Ibis Cycles zählt momentan zu den Marken der Stunde. Seit Anfang 2018 haben sie geklotzt und nicht gekleckert und ihr Bike Lineup ordentlich überarbeitet. Sprich, es wurden die bestehenden Modelle nicht einfach weiter sondern von Grund auf neu entwickelt. Den Anfang machte das gänzlich neu aufgesetzte Ripmo und die Frischzellenkur fand seine Fortsetzung im äußerst beliebten Trailbike Ripley. Wir hatten das Ripley für euch im Test und haben herausgefunden, wie sich der kleine Bruder des Ripmo schlägt und ob weniger Federweg manchmal mehr Spaß macht.

Produktvorstellung

Bei dem neuen Ripley blieb kein Stein auf dem anderen. Wie Ibis Cycles selbst formuliert, haben sie in dieses Bike ihre 38-jährige Erfahrung in der Bike Entwicklung einfließen lassen. Unverkennbar sind die Ähnlichkeiten zum großen Bruder des Ripley – dem Ripmo.  Als erstes ist hier sicherlich die Designsprache zu nennen. Denn das Ripley sieht seinem großen Bruder wie aus dem Gesicht geschnitten aus und hat nur noch wenig mit dem alten Ripley gemein. Aber auch bei der Gestaltung des DW-Links greift man auf die Erkenntnisse vom Ripmo zurück und setzt beim unteren Link auf IGUS Gleitlager statt auf Exzenterlager. Diese sollen, im Vergleich zu Lagern mit Wälzkörpern, bei kleinen Rotationen besser mit hohen Kräften umgehen können. Zudem erhöhen sie die Steifigkeit und senken gleichzeitig noch das Gewicht. Selbstverständlich bietet Ibis auch hier wieder einen lebenslangen, kostenlosen Ersatz für die Buchsen an.

Ibis Ripley

Auch beim Gabel-Offset setzen die Entwickler auf das verkürzte Maß von 44 Millimeter, um dem Bike einerseits eine ordentliche Portion Laufruhe zu spendieren, es andererseits aber nach wie vor wendig durch die Kurven räubern zu lassen. Auch sonst haben die Kalifornier viele bekannte Features vom Ripmo übernommen. So befinden sich ebenfalls durchgängige Kabelkanäle innerhalb des Carbonrahmens, sodass eine saubere und stressfreie Leitungsführung gewährleistet ist. Ebenfalls identisch ist der geschraubte Unterrohrschutz und last but not least ist die Garantie von sieben Jahren auf den Rahmen für den Erstkäufer zu erwähnen.

Ibis Ripley
An der Front arbeitet eine Fox 34 mit einem Offset von 44 mm

Treu ist sich Ibis Cycles beim Federweg und den Laufrädern geblieben und setzt weiterhin auf 120 mm Federweg am Heck und 130 mm an der Front. Das Ripley kann auch mit einer Gabel mit bis zu 140 mm Federweg aufgebaut werden. Die großen 29“ Laufräder sollen für ein optimales Überrollverhalten sorgen.

Und wie sollte es bei einem Ibis Bike auch anders sein-  der Rahmen besteht aus sehr hochwertigem Carbon. Das Ergebnis ist ein Rahmengewicht von 2,26 kg ohne Dämpfer in Größe M. Unser Komplettbike in Rahmengröße L in der XTR-Ausstattung brachte gerade mal 11,97 kg Gewicht auf die Waage ohne Pedale.

Ausstattung

Erhältlich ist das Ripley in sechs verschiedenen Ausstattungsvarianten oder als Framekit. Dazu gibt es den Rahmen in zwei unterschiedlichen Farben: Matte Braaap und Blue Steel. Während wir unser Testbike mit der XTR Highend-Ausstattung erhalten haben, gibt es noch zwei weitere Varianten mit Shimano sowie drei mit SRAM Anbauteilen, wobei das Fahrwerk immer aus dem Hause Fox stammt. Das Fahrwerk hat in den Rahmengrößen S und M noch eine Besonderheit. Hier werden die Dämpfer mit dem sogenannten Traction Tune ausgeliefert. Kurz gesagt verbirgt sich dahinter eine geringere High Speed Druckstufen- und Zugstufendämpfung, damit das Hinterrad leichter den Unebenheiten auf dem Trail ausweichen kann und schneller wieder ausfedert, um bei leichteren Fahrern mehr Traktion zu generieren.

Ibis Ripley
Die XTR-Ausstattung unseres Testbikes von Tri-Cycles ließ keine Wünsche übrig.

Geometrie

Im Vergleich zum alten Ripley, hat das neue nun einen um 1° flacheren Lenkwinkel (jetzt 66,5°) und einen 3° steileren Sitzrohrwinkel (76°) sowie einen über alle Größen gewachsenen Reach von 45 mm (475 mm in Rahmengröße L).

