Rapp




