Das Rocky Mountain Slayer ist seit Gründung von Rocky Mountain Bicycles wohl eines, wenn nicht sogar das bekannteste Bike der kultigen kanadischen Marke. Das nunmehr alte Slayer hat mittlerweile wieder knappe 4 Jahre auf dem Buckel und es wurde Zeit dem radikalen Freerider eine Frischzellenkur zu verpassen. Das Rocky Mountain Slayer kommt daher 2020 unter anderem auch mit 29 Zoll Laufrädern, ohne dabei Fans von 27,5 Zoll alleine zu lassen. Denn je nach Vorliebe hat man die Wahl. Und so wurden wir standesgemäß per tiefschwarzer, gedruckter Einladung nach Sölden eingeladen, um der Präsentation des neuen Slayer beizuwohnen und es natürlich auch direkt in passendem Gelände zu bewegen.

rocky mountain slayer
Eine der zwei möglichen Farbkombination.

Rocky Mountain Slayer – Die Fakten

Wie bereits erwähnt kommt das Slayer mit 29 und 27,5 Zoll Laufrädern auf den Markt. Die Rahmen sind nicht untereinander kompatibel, sondern wurden eigens an die dementsprechende Laufradgröße angepasst. Nicht sonderbar verwundert waren wir darüber, dass man auch beim neuen Slayer den Weg der „longer and slacker“ Geometrie ging, den man aktuell an vielen Bikes findet. Das man zusätzlich auch eine Variante in 29 Zoll auf den Markt bringt, war ebenfalls eine völlig logische Konsequenz auf die herrschende Nachfrage am Markt. Rocky Mountain setzt beim neuen Slayer auf einen Materialmix aus Smooth Wall Carbon für den Hauptrahmen und Aluminium für den Hinterbau, was unter anderem die Steifigkeit für den Einsatzzweck optimieren soll.

Praktischerweise ist Aluminium auch günstiger, was einen evtl. Austausch in besserem Licht dastehen lässt. Es wird ebenfalls eine Einstiegsvariante geben, welche komplett aus Aluminium besteht. Bei den Komponenten greift man wie bei Rocky Mountain üblich in die Race Face Regale. Das geht quer durch alle Ausstattungsvarianten. Beim Fahrwerk hat man die Wahl zwischen Rockshox oder Fox. Der Hinterbau ist laut Rocky Mountain gleichermaßen für Luft- und Stahlfederdämpfer ausgelegt. Der Federweg ist abhängig von der Laufradgröße. So stehen bei 29 Zoll 170 mm und bei 27,5 Zoll satte 180 mm Federweg zur Verfügung. Die Rohdaten machen also schon relativ klar, in welche Richtung es mit dem Slayer primär gehen soll – bergab, und zwar rasant.

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Die Geotabelle in der Übersicht inkl. Ride 4 Verstellungen. Quelle: Rocky Mountain

Zu unserer persönlichen Freude kann in jede Rahmengröße problemlos ein Flaschenhalter untergebracht werden. Die Preise reichen von 3.500 € (A30) bis 8.600 € (C90),  um für jeden Interessenten das passende Angebot parat zu haben. Es wird ein Framekit geben, welches mit einer UVP von 4.200 € allerdings alles andere als günstig ist. Verfügbar ist das neue Slayer ab sofort in den Größen S – XL.

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Rocky Mountain Slayer – Auf dem Trail

Sölden bietet abseits des Bikeparks eine Fülle an wunderschönen, teils auch recht anspruchsvollen Naturtrails. Leider spielte die Zeit uns nicht unbedingt in die Karten und wir haben uns auf die Strecken im Bikepark beschränkt. Im Klartext reden wir von Nene und Teäre Line. Letztere ist eine rote Strecke mit über 3 km Länge, etlichen durchaus gut gebauten Anliegern und ein paar netten Sprüngen. Perfekt, um sich mit einem neuen Bike vertraut zu machen. Dem Slayer deutlich angemessener ist dann allerdings der Nene Trail, auf dem es dann wie für eine schwarze Strecke angemessen etwas rumpeliger und sprunglastiger zur Sache geht. Direkt vorweg kann gesagt werden, das beide Strecken das Slayer nicht wirklich beeindruckt haben, denn das Potenzial beider Varianten ist hoch.