Ganz nebenbei haben die Entwickler die Kettenstreben um 12 Millimeter kürzer gestaltet, die Steifigkeit erhöht und sogar noch knapp 230 Gramm am Rahmengewicht (2,26 kg ohne Dämpfer) einsparen können.

Wie bereits vom Ripmo bekannt, wurden auch beim Ripley die Sitzrohre sehr kurz gehalten, sodass die Rahmengröße nach persönlichen Vorlieben und Einsatzzweck ausgewählt werden kann und lange Dropper Posts verbaut werden können.

Ibis Ripley
Quelle: https://www.ibiscycles.com/
Quelle: https://www.ibiscycles.com/

Verarbeitung

Auf den ersten Blick gibt es an der Verarbeitung nichts zu meckern. Der Rahmen sieht schick aus, die Leitungsführungen sorgen für einen cleanen Look und auch die Ausstattung macht einen stimmigen Eindruck. Allerdings wurde die Farbqualität ordentlich auf die Probe gestellt, da wir das Ripley des Öfteren auch bei schlechtem Wetter gefahren sind.  Wir mussten leider feststellen, dass wir dadurch recht schnell viele kleine Kratzer am Oberrohr hatten, die durch das Schleifen der Bikeshort beim Pedalieren in Verbindung mit dem feinen Sand entstanden sind. Auch an der Kettenstrebe sind deutliche Kratzspuren im Lack entstanden. Beide Stellen sollte man gleich zu Beginn mit Schutzfolie abkleben, um lange Freude am Rahmen zu haben. Eine weitere Stelle sollte man im Blick haben. Konstruktionsbedingt ist der DW-Link anfällig für kleine Steinchen, die durch das Hinterrad aufgewirbelt werden. So verirren sich diese gerne mal zwischen Rahmen und Link.

Auf dem Trail

Bevor es wirklich auf den Trail geht, gilt es noch das Fahrwerk einzustellen. Ibis empfiehlt am Hinterbau 25 % SAG. Das entspricht etwa 11 mm von insgesamt 45 mm Hub.

Ibis Ripley

Für die Fox 34 empfiehlt Fox einen SAG zwischen 15 und 20 %. Wir haben zu Beginn 20 % SAG gewählt.

Nimmt man auf dem Ripley Platz, spürt man förmlich die Gier, welche das Bike an den Tag legt. Es will nach vorne. Jede Pedalumdrehung führt zu unbändigem Vortrieb. Und das schöne ist, dass dies unheimlich locker und entspannt vonstatten geht und es ein Leichtes ist, Strecke zu machen. Auf dem Ripley nimmt man sportlich, aber komfortabel Platz. Der Hinterbau ist sehr antriebsneutral. Das heißt, er knickt kaum ein, wenn der Fahrer ihm die Sporen gibt. Selbst im offenen Modus des Dämpfers ist kein Wippen zu spüren. All das ändert sich auch nicht, wenn der Weg nach oben führt. Das Ripley will unverändert nach vorne. Hier gilt es für den Fahrer eher darauf zu achten, dem nicht unkontrolliert nachzugeben und sich nach kurzer Zeit schon aufzurauchen, weil er nur Vollgas gibt. Mit einem deutlich höheren Grundspeed bergauf, verglichen mit einem reinrassigen Enduro, fliegt man förmlich über Wurzeln, Steine und sonstige Hindernisse hinweg. Von Vorteil ist hier sicherlich auch die Reifenkombination mit dem Nobby Nic am Heck und dem Hans Dampf an der Front, die beide mit guten Rolleigenschaften überzeugen können. Im offenen Modus des Dämpfers schluckt das Fahrwerk die kleinen Unebenheiten souverän weg, sodass es recht leicht ist, einen runden Tritt zu fahren. Auch in technischen und steilen Bergaufpassagen konnte uns das Ripley weitestgehend überzeugen. Lediglich die Nobby Nic Reifen hatten hier und da mit Traktionsverlust zu kämpfen, wenn es über steile Trails und Stock und Stein nach oben ging. Ebenfalls von Vorteil ist, dass die Front erst sehr spät steigt und es sich so leicht manövrieren lässt. Man kann beim Ripley durchaus von einer Bergziege sprechen und so fällt der Uphill auch kaum mehr zur Last.

Ibis Ripley

Super entspannt oben angekommen steigt nun die Vorfreude auf den Downhill.

Zur besseren Einschätzung möchten wir vorneweg den angestrebten Einsatzbereich für das Ripley abstecken. Für uns ist das Ripley mit der gewählten Ausstattung in erster Linie ein All Mountain Bike, welches sich hervorragend für die schnelle Feierabendrunde, aber auch ausgedehnte Touren eignet. Dennoch soll es auch auf dem überwiegend flowigen Trail bergab überzeugen und Spaß vermitteln. Und das finden wir nun heraus.

