Scheiße, die Saison geht los und ich bin noch immer fett!

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Scheiße, die Saison geht los und ich bin noch immer zu fett, röchel mir bei Bergauf-Passagen, wohlbemerkt “Ruhrpott Bergauf”, noch immer einen ab, bei meinem ersten Bikeparkbesuch in diesem Jahr am letzten Wochenende tat mir nach einem halben Tag alles weh und diese blöden Metallplatten, welche noch in meinem Körper verweilen, tragen auch nicht gerade dazu bei mit dem übelst geilsten Feeling aufs Rad zu steigen.

Aber was solls, ist jetzt halt so und auch wenn den ganzen Winter über alle nur darauf brennen, dass die Saison wieder los geht, wenn sie dann da ist, kommt sie immer zu plötzlich und ich habe noch nie von jemandem soetwas gehört wie “Junge, es kann sowas von losgehen. Ich bin fitter denn je und habe den ganzen Winter über übelst hart trainiert”.  Meines Erachtens liegt das daran, dass man immer das Gefühl hat noch fitter sein zu können. Bei den Rennfahrern ist das meistens ganz schlimm, denn die tun quasi immer so als hätten sie den ganzen Winter nix gemacht, um die werte Konkurrenz ja nicht aus ihrem werten Winterschlaf zu wecken, erzählen wie lange sie nicht auf dem Rad gesessen haben, streifen sich dann ihr Trikot über den stählernden Adonis-Körper und brennen die “erste Abfahrt” dann direkt im übelsten Style runter. “Alles klar”, denk ich mir dann und wäge ab, ob sich Superman unter dem Helm befindet, oder aber ich ein wenig angeflunkert wurde.

Ich kann guten Gewissens sagen, dass ich wirklich nicht fit bin. Daher geht mein Mitleid an alle diejenigen raus, die wirklich nicht fit sind, weil sie sich im letzten Jahr verletzt haben wie ich und einfach zum Nichtstun gezwungen wurden. Letztes Jahr im Mai habe ich mich einmal völlig zerstört, musste bis heute vier mal operiert werden, Krankenschein von sieben Monaten und ein Monat quasi fast bewegungsunfähig. Wenn das alles wäre, würde ich es noch fast als “ganz okay” bezeichnen, immerhin fahren wir Downhill und da gehört sowas sicherlich zu den Eventualitäten, welche wir einkalkulieren sollten.

Trotz Gips wird an den Räder geschraubt. Ein Hoch auf den pinken Werkzeugkoffer!

Trotz Gips wird an den Räder geschraubt. Ein Hoch auf den pinken Werkzeugkoffer!

Was ich zuvor aber bei dem Ganzen nicht bedacht hatte, waren die anderen Folgen welche eine solche Verletzung mit sich bringt… Da man sich nicht ordentlich bewegen kann, ist man auf Hilfe angewiesen. Da fast der gesamte Freundeskreis aus Radfahrern besteht, ist es schwierig Zeit mit seinen Freunden zu verbringen, da diese ja am Wochenende in irgendwelchen Bikeparks unterwegs sind. Man fängt zwangsläufig damit an Dinge zu machen, welche man eigentlich hasst. Fernsehgucken, Nixmachen, Frustessen, Zunehmen, deppressiv werden, Job verlieren. Ganze drei Monate war ich in Gips und wenn dieser dann mal endlich abkommt, man fiebert diesem Zeitpunkt ja quasi unentwegt entgegen, wird es nicht besser, NEIN, es wird noch schlimmer. Man realisiert, dass der Arm mal einfach nurnoch so am Körper abhängt, sich nicht mehr strecken lässt….Also: Aufraffen, Motivation fassen und an der Beweglichkeit und der Belastbarkeit ARBEITEN. Und es ist wirklich harte Arbeit gewesen, zeitintensiv, schmerzhaft und sehr oft niederschmetternd. Dann endlich nach weiteren Monaten kommt der Zeitpunkt, der langersehnte Zeitpunkt, wo der eine Arzt unter vielen endlich die Freigabe fürs Radfahren erteilt und Du freust Dich tierisch, richtest unter völliger Hingabe dein Rad für die erste Ausfahrt her, fährst mit aller bester Laune und voll aufgedrehter Mukke zu deinen Hometrails, setzt den Helm auf, machst das obligatorische “ich bin super gelaunt” Selfie für Facebook, radelst los und dann merkst Du, dass nichts mehr so ist wie es mal war…

Der Arm tut weh, das “Spaß-Gefühl” ist weg und das was da ist, will man nicht haben. Keine Kondition, keine Kraft, Schmerzen bei jeder Wurzel und jedem Sprung und ein riesen Stock, muss von einer alten Eiche sein, im HIntern. Ich stehe wohlgemerkt in voller Montur auf meiner Hausstrecke und traue mich nicht in die etwas steilere Passage der Strecke einzubiegen… Auf dem Rückweg im Auto überlege ich mit Tränen überströmten Gesicht, ob das noch alles einen Sinn macht, oder ob ich mir nicht vielleicht ein anderes Hobby suchen sollte.

Gipsy-Saison ist eröffnet. Mit einem Lagerfeuern und Dosenbier lässt man den Biketag ausklingen.

Gipsy-Saison ist eröffnet. Mit einem Lagerfeuern und Dosenbier lässt man den Biketag ausklingen.

Glücklicherweise fällt mir nix passendes ein und desweiteren würde ich euch alle da draussen, meine geliebten Radfahrer ja auch unendlich doll vermissen. Daher bin ich hartnäckig geblieben und irgendwann hat das Radeln wieder Spaß gemacht und es ging, wenn auch wirklich langsam, wieder bergauf bzw. endlich wieder bergab. Die Mutigste, oder Schnellste war ich noch nie und wisst ihr was? Es ist jetzt noch schlimmer geworden..;)

Aber: ich habe kein großes Problem damit, das zugeben zu können und darüber zu lachen. Traurig finde ich, wenn man das nicht kann. Ich freue mich jetzt jedenfalls tierisch auf die anstehende Saison mit viele tollen Abfahrten, Lagerfeuer und Dosenbier. Also, egal ob fit oder unfit momentan – freut euch doch einfach auf alles was diesen Sommer kommt! Also ich brenne – Manu on fire

Wie jedes Jahr wird der Saisonauftakt in Beerfelden beim "Ladies-Opening" gefeiert.

Wie jedes Jahr wurde der Saisonauftakt in Beerfelden beim “Ladies-Opening” gefeiert.

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