Wir starteten mit der 29 Zoll Variante in Größe M, welche bei einer Körpergröße von 1,75 m perfekt passte. Generell ist der erste Eindruck auch der, dass man beim Slayer in Größe M bereits viel Rad unter sich hat. Aber weder Größe noch das Gewicht von 15,5 kg machten sich in Bewegung von bemerkbar. Zumindest nicht negativ. Einen Punkt, den man aber ansprechen sollte, ist das „long and slack“ exakt einen Sache voraussetzt, und zwar Geschwindigkeit. Alle Räder, die wir bisher mit der „neuen“ Geometrie gefahren sind, hatten diese Eigenschaft gemein. Das ist grundsätzlich klasse, denn schnell fahren macht Spaß. Das Slayer ist aber in diesem Fall auch eines ganz bestimmt nicht, und zwar ein Bike für Einsteiger oder Fahrer, die es generell vielleicht etwas entspannter angehen lassen wollen. Zwar lässt sich das neue Slayer mit dem bekannten Ride 4 System in der Geometrie verstellen, aber selbst die „entspannte“ Position 4 ist rein von den Daten her immer noch eher mäßig zahm. In Position 1 liegt der Lenkwinkel bei 63.9 Grad und ist damit recht flach. Wir fuhren in Position 2 mit einem Lenkwinkel von 64.2 Grad, wobei der Unterschied hier eher theoretischer Natur sein dürfte.

Kommen wir zu dem Wesentlichen, und zwar den eigentlichen Fahreindrücken. Bereits ab den ersten Metern fühlt man sich auf dem neuen Slayer nicht nur wohl, sondern direkt recht vertraut. Die Sitzposition ist gut integriert im Rad ohne dabei notwendige Bewegungen einzuschränken. Kleinste Gefälle reichen dem Slayer, um gefühlt aus dem Nichts Geschwindigkeit aufzubauen. Lässt man die Finger vom Bremshebel, dann wird es sehr schnell schnell. Kleinere Sprünge und Drops werden schon fast zur Nebensache, denn das Fahrwerk bügelt alle „Kleinigkeiten“ gnadenlos platt. Die Laufruhe des neuen Slayer ist vor allem auf Transferstücken mit sehr hohen Geschwindigkeiten famos. Wie bei allen Dingen im Leben bringen positive Eigenschaften aber mitunter auch das Gegenteilige mit sich. Im Fall der 29er Variante muss man in engen Anliegern schlichtweg etwas arbeiten, um sauber durch die Kurve zu kommen. Ist man sich dessen bewusst, wird man mit satter Kompression und hoher Geschwindigkeit am Kurvenausgang belohnt. Dinge, die einem direkt ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern.

Knüpft man sich dann den ein oder anderen vorhandenen Table oder größeren Sprung vor, wird man mit einer sehr stabilen Fluglage belohnt. Es soll jetzt nich negativ klingen, aber es könnte schon fast langweilig werden wenn man so dermaßen mühelos zum Angriff blasen kann. Aber eben auch nur fast, denn langweile war das Letzte was in Sölden an diesem Tag aufkam. 

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Kurze und lange Flugphasen gab es für das Slayer reichlich in Sölden.

