Bereits im Frühjahr 2018 hat Schwalbe ein umfangreiches Remake des erfolgreichen Hans Dampf Reifens vorgestellt. Dies war laut Hersteller auch nötig, denn der bisherige Reifen wurde bisher eher zweckentfremdet eingesetzt. War er als Vorder- und Hinterreifen eher für den Allmountain Sektor gedacht, wurde er meist nur am Hinterrad eingesetzt. Dort zeichnete ihn ein völlig akzeptabler Rollwiderstand mit akzeptablen Seitenhalt aus und bot eine hervorragende Paarung mit eine Magic Mary an der Front. Verschiedene Gummimischungen erlaubten stets den Reifen nach persönlichen Vorlieben auszuwählen. Neben einer SnakeSkin Ausführung für den Allmountain Einsatz war eine SuperGravity- Variante verfügbar, welche die Pannenanfälligkeit deutlich reduzierte. Für eines jedoch waren alle Hans Dampf bekannt: Frühzeitig ein- oder abreißende Seitenstollen. Kein Wunder, denn zweckentfremdet eingesetzt, hielt er den Belastungen naturgemäß nicht immer stand. Wir haben das neu gestaltete Modell des Schwalbe Hans Dampf bereits für euch in der Saison 2018 getestet.

Schwalbe Hans Dampf 2019Hans Dampf 2019 – was ist neu?

Der neue Hans Dampf ist um einiges aggressiver gestaltet, dennoch soll er ein gutmütiger Reifen bleiben und genügend Feedback vom Untergrund liefern. Die Seitenstollen sind beim neuen Modell viel breiter abgestützt als beim Vorgänger. Dies soll nicht nur den Seitenhalt in Kurven verbessern, sondern auch ein Abreißen der Stollen wirksam verhindern. Dass der neue Hans Dampf als Allrounder für wechselnde Bedingungen gedacht ist erkennt man unter anderem daran, dass sich breite und schmale Schulterstollen abwechseln. Die kleineren Stollen sollen unter nassen Bedingungen für bessere Selbstreinigung und ein punktuelles Eindringen in den Boden sorgen. Bremstraktion und geringer Rollwiderstand werden mit paarweise angeordneten Mittelstollen sichergestellt. Für ein gutmütiges Verhalten zwischen Kurvenlage und Geradeausfahrt sorgen elliptisch angeordnete Übergangsstollen. Die Reifen der für uns interessanten Evolution Linie sind in der gewichtssparenden Apex Ausführung, und deutlich pannenresistenter in der SuperGravity Version erhältlich.

Apex VS. Super Gravity.

Den neuen Schwalbe Hans Dampf bekommt man in den Reifengrößen 27,5“ 27,5″ Plus und 29“. Sogar die 26“ Fraktion wurde bedacht. Interessant ist, dass Reifenbreiten, Karkassen und ADDIX Mischungen nicht in jeder Kombination verfügbar sind. Eine neue Version wäre keine neue Version wenn Freunde von elektrischen Fahrrädern nicht mit einer speziellen E25 Variante bedacht wären. Trotz des umfangreichen Remake ist der neue Hans Dampf noch immer als Hans Dampf erkennbar.

Getestet haben wir den HansDampf in der Version 27,5 x 2,35 Zoll mit Apex und in der ADDIX Soft Gummimischung. Verwundert sind wir zuerst, dass der 27,5“ Reifen lediglich in dieser weichen Mischung verfügbar ist.

Schwalbe Hans Dampf 2019 in Fakten:

  • offene Blockanordnung für gute Selbstreinigung
  • Breiter abgestützte Seitenstollen, mehr Seitenhalt und Sicherheit in Kurven. Bessere Haltbarkeit
  • kleine Schulterstollen für Traktion bei schlammigen Untergründen
  • Mittelstollen doppelt ausgeführt für Haltbarkeit und Bremstraktion
  • Zwei Gummimischungen: ADDIX Soft und Speedgrip
  • Super Gravity und APEX Karkassen
  • Verschiedene Breiten von 2,35 bis 2,8 Zoll
  • Laufradgrößen 26“, 27,5“, 27,5“+, 29“
Rund 786 Gramm wog der Testreifen in der Apex Version mit Addix Soft Mischung bei 27.5″

26 x 2.35 (60-559)

–EVO // SuperGravity // TL Easy // ADDIX SOFT Folding // 67 EPI // ≈ 1.020 g

–EVO // TLE // ADDIX SOFT // Folding // 67 EPI ≈ 760 g (getestet)

27.5 x 2.35 (60-584)

–EVO // SuperGravity // TL Easy // ADDIX SOFT Folding // 67 EPI // ≈ 1.065 g

–EVO // TLE // ADDIX SOFT // Folding // 67 EPI ≈ 795 g

29 x 2.35 (60-622)

–EVO // SuperGravity // TL Easy // ADDIX SOFT Folding // 67 EPI // ≈ 1.150 g

–EVO // TLE // ADDIX SOFT // Folding // 67 EPI ≈ 850 g

27.5 x 2.60 (65-584)

–EVO // Apex // TL Easy // Speedgrip // Folding 67 EPI // ≈ 900 g

27.5 x 2.75 (70-584)

–EVO // Apex // TL Easy // Speedgrip // Folding 67 EPI // ≈ 1.000 g

29 x 2.60 (65-622)

–EVO // Apex // TL Easy // Speedgrip // Folding 67 EPI // ≈ 970 g

Der ursprüngliche Hans Dampf…
…und das neue Modell im Vergleich.

