„Enduro Strecken sind steiler, länger und gemeiner als je zuvor und die Rock Shox Lyrik RC2 bügelt sie alle glatt.“ – so das Versprechen von Rock Shox. Möglich machen soll das die neue Charger 2 RC2 Dämpfungseinheit, welche neuerdings eine unabhängige High- und Low-Speed-Druckstufe innehat. Außerdem wurde die neue DebonAir Luftfeder dahingehend konzipiert, dass sie möglichst sensibel auf alle Hindernisse anspricht. Ob dieses Versprechen zutrifft, haben wir für euch herausgefunden.

Produktvorstellung

Bei der vorherigen Version der Lyrik konnte lediglich die Low Speed Druckstufe extern angepasst werden. Die High Speed Druckstufe war immer fix. Zusätzlich gab es noch die Möglichkeit über einen Drei-Stufen-Hebel vordefinierte Einstellungen zu wählen, die Einfluss auf die Low Speed Druckstufe hatten. Das ist die markanteste Neuerung bei der Rock Shox Lyrik RC2, nämlich die Möglichkeit, über fünf Klicks nun auch extern Einfluss auf die Highspeed Druckstufe nehmen zu können. Die Low Speed Druckstufe sowie die Low Speed Zugstufe können ebenfalls über einen externen Einsteller angepasst werden.

Rock Shox Lyrik RC2
Sauber voneinander abgehoben. Die Einstellrädchen für die Low Speed Druckstufe (inneres Rädchen) und High Speed Druckstufe (äußeres Rädchen).

Die Federung ist nach wie vor eine reine Luftfeder, das heißt, der Luftdruck der Positivkammer kann per Dämpferpumpe eingestellt werden und die Negativkammer passt sich automatisch an. Dennoch hat Rock Shox auch hier versucht, einiges zu optimieren. So wurde die DebonAir Negativkammer nochmal deutlich vergrößert – Rock Shox spricht hier von 42%. Das soll für ein besseres Ansprechverhalten sorgen und Einfluss auf die Kennlinie haben. Die größere Negativkammer soll außerdem auch die Kennlinie gerade im mittleren Federwegsbereich beeinflussen, sodass die Lyrik höher im Federweg stehen soll und ein insgesamt lineares, coil-ähnliches Feeling aufweist. Außerdem hat man an einer verringerten Reibung gearbeitet. So wird nun der Dichtungskopf aus Aluminium gefertigt statt aus Kunststoff. Ansonsten kann nach wie vor die Kennlinie mittels Volumen Spacer in der Positivkammer angepasst werden. Allerdings gibt es eine kleine, aber feine Änderung. Wurde früher die Positivkammer mit einer entsprechenden „Nuss“ geöffnet und führte dies nicht selten zu hässlichen Macken, nutzt Rock Shox nun das gleiche System wie beim Verschlusssystem der Kassette. Der Federweg lässt sich nicht ohne weiteres verändern. Hierzu muss der Airshaft ausgetauscht werden. Der Durchmesser der Standrohre beträgt 35 mm und soll für eine sehr gute Spurtreue sorgen.

Rock Shox Lyrik RC2
Unter dieser Kappe befindet sich das Ventil zur Anpassung der Luftfeder.
Federweg 150 – 180 mm (160 mm getestet)
Einbaustandard 15 x 110 mm (boost)
Reifenfreiheit 27,5“ oder 29“ (getestet)
Offsets 27,5“ = 46 mm oder 37 mm; 29“ = 42 mm oder 51 mm
Bremsaufnahme PM7
Federung Luft
Dämpfung RC2: extern einstellbar: Zugstufe (21 Klicks), High Speed (5 Klicks) und Low Speed (19 Klicks) Druckstufe
Standrohr 35 mm Durchmesser
Gewicht 2090 Gramm
Material Aluminium
Farben Schwarz oder rot
Preis 1109,00 € UVP

 

Erstkontakt

Optisch hat die rote Lyrik natürlich ein absolut auffälliges Erscheinungsbild und sieht nicht nur super sondern auch schnell aus. Die Verarbeitung macht auf den ersten und auch den zweiten Blick einen sehr guten Eindruck. Unnötige Kratzer oder Lackabplatzer kennt die rote Schönheit nicht. Toll ist auch, dass im Lieferumfang bereits zwei Volumen Spacer neben einem entsprechend gelabelten Mud Fender beiliegen. Auf die Waage brachte unsere Lyrik mit ungekürztem Schaft 2090 g, was mehr als akzeptabel für eine Gabel ist, die für die immer steileren, längeren und härteren Strecken dieser Enduro-Welt gemacht wurde. Die Einstellrädchen für die Low Speed und High Speed Druckstufe sind klar voneinander abgehoben und lassen sich gut bedienen. Und auch die Rasterung der Klicks ist ausreichend definiert. Dies gilt ebenfalls für die Zugstufe.

Rock Shox Lyrik RC2

Setup

Aus Sicht von Rock Shox können wir die sogenannte Systemintegration aus Torque Caps an den SRAM Laufrädern und der entsprechenden Aufnahme an der Federgabel verstehen. Aber für alle, die keine SRAM Laufräder fahren, ist dies gerade dann nervig, wenn man das Vorderrad einfädeln will. Mit ein wenig Übung oder wenn man das Bike auf den Kopf stellt, geht es dann zwar recht zügig, aber eine Fuddelei bleibt es trotzdem.