Ein tatsächlich sehr unterschiedlicher Fahreindruck bot sich uns, als wir die bekannten Strecken mit der 27,5 Zoll Variante in Angriff nahmen. Gefühlt jeder kleine Absatz wurde als Sprung genutzt und das „kleine“ Slayer schreit förmlich nach „abziehen“. Die 29 Zoll Versionen mögen viele Vorteile mit sich bringen, aber was den Punkt der Verspieltheit angeht, hatte für uns an diesem Tag die 27,5er Variante klar die Nase vorn. In der Summe der Eigenschaften ist für die meißten Fahrer aber sicher 29 Zoll die bessere Wahl, vor allem wenn es um den Einsatz in wirklich schroffem, alpinen Gelände geht, in dem man in der Regel keine perfekt geshapten Strecken findet und mit maximal möglicher Geschwindigkeit unterwegs sein möchte. Hier dürfte das neue Slayer wirklich zuhause sein und hier wird man dann auch nicht den Eindruck haben, das 170 bzw. 180 mm Federweg zuviel des guten sind.

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Aber auch Freunde schneller Anlieger kamen auf Ihre Kosten.

Zur Bergauf Performance können wir leider zum aktuellen Zeitpunkt keine wirkliche Aussage treffen, da wir ausschließlich im Liftbetrieb den Berg erklommen haben. Da das alte Slayer hier allerdings eine sehr gute Performance abgeliefert hat, dürfte das neue zwar sicher keine Rakete bergauf sein, ist aber auch ganz bestimmt ein gutes Stück davon entfernt eine Gurke zu sein.

Rocky Mountain Slayer – Empfehlungen

Für wen ist das neue Slayer also nun gedacht ? Die Kategorie des Freeriders ist ganz klar gesetzt. Aber dank moderner Geometriedaten und Fahrwerken verschiebt sich eben diese klassische Kategorie immer mehr. Moderne Freerider sind zum einen durchaus in der Lage auch längere Anstiege zu erklimmen ohne dass der Reiter am Gipfel ein Sauerstoffzelt benötigt. Zum anderen haben sie genug Potenzial, um in vielen Bereichen problemlos ein Downhill-Bike zu ersetzen. Die 27,5 Zoll Variante dürfte mit Sicherheit sehr viel Spaß in den meisten Bikeparks generieren, aber auf den Hometrails eher unterfordert sein. Es würde uns aber z.B. auch nicht wundern, wenn wir die 29 Zoll Variante vielleicht im kommenden Jahr auch mal bei einem Enduro Rennen der gröberen Kategorie antreffen. Das neue Rocky Mountain Slayer ist ein sehr schnelles, stabiles und vor allem ausgereiftes Bike, welches sich keine wirkliche Schwäche leistet. Es ist aber auch sehr spezialisiert, was es der Rubrik „one4all“ entrückt.

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Man trägt die Gene dezent aber mit Stolz zur Schau.

Fazit:

Das neue Rocky Mountain Slayer führt das Erbe konsequent fort, wenn auch optisch mittlerweile fast schon etwas zu dezent für ein Bike, welches Konsequent mit Jason Voorhees und den bekannten Filmen in Verbindung gebracht wird. Aber das ist Optik und man sollte das Bike nicht unterschätzen. Auf dem Trail hat man durchaus oft genug das Messer zwischen den Zähnen. Uns das auch ganz ohne Hockeymaske im Gesicht. Es ist ein klassischer Freerider mit modernen Genen und Big Mountain Potenzial. Es ist eines dieser Bikes, die man aus dem Keller holt, wenn es Grob wird.


Text und Redaktion: Patrick Frech, Robin Krings
Fotos: Patrick Frech, Dennis Stratmann
Weitere Infos: Rocky Mountain Bikes

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Patrick Frech
Redaktionelle Leitung und Webdesign. Fährt seit Jahren begeistert Mountainbike und ist überwiegend im Bereich All-Mountain/Enduro zu finden. Am liebsten tagelang in alpinem Gelände auf dem Rad unterwegs. /// Daten, Fahrstil und Vorlieben: 1,75m Groß, 80kg (fahrfertig). Fahrstil ausgewogen, ab und an verspielt. Vorliebe für anspruchsvollere, teils verblockte Trails und Airtime. Downhill Vorzugsweise im Bikepark.

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