Vom 08. bis 10.06. fand zum ersten Mal das Enduro Race Dolomiti Paganella powered by Alutech rund um die Ortschaften Andalo und Molveno statt. Das Rennen vor der atemberaubenden Kulisse der Brenta Dolomiten war eines für die Bücher, welches unbedingt nach einer Fortsetzung schreit! Aber der Reihe nach:

Paganella
Der Start zum Prolog

Nachdem wir bereits donnerstagabends im Race Office unsere Startnummer, Chip und Liftkarte abgeholt hatten, konnten wir freitagmorgens direkt zum empfohlenen Training auf ausgewählten Stages aufbrechen, um uns einen Eindruck der Rennstrecke verschaffen zu können. Der Wettergott meinte es allerdings nicht wirklich gut mit uns, denn der Freitagvormittag begann so, wie der Donnerstag aufhörte: mit Regen!

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Dennoch schwangen wir uns auf unsere Drahtesel. Es sollte ein spannender Tag werden. Durch den flüssigen Sonnenschein wurden alle Stages, die wir trainierten zu einer einzigen Rutschpartie. Der ohnehin schon rutschige Paganella Stein ließ keinerlei Grip mehr zu und selbst frisch aufgezogene Schlammreifen setzen sich in den erdigen Passagen schnell mit Matsch und Schlamm zu. So schlitterte man oftmals mehr dem Tal entgegen, als dass man fuhr. Es machte sich nicht selten das Gefühl breit, nur als Beifahrer auf einer Reise ins Ungewisse dabei zu sein. Aber das Blatt sollte sich noch am gleichen Tag wenden und so kam gegen Mittag dann endlich die Sonne heraus und blieb glücklicherweise bis Sonntag.

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Auf dem Transfer zu Stage 2 musste teilweise das Bike geschultert werden, wie hier von Sofia Wiedenroth.

Nach dem Training und dem obligatorischen Briefing stand noch der Prolog am Freitagabend an. Dieser war nicht verpflichtend und diente lediglich dazu, seine Ausgangssituation für das Rennen am Samstag zu verbessern, sodass man weiter vorne starten konnte. Und das war die Krux an der Sache. Die nassen, rutschigen Trails und die sehr gute Wetterprognose für den Samstag zielten eher darauf ab, dass sich die Ausgangssituation verbessern sollte, wenn man später startete und somit schon auf trockeneren Stages unterwegs sein würde. Nun ja, ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass viele Favoriten nicht am Prolog teilnahmen.

Am Samstag pünktlich um 9:00 Uhr starteten dann die ersten Starter zur Stage 1.

 

Die erste Stage des Tages führte uns auf den sogenannten Giada Line Trail, der mit 3,1 km Länge und 552 Tiefenmetern einiges an Kondition direkt zu Beginn forderte und gleich mal klar machte, was uns die nächsten beiden Tage erwarten sollte. Recht schnell nach dem Start ging es über hängende Wurzeln, die angesichts des noch nassen Untergrunds stellenweise mit Vorsicht zu genießen waren. Als man sich soweit auf den Untergrund eingefahren hatte, änderte sich dieser aber schlagartig und es wurde steinig. Der typische Paganella Stein erwies sich aufgrund der Feuchtigkeit als regelrechte Schmierseife, was es schwer machte, die Ideallinie zu treffen.

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Gesamtsieger Markus Reiser

Stage 2: Nach einem frühen Mittagessen im Rifugio Dosson, ging es auf den längsten Transfer des gesamten Rennens. Dieser führte von der Gipfelstation La Paganella zunächst auf Schotterwegen entlang. Später allerdings galt es auch einige Tragepassagen zu schultern. Der Transfer lief entlang eines Grades und eröffnete uns ein atemberaubendes Panorama auf die Brenta-Dolomiten und sogar den berühmten Gardasee konnte man klar und deutlich sehen – atmosphärisch eines der Highlights.

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Die San Giacomo Stage war mit einer Länge von 1,7 km relativ kurz und verlief über die hochalpinen Wiesen der Paganella. Zu Beginn noch leicht abfallend galt es das Schaltwerk und die Pedale vor Zusammenstößen mit Steinen und „Rasenkanten“ zu bewahren. Im zweiten Teil wurde die Strecke dann steiler und war mit Steinstufen und Kehren bespickt.

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Charakteristisch für das Rennen: nasse, hängende Wurzeln.

Es folgte Stage 3, die Königsetappe, in der es knapp 730 hm bergab ging. Diese verlangte jedem Fahrer alles ab, beinhaltete mit wurzeligen, steinigen, flowigen sowie steilen Passagen aber auch alles, was das Herz eines Enduristen höher schlagen lässt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Stage vier und fünf bildeten den Abschluss des ersten Renntages und waren im Vergleich zu den ersten drei Stages deutlich entspannter. Auf Stage 4 ging es über den sogenannten Blade Runner Flow Trail gen Tal. Dieser war ein gebauter, überwiegend flowiger Trail mit kleinen bis mittelgroßen Tables und schön gebauten Anliegern, die dazu einluden den Gashahn weit zu öffnen und uns ein breites Grinsen aufs Gesicht zauberten.