Rock Shox Lyrik RC2
Die Torque Caps von SRAM sorgen in Verbindung mit der entsprechend kompatiblen Aufnahme für mehr Auflagefläche und somit mehr Steifigkeit.

Ein paar weitere Besonderheiten gilt es zu beachten. Zunächst haben wir den SAG mit 25 % eingestellt. Dabei empfiehlt es sich, die Positivkammer zunächst mit ca. 50 PSI Druck aufzupumpen und anschließend durch Einfedern der Gabel den Ausgleich zwischen Positiv- und Negativkammer durchzuführen. Anschließend den Luftdruck weiter erhöhen und immer mal wieder den zuvor genannten Austausch stattfinden lassen. Aufgrund der größeren Negativkammer sind etwa 10 PSI mehr Luftdruck ratsam gegenüber der alten Lyrik.

Rock Shox Lyrik RC2
Der große Einsteller für die die Zugstufe am unteren Ende des Castings lässt sich leicht bedienen.

Was ebenfalls ein weiterer Aspekt der größeren Luftkammer darstellt, ist die Tatsache, dass die Lyrik zwar einen nominellen Federweg von 160 mm hat, aber die Gabel im eingebauten Zustand bereits ein paar Millimeter einsinkt. In unserem Fall waren es sieben Millimeter – in der Regel sollten es laut SRAM aber nicht mehr als fünf Millimeter sein. Dies kommt aus dem Motocross Bereich, nennt sich statischer Durchhang und soll dafür sorgen, dass die Gabel besser anspricht und ein besseres Durchrollverhalten bei Löchern ermöglicht.

Nach dem SAG haben wir die Zugstufe so eingestellt, dass das Vorderrad beim Ausfedern gerade so nicht den Bodenkontakt verliert. Die Dämpfung der High Speed Druckstufe haben wir mittig positioniert – also drei von fünf Klicks – da dies etwa dem Standard der alten Lyrik RCT3 entspricht.

Auf dem Trail

Rufen wir uns nochmal das Rock Shox Versprechen ins Gedächtnis: „Enduro Strecken sind steiler, länger und gemeiner als je zuvor und die Lyrik RC2 bügelt sie alle glatt“. – Hell yeah – verdammt, das stimmt. Die Lyrik hat uns auf ganzer Linie überzeugt und nach jedem Trail wollten wir es noch härter, noch steiler und noch gemeiner haben.

Aber was zeichnet die Lyrik aus, dass wir so begeistert sind?

Zunächst einmal ist da die herausragende Sensibilität schon bei kleinen Schlägen. Diese sorgt dafür, dass das Vorderrad auch in langsamen Passagen oder bergauf gut dem Untergrund folgt und so jeden Impuls vom Fahrer schnell und locker umsetzen kann.

Rock Shox Lyrik RC2
Die Lyrik RC2 sorgt bei allen Bedingungen für einen sehr guten Grip.

Weiter stellte sich die Lyrik als unerschrockener Begleiter heraus. Harte Brocken nimmt sie mit einer stoischen Ruhe auf, ohne dass die Schläge unkontrolliert ans Cockpit übermittelt werden. Und auch schnellen Schlägen, wie in Stein- oder Wurzelfeldern, zeigt sie einfach die kalte Schulter. Sie bleibt in jeder Situation aktiv, verhärtet nicht und stellt so jederzeit eine sehr gute Traktion zur Verfügung.

Tune Endurorider

Die Lyrik ist dabei unheimlich lebendig und verfügt über einen sehr angenehmen Pop. Ein kurzer Ruck am Lenker genügt, um über den Dingen zu schweben.

In steilem Gelände oder tiefen Stufen taucht die Lyrik nicht weg, sondern sorgt – wie versprochen – für einen angenehmen Support im mittleren Federweg. Das hat den netten Effekt, dass die Lyrik auf eine sehr angenehme Weise schnell wieder genügend Federweg zur Verfügung stellt, ohne dass man den Rebound zu schnell einstellen muss. Dennoch ist, wie bereits oben schon mal erwähnt, kein Verhärten zu spüren. Gerade diese Charakteristik macht die Lyrik sehr vorhersehbar sowie kontrollierbar, was eben das Vertrauen steigert.

Rock Shox Lyrik RC2

Eine große Rolle spielt dabei sicherlich die große Negativkammer, wodurch die Federkennlinie einen recht linearen Verlauf nimmt. Zudem ist die Dämpfung, sowohl für die Zug- als auch beide Druckstufen sehr harmonisch und gleichmäßig. Dieses Zusammenspiel aus Luftfeder und Dämpfungseinheit sorgt dafür, dass man die Lyrik mit weniger Volumen Spacer fahren kann, ohne dass sie mangels Progression durchrauscht und man sich schnell im harten Federweg befindet, was auf Dauer bzw. bei langen harten Abfahrten sehr ermüdend für den Fahrer sein kann.

Fazit

Die Rock Shox Lyrik RC2 überzeugt uns mit einem feinen Ansprechverhalten bei kleinen und kontrolliertem Verhalten bei harten Schlägen. Sie sorgt stets für optimale Traktion bei jeder Geschwindigkeit und gibt uns in jeder Situation das Gefühl von voller Kontrolle. Eine so gut funktionierende Gabel steigert das Sicherheitsempfinden und das Selbstbewusstsein, sodass wir immer steilere, längere und gemeinere Trails fahren wollten. In diesem Sinne: Immer höher, weiter und schneller!


Text: Philipp Kargel
Redaktion: Robin Krings
Fotos: Jakub Reichhart

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