Muss man denn Rennfahrer sein?

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Manchmal frage ich mich wirklich, ob ich noch alle Latten am Zaun habe oder zeitweilig geistig von solcher Eingeschränktheit befallen bin, dass ich Dinge tue von denen ich kurze Zeit zuvor noch fester als fest überzeugt war, diese nicht mehr tuen zu wollen. So, schaut es mit Rennen fahren aus. Für mich gibt es im Grunde nichts Vergleichbares, was mich nur annähernd so doll stresst und mir wieder strebt, wie ein Rennen. Und doch habe ich es wieder getan und mich zu Zeiten wohl geistiger Abwesenheit wieder angemeldet. Im Grunde ist mir schlecht, seitdem ich vor nun rund zwei Wochen die Bestätigung zur Anmeldung für den GDC in Todtnau erhalten habe.

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Nun stellt sich die Frage nach dem „warum“. Im Grunde war der Gedankengang, welcher der Anmeldung voraus ging folgender: „Wenn ich ohnehin schon vor Ort sein werde, da wir mit unserem Loose Riders Stand vertreten sein werden, kann ich auch gleich mitfahren, denn ansonsten verstreicht wieder ein weiteres Wochenende, an dem ich nicht aufs Rad komme“. Dies ist grundsätzlich richtig, jedoch sollte der Spaß doch im Vordergrund stehen und dies auch, wenn man gegen die Uhr fährt. Einfach dieses blöde „Piep,piep, PIIIIIIEEEEEEEP“ ausblenden und ne schöne Abfahrt genießen, bei der man ausnahmsweise mal nicht zwischendrin zum quatschen mit Gleichgesinnten halt macht. Leichter gesagt, als getan. Denn bereits jetzt, knapp 2 Monate vor dem Tag X geht es damit los, dass nicht nur andere eine gewisse Erwartungshaltung an meinen Einstieg in den GDC Zirkus verlauten lassen, sondern ich diese irgendwo auch selbst verspüre – irgendwo ganz tief in meinem Inneren. Hinzu kommen noch die paar Leute, die immer etwas zu meckern, zu lästern oder in irgendeiner blöden Weise zu kommentieren haben. Da wird dann über Dritte an einen getragen, dass Herr oder Frau Mustermann es doch für völlig unsportlich hielte, dass ich in der normalen Lizenz freien Klasse an den Start gehen würde. Natürlich versuche ich das Gehörte beiseite zu schieben, aber auch dies bleibt innerlich leider irgendwo tief unten verankert und es wäre gelogen zu sagen, es würde mich in keinster Weise tangieren. Ich rege mich also auf und genau das ist dann der Punkt den ich nicht haben will und mir schon im Vorfeld meinen Spaß am Rennenfahren wieder versaut. Ist es denn im Renngeschehen nicht mehr erlaubt einfach aus Spaß an der Sache an der Start zu gehen? Olympischer Gedanke und so? Gemeinschaftsgefühl?

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Ein gelungenes Rennwochenende ist für mich: Gemeinsam mit alten und neuen Bekannten Downhill zu fahren, sich gegenseitig zu helfen, ein gutes Gefühl zu geben, gemeinsam an die individuellen Grenzen gehen und das Ganze dann bestenfalls bei viel zu viel Bier am abendlichen Lagerfeuer noch mal ausführlich zu thematisieren. Aber irgendwie muss ich immer wieder feststellen, dass dies lediglich meiner Fiktion entspricht und die Realität sich anders zeigt. Natürlich mag man unter seinen Downhill -Kollegen nicht alle gleich gerne, das ist völlig logisch und somit auch, dass sich Gruppierungen bilden. Richtig scheiße jedoch wird es, wenn gelästert wird, man sich gegenseitig die Butter vom Brot nimmt und selbst dem besten Kumpel keine Sekunde Vorsprung gönnt.

Oft kommt dann der Satz „Früher war alles anders“ und jemand fängt an alte Stories vom Downhill in Rittershausen aufzutischen. Ganz wehmütig erinnerte man sich an diese Zeiten zurück, in denen alles lockerer zu sein schien, man versehentlich wieder zu viel des goldenen Gerstensaftes einverleibt hatte um Sonntag topfit an den Start zu gehen und ein Downhillrennen mehr ein Zusammentreffen von Freunden war, die ein Wochenende gemeinsam Spaß auf dem Rad hatten und Sonntags dann gegen die Uhr fuhren. Heute macht es den Anschein, als fährt jeder gegen jeden und das kann im Endeffekt immer nur denjenigen Spaß machen, welche die schnellsten sind. In unserer Gesellschaft ist es normal, das zumindest die westlichen Menschen sich aneinander messen müssen und jede Sportart zu einem Wettkampf gemacht wird. Alleine das Wort finde ich schrecklich negativ, eine Zusammensetzung aus „Wette“ und „Kampf“!

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Ich bin in einer Wettkampffamilie groß geworden, jedes Wochenende sind wir quer durch Europa getingelt, damit Papa diverse Motocross Siege einfahren konnte. Ich bin also ein Rennkind und fand dies immer ganz grandios. Bis ich dann selbst eigene Rennerfahrungen, oder anderweitige Wettkampferfahrungen gesammelt habe. Über die Jahre hat sich mein Denken da verschoben und ich frage mich nach dem Sinn dahinter? Besser sein als andere – ist das erstrebenswert? Und wer ist eigentlich besser, der der seinen vielleicht schwächer fahrenden Freunden dabei hilft Neues zu lernen, oder derjenige der mit der besten Zeit ins Ziel kommt, dies jedoch nicht mals seinem bestem Freund vom Herzen gönnen würde, wäre dieser nur ein Zentel schneller als er selbst???

Für viele ist das sicherlich Philosophischer Humbuk, jedoch möchte ich einfach darauf hinaus, dass eine kleine Änderung an der eigenen Einstellung manchmal vielleicht auf Dauer mehr Spaß versprechen kann. Jedem das seine, aber bitte nur so, dass es andere nicht verletzt oder aber den Spaß am Rennenfahren nimmt. Mich persönlich macht es zumindest deutlich glücklicher einen Biketag gemeinsam mit Freunden zu erleben und anschließend den Abend am Lagerfeuer ausklingen zu lassen, als nach Trainingsplan zu leben, sich an Sportfasten zu halten, sich nur noch auf ein für mich fragliches „Besser werden“ zu konzentrieren und dabei ganz unauffällig und hinterrücks den Spaß an der Sache „Downhill“ zu verlieren.

Copyright Bildmaterial: Fabian Rapp

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