Am Traileinstieg braucht es lediglich zwei bis drei Pedalumdrehungen und das Ripley ist auf Betriebsgeschwindigkeit gebracht. Auch hier macht sich der unbändige Vortrieb wieder positiv bemerkbar. Sicherlich könnt ihr euch vorstellen, dass dies auch für die Beschleunigung aus den Kurven heraus gilt. Vorsicht ist jedoch bei der Kurveneinfahrt geboten, sofern es sich um offene Kurven handelt. Dem Hans Dampf und dem Nobby Nic fehlt es hier etwas an Seitenhalt, insbesondere bei nassen Bedingungen.

Ibis Ripley

Das Ripley ist für seinen Einsatzzweck sehr gut ausgestattet und lässt keine Wünsche offen. Kommt man nun, wie wir, vom Endurobike und möchte ein leichtes Trailbike für lange Touren, sehr gute Klettereigenschaften und legt zudem sehr viel Wert auf die Abfahrtsperformance, kann man mit gröberen Reifen vorne und einem Reifen mit stabiler Karkasse aber guten Rolleigenschaften hinten noch einiges an Abfahrtsqualitäten herausholen. Denn das Ripley an sich bringt diese Qualitäten mit.

Ibis Ripley
Das Ripley mehr auf Abfahrt getrimmt

Ansonsten weiß das Ripley mit einem unheimlich spritzigen sowie verspielten Charakter zu überzeugen. Jeder Stein und jede Wurzel kann hier genutzt werden, um lustvoll abzuziehen. Dennoch kommt die Laufruhe nicht zu kurz, solange der Trail einigermaßen flowig ist. Wird es dagegen rougher und ruppiger ,begibt sich das Ripley langsam aber stetig aus seiner Komfortzone und gibt bei schnell aufeinanderfolgenden Schlägen einiges an den Fahrer weiter. Hier ist es wichtig, einen aktiven Fahrstil an den Tag zu legen, dann hat man sehr viel Spaß mit dem Ripley und kann nach wie vor recht schnell unterwegs sein. Bei 25 % SAG haben wir den Federweg, wenn es ruppiger wurde, optimal ausgenutzt.

Wirklich überzeugt haben uns die Flugeigenschaften des Ripley. Es lässt sich spielend abziehen, sodass kurze rumpelige Passagen durchaus übersprungen werden können. Außerdem liegt es sehr stabil in der Luft und auch unsaubere Landungen hat es ohne Murren weggesteckt.

Komponenten

Die Komponenten an unserem Ripley sind für den Einsatzzweck von Tour bis Cross Country sehr sinnvoll ausgewählt. Das darf man bei einem Preis von 9998,00 € aber auch erwarten. Dennoch wollen wir an dieser Stelle eine Komponente positiv hervorheben. Die neue Shimano XTR Bremse mit lediglich zwei Kolben und 180 mm großen Bremsscheiben legt einen super Verzögerungsmoment an den Tag und lässt sich gleichzeitig hervorragend dosieren. Einen wandernden Druckpunkt oder Fading konnten wir auch in langen und steilen Abfahrten nicht feststellen.

Der Antrieb, bestehend aus XTR 12-fach Schaltwerk sowie Trigger, Kette, Kassette und Race Face Kurbel inkl. Kettenblatt hat eine souveräne Vorstellung abgeliefert. Die Gangwechsel gingen selbst unter Last zuverlässig und knackig von der Hand. Und die Möglichkeit, drei Gänge auf einmal zu wechseln, macht beim Ripley mehr als Sinn, so schnell wie dies beschleunigt.

Ibis Ripley
Der Antrieb in seiner ganzen Pracht

Für die nun schon mehrfach positiv hervorgehobene Beschleunigung sind zu einem Großteil auch die neuen, leichten Carbonfelgen in Kombination mit den Industry Nine Naben verantwortlich. Während die Felgen im Gelände einiges wegstecken mussten und sich dabei keine Schwächen erlaubten, überzeugte die Industry Nine Nabe mit einem kleinen Einrastwinkel, aber auch mit einem sehr lauten Surren. Wer sowas mag, kommt voll auf seine Kosten.

Fazit

Das Ripley hat uns als super flinkes, agiles und schnelles Bike überzeugt. Und das gilt in diesem Fall für den Up- und den Downhill. Auf flowigen Trails bergab konnte uns das Ripley voll und ganz begeistern und bereitete uns tierisch Spaß. Wir würden uns sogar zu der Aussage hinreißen lassen, dass weniger manchmal mehr ist. Wird der Trail dagegen ruppiger und verblockter, muss man entweder etwas Tempo herausnehmen oder deutlich aktiver fahren. Flugeinlagen sind mit dem Ripley überhaupt kein Problem. Die Verarbeitung konnte uns mit Abstrichen überzeugen. Klebt man das Bike an den markanten Stellen ab, hat man sicherlich lange viel Freude mit dem Bike, denn optisch wusste es sehr zu gefallen. Die Ausstattung des Ripley ist auf einem sehr hohen Niveau.

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