Das Team von Pivot Cycles scheint von der Qualität und der Haltbarkeit der eigenen Bikes ziemlich überzeugt zu sein. So wundert es nicht, dass man uns Pivots Allzweck-Waffe – das Mach 6 Carbon – für deutlich mehr als ein komplettes Jahr für alle möglichen Schandtaten zur Verfügung stellte.

Bei etlichen Trail-Kilometern in der nasskalten Jahreszeit und äußerst staubigen Bedingungen im Rekordsommer des letzten Jahres musste das Mach 6 einiges über sich und die verbauten Komponenten ergehen lassen. Zeit, nach Teil 1 und Teil 2 des Dauertests, ein Abschlussfazit mit den Schwerpunkten Verschleiß und Ausstattung zu ziehen.

Um es vorwegzunehmen: Nach mehr als eineinhalb Jahren mit Staub, Schlamm und diversen Belastungsproben auf unseren Trails sowie im Bikepark, steht das Pivot Mach 6 mit dem Ausstattungspaket PRO XT/XTR 1x wirklich noch gut dar.

Ganz störungsfrei ging es dennoch nicht durch Testzeitraum, was aber bei unserem Sport auch nicht außergewöhnlich ist.

Der Pivot Mach 6 Carbon Rahmen

Pivot Cycles setzt konsequent auf Pressfit Innenlager. So auch beim Mach 6. Aufgrund der unzähligen Diskussionen im Netz und dem ständigen Wunsch vieler Biker, aus Gründen der Haltbarkeit und der Wartungsfreundlichkeit wieder mehr auf geschraubte Innenlager zu setzen, stand das Pressfit Innenlager seit Beginn des Tests unter besonderer Beobachtung.

Nach rund sechs Monaten war es dann auch soweit und es stellte sich ein erstes nerviges Knarzen im Wiegetritt ein. Die Bestätigung? Keineswegs!

Knacken und Knarzen. Pressfit-Innenlager oder Hinterbau? Zum Glück lagen wir mit der ersten Vermutung absolut falsch!

Wie die erste Prüfung in unserer Werkstatt zeigte, waren die eingepressten Innenlager nicht die Verursacher. Diese drehten sich für die bis zu diesem Zeitpunkt erbrachte Laufleistung immer noch sehr frei und zeigten keinerlei spürbares Spiel. Bei dieser Gelegenheit wurden auch direkt sämtlich Lager des Hinterbaus überprüft, was dank der relativ gut zu demontierenden DW-Links schnell von der Hand ging. Ein relevanter Verschleiß konnte bei den von Pivot eingesetzten Enduro Bearings an den Hinterbaulagern ebenfalls nicht festgestellt werden. Nachdem die erste Probefahrt nach der erneuten Montage des Tretlagers und des Hinterbaus keine Verbesserung mit sich brachte half nur eins: Ran an die nächsten möglichen Krach-Macher und probieren, probieren und noch einmal probieren!

Letztendlich war es nur die vordere Dämpferaufnahme am Rahmen, die unter Last das Knarzen verursachte. Eine gründliche Reinigung und die erneute Montage mit dem vorgegebenen Anzugsmoment von 13 Nm für die vordere Dämpferschraube sorgten dann für Ruhe.

Störende Geräusche unerwünscht! Abgesehen von der zwischenzeitlich knarzenden Dämpferaufnahme war das Mach 6 ein leiser und zuverlässiger Begleiter.

Für den zurückliegenden Testzeitraum und den artgerechten Umgang mit dem Mach 6 kann man sich also über die Lager und den Rahmen absolut nicht beschweren.

Einziger „kleiner“ Kritikpunkt – zumindest für Materialfetischisten – bleiben die konstruktionsbedingt recht geringen Platzverhältnisse an beiden DW-Links hinter dem Sitzrohr. Dreck und kleine Steine sammeln sich recht schnell im engen Spalt an, um sich bei jedem Einfedern durch den Lack zu arbeiten.

Der selbstklebende DW-Link Protector verhindert, dass sich Dreck und Steine zwischen Rahmen und DW-Link setzen.

Mit dem selbstklebenden DW-Link Protector bietet Pivot für den unteren Link einen wirkungsvollen Schutz. Für den oberen DW-Link ist hingegen keine vergleichbare Lösung vorhanden.

Zwischen DW-Link und Rahmen sammelt sich bei schlechtem Wetter jede Menge Dreck an.
Ohne Schutzfolie ließ die erste Macke nicht lange auf sich warten. Nach dem Abkleben kam dann aber nichts mehr dazu.

Hier wäre es wünschenswert, wenn der Rahmen direkt ab Werk an der gefährdeten Stelle abgeklebt würde. Keine Frage, dass dieser Kritikpunkt auf die Funktion des Rahmens und das Fahrerlebnis keinen Einfluss hat und Verschleiß letztendlich einfach dazu gehört.