Montage

Unser Reifensatz wurde für den Test zeitweise an ein Santa Cruz Nomad und ein Bronson montiert. Wie von anderen Schwalbe Reifen gewohnt, ließ sich auch der neue Schwalbe Hans Dampf völlig problemlos tubeless montieren. Ohne Mittel wie Seifenlauge oder spezielle Hilfsprodukte flutschte der Mantel beim Aufpumpen mittels CrankBrothers Klic Standpumpe sofort ins hakenlose Felgenbett der SRAM Roam 60 Laufräder sowie der TUNE Blackburner. Wie auch die alte Version ist auch die neue nicht laufrichtungsgebunden.

Der Reifen springt super einfach ins Felgenbett der hakenlosen TUNE Blackburner Laufräder
Die nötige Dichtmilch gaben wir bereits bei der Montage in den Reifen.
Mit ein wenig Übung gehts ohne Sauerei.

Auf dem Trail

Wir testeten den Schwalbe Hans Dampf während der Saison vorwiegend auf unseren Hometrails im Pfälzerwald, wo sich auf sandigem Waldboden gern Wurzeln und Steinfelder breit machen. Erfahrungsgemäß passen 1,7 bar am Vorderrad und 1,8 bar im Hinterreifen hier sehr gut. Zwar muss man bei diesem Druck auf ein wenig Komfort verzichten, aber das Risiko eines gekillten Reifens durch übersehene Steinkanten ist relativ hoch.

Nicht nur auf Brechsandpisten musste sich der Hans Dampf 2019 beweisen

Es zeigte sich bereits bei der ersten Tour: Die Neuauflage klettert auf dem gleichen Niveau wie der Vorgänger die Anstiege hoch. Gleiches Niveau heißt, dass der Rollwiderstand nicht das Gefühl aufkommen lässt, am Boden festzukleben. Dies trifft ebenfalls auf Anstiege über Asphaltboden zu, bei welchen man nicht das Gefühl hat, eher die Stollen wegzuradieren als Energie in Vortrieb umzuwandeln. Im Gelände hatte der erste Schwalbe Hans Dampf oft mit kleinen Kanten zu kämpfen, wenn man im Uphill nicht ganz die anvisierte Linie getroffen hatte. Man spürte direkt wenn ein Seitenstollen abrutscht und dadurch an Geschwindigkeit verlor. Das 2019er Modell präsentierte sich grundlegend anders: Bekommt ein Seitenstollen eine Kante zu packen, folgt das Rad der gewählten Linie. Dadurch ist der Reifen bereits in der Uphill Wertung gutmütiger und präziser als sein Vorgänger und klettert deutlich angenehmer in technischem Gelände.

Mal in die Kurve reinspringen, der Reifen hält.

Bergab war zuerst etwas Umgewöhnung von Nöten, denn wir wechselten von Magic Mary vorn und altem Hans Dampf hinten zum neuen Reifen auf beiden Laufrädern. Der Wechsel eines downhillorientierten Vorderreifen zu einer gemäßigteren Version heißt naturgemäß: Weniger Kurvengrip an der Front. Gewöhnt man sich daran, fängt das ausgewogene Fahrverhalten des Reifens an zu gefallen.

Links Magic Mary, rechts Hans Dampf – da wird der Unterschied klar

Übertreibt man es mit Kurvenradius oder –Geschwindigkeit, macht sich das Ende des Grips rechtzeitig bemerkbar. Statt spontan wegzubrechen, ist der Grenzbereich angenehm gutmütig ausgelegt. Dieses dürfte wohl nicht nur weniger erfahrenen Piloten zu Gute kommen. Wie auch beim Uphill hält der Reifen meist die gewählte Spur und findet an Steinkanten und Wurzeln sicheren Halt. Extrem verbessert wurde der Seitenhalt auf losen Böden oder in off-camber Sektionen. Dort macht er klar, wofür die großen Seitenstollen geschaffen wurden. Auch an der Bremstraktion hat man bei Schwalbe eindeutig geschraubt, denn das Anbremsen vor Kurven oder Hindernissen erfolgt präzise und knackiger als beim ersten HansDampf.