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Mit Stage fünf rollten wir wieder zur Event Area.

Samstagabends gab es ein üppiges Abendessen, organisiert durch den örtlichen Veranstalter, der sich sehr ins Zeug legte und uns die Region mehr als schmackhaft machte. Am Abend folgte dann noch ein weiteres Highlight. Zur Lagerfeuerromantik spielte „die Band“ (wir wissen leider nicht wirklich wie ihr Bandname ist) stimmungsvolle Cover-Songs und sorgte somit für eine lockere Stimmung auf der Event-Area.

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Erholung von den Strapazen in der Event Area

Stage 6: Die erste Stage des zweiten Tages hatte es direkt in sich. Körper und Geist waren nach dem vorherigen Tag müde und noch nicht auf Betriebstemperatur. Nach dem der Lift die Teilnehmer zunächst auf den Berg brachte, galt es einen relativ kurzen Transfer zum Start zu nehmen. Die Stage an sich entpuppte sich als sehr technisch mit wenig Gefälle, vielen Wurzeln und konsequent von der Natur „falsch“ positionierten Steinen. Da der Trail durch den Wald führte, war es dementsprechend nass und rutschig. Es war ein einziges Gestolpere, bei dem es selten gelang, einen Flow zu entwickeln. Die meiste Zeit hatte man einen Fuß vom Pedal, um die Schlitterpartie im Fall der Fälle abfangen zu können. Im Ziel angekommen zitterte der ganze Körper. Es fühlte sich nicht nach einem süß dahin geflüsterten „Guten Morgen“ der Herzdame an, sondern vielmehr nach einem „AUFSTEHEN!!!“ eines Drill Instructors, der einem direkt ins Gesicht brüllt. Nach dem Gefluche anderer Racer zu urteilen, ging es aber der großen Mehrheit gleich. Dies beruhigte dann doch etwas…

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Sofia Wiedenroth auf ihrem Weg zu Platz 2

Aufgeweckt von Stage 6 ging es zur Stage 7. Diese wurde eigens für das Rennen geöffnet und präpariert, denn eigentlich handelt es sich hierbei um den Wanderweg 606, der ausschließlich für Wanderer vorgesehen ist und außerhalb des Rennens nicht befahren werden darf. Die Stage 7 unterstrich nochmal deutlich den anspruchsvollen Charakter des Enduro Race Dolomiti Paganella mit nassen Wurzeln und Steinen sowie steilen Elementen, auf denen es keine Zeit zum Ausruhen gab.

Und es sollte ebenso weitergehen:

Stage 8: Nach dem Training am Freitag war der Respekt vor Stage 8 groß. Die Aussage des Stage-Direktors, dass die Abfahrt weiterhin mit Vorsicht zu genießen sei, da erst kurz vorher ein Teilnehmer mit einem üblen Cut am Oberschenkel ärztlich versorgt werden musste, trug nicht direkt zur Beruhigung der ohnehin schon angespannten Nerven bei. Aber es sollte anders kommen: Da durch die Sonne und den Wind der letzten zwei Tage ein Großteil der Stage getrocknet war, zeigte sich der Trail von einer ganz anderen Seite. Zunächst schlängelte er sich durch eine anspruchsvolle, alpine Steinlandschaft gefolgt von Stufen und Steinplatten bis er dann im Wald auf feuchte, hängende Wurzeln traf. Mittlerweile bekanntes Terrain also und wir kamen erstaunlich gut damit zurecht.

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Und schon waren wir bei Stage 9. Wie sollte es anders sein? Der Trail war erneut gespickt mit nassen Wurzeln und Steinen, die das Bike überallhin rutschen ließen nur nicht dahin, wo man hin wollte.

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Tolles Panorama mit einem Blick bis zum Gardasee

Im Ziel angekommen merkte man allen die Erleichterung an, es geschafft zu haben. Auch wenn die Veranstalter immer wieder betonten, dass es sich bei dem Enduro Race Dolomiti Paganella nicht um eine weitere Trail Trophy handelte, wurde es vielen erst im Training, aber spätestens im Rennen klar: Das hier war eine ganz andere Hausnummer! Und dennoch waren sich alle einig, dass dies eine absolut geniale Veranstaltung war und die Vorfreude auf das kommende Jahr schon jetzt riesig ist. An dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN an alle Helfer, Organisatoren, Sponsoren und Unterstützer, die dieses Erlebnis möglich gemacht haben!


Text und Redaktion: Philipp Kargel
Fotos: Manfred Stromberg, Philipp Kargel, Patrick Frech
Weitere Infos: Enduro Dolomiti Paganella

Enduro Race Dolomiti Paganella powered by ALUTECH Cycles

 

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