In Anbetracht des nicht ganz zu vernachlässigen Preises, den Pivot Cycles für seine Bikes aufruft, kann der ein oder andere dennoch bestimmt gut nachvollziehen, dass solche unnötigen Macken zumindest „ärgerlich“ sein können und sich nicht gerade positiv auf den Wiederverkaufspreis auswirken.

Die Ausstattung des Pivot Mach 6 Carbon

Das Ausstattungspaket PRO XT/XTR 1x hat die Anforderungen gut erfüllt, bietet jedoch in Abhängigkeit des Einsatzbereiches und natürlich der persönlichen Vorlieben leichtes Verbesserungspotenzial.

Das Fahrwerk

Das von Pivot verbaute Fox Fahrwerk hat den Testzeitraum zuverlässig mit einer soliden Performance absolviert. Dank ein wenig Pflege und der geforderten Servicearbeiten haben sich die Fox 36 Float Gabel und der DPX2 Dämpfer in der Factory Version als regelrechtes Sorglos-Paket erwiesen. Um das Maximum an Performance aus dem Fahrwerk zu holen, sollte man sich allerdings die Zeit nehmen und mit den separat erhältlichen Volumen-Spacern experimentieren.

Fox 36 Factory FIT 4 mit 160 mm Federweg.

Wer das Mach 6 etwas mehr in Richtung Park und Abfahrt auslegen oder schlichtweg gerne mehr Tuning-Optionen und Reserve haben möchte, kann seit diesem Jahr (bei den Ausstattungsvarianten Pro und Team) das Mach 6 auch gegen einen Aufpreis direkt mit dem Fox Float X2 Factory als Upgrade bestellen.

Fox Float DPX2 Factory mit Pivots praktischen SAG-Meter.

Der Antrieb

Der Mix aus XTR Schaltwerk, XT Kassette und Race Face Aeffect Kurbel ist eine gute und im Grunde verlässliche Basis, die aber auch im Test an ihre Grenzen kam.

Die Shimano XT Kassette großem Sprung auf den Not-Gang.

Positiv aufgefallen ist die gewählte Kombination aus 30er Kettenblatt und 46er Ritzel. Mit diesem Not-Gang, ließ sich jeder noch so steile Anstieg selbst am Ende anstrengender Touren bewältigen. Dafür muss jedoch in Kauf genommen werden, dass der Sprung von diesem Not-Gang auf das zweitgrößte Ritzel recht groß ausfällt.

Wer hier eine feinere Abstufung sucht, sollte über ein Upgrade zu aktuellen 12-Gang Antrieben nachdenken.

Shimano XTR 11-fach Schaltwerk.

In Sachen Schaltperformance gab es auch unter widrigsten Bedingungen nichts auszusetzen. Einzig das XTR Schaltwerk musste ein paar Mal zur Reinigung und Schmierung des Kupplungsmechanismus geöffnet werden, da sich der Schaltwerkskäfig nach Schaltvorgängen auf ein kleines Ritzel nicht mehr von selbst zurückstellen wollte.

Wie bereits in den letzten Teilen dieser Dauertestreihe erwähnt, zeichnet sich das Mach 6 Carbon durch einen sehr breiten Einsatzbereich aus, der alles von normalen Touren bis hin zu heftigen Enduro- oder Bikepark-Strecken abdeckt.

Wird es ruppiger, ist eine Kettenführung Pflicht. Und auch der Kettenstrebenschutz hätte ein wenig länger ausfallen dürfen.

Gerade bei letztgenannten Strecken und entsprechend angriffslustiger Fahrweise, gehört eine Kettenführung an das Mach 6, da die Kette nicht immer zuverlässig auf dem Kettenblatt gehalten wurde. Der Tritt ins Leere und eine Zwangspause auf dem Trail waren – zum Glück ohne unsanften Abflug – die Folge.

Auch wenn dies nur bei wirklich schnell aufeinanderfolgenden Schlägen geschah, wie zum Beispiel bei Bremslöchern im Bikepark oder bei langen Wurzelteppichen, ist eine eine Nachrüstung durchaus empfehlenswert.

Die Bremsen

Pivot setzt beim Mach 6 Carbon sowohl am Vorder- als auch am Hinterrad auf Shimano XT-Scheibenbremsen mit 2 Kolben und 180 mm großen Bremsscheiben. Auch hier kommt es ganz stark darauf an, wie bzw. wofür man das Mach 6 einsetzt. Auf Touren mit nicht übermäßig langen Abfahrten gab es nichts auszusetzen. Die XT Bremsen überzeugten mit guter Dosierbarkeit und einer standfesten Performance.