Der Hans Dampf 2019 im Einsatz

Natürlich bewegten wir den Reifen nicht nur bei trockenen Bedingungen, sondern auch im Nassen. Erst spät setzt er sich wirklich zu, sodass nichts mehr geht. Damit erreicht er ebenfalls ein Top Level wie der große Magic Mary. Die ADDIX Soft Gummimischung scheint auch auf nasse Bedingungen gut abgestimmt zu sein.

Haltbarkeit des Schwalbe Hans Dampf

In unserem Testzeitraum hatten wir weder mit Durchstichen, noch aufgeschlitzen Reifenflanken zu kämpfen. Nach einer Testfahrt am Gardasee stellten wir jedoch abends eine gebrochene Hinterradfelge fest, ohne uns an den verursachenden Einschlag erinnern zu können. Endeckt haben wir den Schaden nur zufällig bei Inaugenscheinnahme der Seitenstollen. Ob die SuperGravity Karkasse hier geholfen hätte?

Schwalbe Hans Dampf
Leider macht sich der neue Hans Dampf in felsigem Terrain mit abreißenden Seitenstollen bemerkbar…
…während die Lauffläche noch „gut“ ist.

Während der neue Schwalbe Hans Dampf die gesamte Saison unsere Hometrails ohne Ausfälle oder Defekte bestand, hinterließ er am Gardasee ein anders Bild. Dass ein- und abreißende Seitenstollen der Vergangenheit angehören sollen, bestätigte sich leider nicht. Nach nur einem (intensiven) Testtag auf typischem Geröll und Steinplatten am Skull Trail waren einige der Seitenstollen an der Basis weit eingerissen. Um zu schauen ob der Reifen nun sofort unbrauchbar ist, oder ob er noch über Notlaufeigenschaften verfügt, fuhren wir ihn zu Hause weiter. Weder riss ein Stollen komplett ab, noch hatten wir mit Luft-/Milchverlust zu kämpfen. Dennoch wird der Reifen am Ende der Saison ausgetauscht.

Partners in crime – vorn Magic Mary, hinten Hans Dampf

Fazit

Generell wusste der neue Schwalbe Hans Dampf durch sein ausgewogenes und gutmütiges Fahrverhalten zu überzeugen. Anstiege und Tretpassagen lassen sich mit nicht zu hohem Rollwiderstand entspannt überwinden. Der Reifen verhält sich spurstabil, ohne dabei jedoch träge zu wirken.

In Punkto Haltbarkeit sind wir zwiegespalten: Während der Hans Dampf auf stein- und wurzeldurchsetztem Waldboden keine Ausfälle zeigte, war er nach einem Tag auf grobem, scharfen Schotter am Gardasee arg in Mitleidenschaft gezogen. Für derartige Bedingungen sollte ein anderer Reifen gewählt werden.

Dennoch ist der Schwalbe Hans Dampf auch in der neuen Version ein super Allrounder, welcher unter verschiedenen Bedingungen zu überzeugen wusste. Wir persönlich werden den Hans Dampf in Zukunft gerne weiter fahren, allerdings als Hinterreifen, in Kombination mit einem Magic Mary vorn. Die Begründung liegt für uns darin, dass der Rollwiderstand an der Front weniger ins Gewicht fällt und dieser vom besseren Seitenhalt der gröberen Reifen wettgemacht wird. Kurz gesagt: Kaufempfehlung, mit leichten Schwächen bei der Haltbarkeit.


Text und Fotos: Thorsten Illhardt
Weitere Infos bei Schwalbe

 

2 Kommentare

  1. Die gewohnt problemlose Montage des HD kann ich hier nicht bestätigen. Bei dem 2018 Modell gibt es bei mir bei 3 Reifen sowie zwei verschiedenen Felgen (newmen e.g.30 sowie DTswiss ES511) doch recht massive Probleme. Zum einen ist der Reifen kam ohne Seifenlauge o.ä. dazu zu bewegen ins Felgenbett sauber einzulegen. Selbst wenn man das geschafft hat (letztes mal hat es 1 1/2h gedauert) ist der Rundlauf bescheiden. D.h. es sieht aus als ober der Reifen eine „Beule“ hat von einer Länge von ~ 10cm und einer Seitenabweichung von 3-4mm!
    Im Vergleich dazu ist das beim Minion DHR II ein Kinderspiel und der Rundlauf ist perfekt.

    • Hallo Frank,

      das tut uns leid, jedoch können wir diese Erfahrung anhand unseren Tests nicht nachvollziehen. Der neue Hans Dampf wurde ohne irgendwelche Probleme auf folgende Felgen montiert:
      – ZTR Flow MK3
      – SRAM ROAM 60 Carbon
      – TUNE Blackburner Carbon

      Die Reifen liefen auf Anhieb rund und haben keine „Beule“ oder Seiten-/Höhenschläge.
      Zur Montage haben wir die Crank Brothers Klic Pumpe mit Burst Tank verwendet. Der Einzeltest folgt die nächsten Tage.

      Viele Grüße,
      Thorsten @ Cycleholix

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