Greifen wir jedoch noch einmal Pivots Aussage auf, mit dem Mach 6 „eine neue Bestmarke im Enduro- und Trailbike-Segment“ zu setzen, zeigt sich doch noch ein wenig Luft nach oben.

Shimano XT Scheibenbremsen mit 180 mm Scheiben an Vorder- und Hinterrad.

Für das Enduro-Segment – und hier nehmen wir die Ausflüge in Bikeparks mit hinzu – oder schwerere Fahrer sollte dann doch etwas mehr Bremspower zur Verfügung gestellt werden.

Die Mindestanforderung wäre eine 200 mm Bremsscheibe am Vorderrad oder gleich ein Upgrade auf die 4 Kolben Variante der XT Scheibenbremse, wie Sie in diesem Jahr auch direkt in der neuen „PRO XT/XTR 12 Speed“ Ausstattungsvariante des Mach 6 zum Einsatz kommt.

Laufräder und Reifen

An den DT Swiss Spline M1700 Laufrädern gibt es nichts auszusetzen. Mit einem Felgeninnenmaß von 30 mm liegen die Laufräder voll im Trend und bieten einen gelungenen Kompromiss aus Stabilität und Gewicht.

Angesichts der Maulweite der Felgen von 30 mm wirken selbst die auf unserem Testbike montierten Maxxis Highroller II mit einer Breite von 2.35 Zoll nicht zu schmal. Allerdings gab es bereits kurz nach Beginn unseres Dauertests eine kleine Änderung bei der Serienausstattung des Mach 6. So wird das Bike seit längerer Zeit mit Maxxis Minion DHF und DHRII in der Wide Trail (WT) Variante ausgeliefert. Unserer Meinung nach eine gute Wahl, da diese Reifenkombination den Grenzbereich des Mach 6 noch einmal ein Stück weiter nach oben verschiebt.

Cockpit und Sattelstütze

„Unauffällig“ beschreibt das Cockpit am besten. Und das ist bei einem Cockpit ein gutes Urteil. Die hauseigene Kombination aus Aluminium Vorbau und Carbon-Lenker von Pivot wusste mit einem angenehmen Flex zu gefallen. Knarzen oder Knacken am Cockpit: Fehlanzeige! Auch an den Griffen gab es nichts auszusetzen. Aber gerade bei Griffen, kommt es extrem auf die persönlichen Vorlieben an. Gleiches gilt für den Sattel von WTB, den wir als recht komfortabel beschreiben können.

Vorbau und Lenker von Pivot Cycles.

Als Sattelstütze kam eine Fox Transfer in der Elite Version – also in schlichtem Schwarz – zum Einsatz. Mit einer rein mechanischen Betätigung und einem absolut vernachlässigbaren Spiel konnte die Transfer über den gesamten Testzeitraum hinweg überzeugen.

Fazit:

Mit dem Mach 6 Carbon hat Pivot Cycles einen echten Allrounder im Angebot. Effizient bergauf, mit sehr präzisem Handling auf dem Trail und überzeugender Performance bergab, ist man mit dem Mach 6 für einen sehr breiten Einsatzbereich aufgestellt. Das Highlight ist ohne Zweifel der sehr hochwertig verarbeitete und edel wirkende Rahmen, der dem Fahrer mit seinen teils massiv wirkenden Rohren ein sehr hohes Sicherheitsgefühl vermittelt. Das Modell PRO XT/XTR 1x lässt mit einem top-end Fox Factory Fahrwerk sowie einem gut gewählten und auch soliden Ausstattungsmix wenig Raum für Kritik. Die meisten unserer Upgrade- oder Änderungswünsche gehören bereits heute beim neuen Modelljahr zur Serienausstattung, was dem Mach 6 zu noch einmal mehr Abfahrtsperformance verhelfen sollte.

Wie in unserem ersten Artikel zu lesen war, rief Pivot Cycles zu Beginn des Testzeitraums mit 7.399,- Euro einen recht ordentlichen Preis für das Mach 6 auf. Hohe Qualität und nicht zuletzt auch eine gewisse Exklusivität haben nun einmal ihren Preis! Erwähnenswert ist jedoch, dass Pivot den Preis auf seiner Homepage bei nahezu identischer Ausstattung mittlerweile auf 5.499,- Euro reduziert hat. Im Vergleich zu anderen Herstellern aus Übersee ein durchaus fairer Preis für ein Bike mit Fox Factory Fahrwerk und der Gewissheit ein Qualitätsprodukt zu kaufen, mit dem man für lange Zeit sorgenfrei Kilometer bergauf und bergab sammeln wird.


Text: Robin Krings
Bilder: Robin Krings, Michael Klasen
weitere Informationen: Pivot Cycles

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