Das Bike Festival ist immer wieder für Überraschungen gut. So natürlich auch dieses Jahr, wo wir im Vorfeld des Festival an den Ledrosee eingeladen wurden, um das neue E-Bike von Ghost einem ersten Test zu unterziehen. Wenig war bekannt, aber in Anbetracht des Testgeländes war klar, dass wir kein Eisdielen Fahrrad vorgesetzt bekommen. Als wir den Namen Ghost SLAMR Hybride vor Ort erfuhren, wurden wir umso mehr bestätigt.

Ghost SLAMR Hybride
Das Ghost SLAMR Hybride weiß mit seiner schicken Optik zu polarisieren.

Dabei geht Ghost mit dem SLAMR X Hybride gleich in die Vollen. Das Topmodel SLAMR X Hybride S7.7 kommt mit edlem Carbonrahmen, Shimano E8000 Motor, SRAM Code Bremsen und Rock Shox Fahrwerk bestehend aus einer Lyrik Federgabel und einem Super Deluxe Coil Dämpfer. Für dieses top Paket ruft Ghost 6499,00 € auf und positioniert sich damit sehr gut im Premiumbereich. Der Einstiegspreis der SLAMR Hybride Serie liegt bei 4699,00 €.

Das SLAMR X Hybride in der Topausstattung.

Wer den Namen des Hybride studiert hat, dem wird sicherlich direkt das „X“ aufgefallen sein. Wie von anderen Ghost Rädern bekannt, markiert genau dieser unscheinbare Buchstabe die Modelle, die mit einer längeren Gabel für noch mehr Downhillperformance ausgestattet sind. So kommt das Hybride X mit satten 160 mm Federweg an der Front und 140 mm Federweg am Heck. Die normale Version verfügt über 140 mm an Front und Heck.

Ghost SLAMR Hybride
Die Rock Shox Lyrik ist ein guter Indikator dafür, wo die Reise hingehen soll.

Ausstattung

Während man die ganzen Fakten erst einmal sacken lassen kann, hat man Zeit sich nun um die Details zu kümmern. Der Hauptgrund Carbon als Rahmenmaterial zu verwenden war maximale Gewichtsersparnis. Daher hat Ghost auch darauf verzichtet den Akku voll in den Rahmen zu integrieren. Trotz des schweren Stahlfederdämpfers haben sie es geschafft das SLAMR Hybride unter der magischen 20 kg Grenze zu halten. Die Ghost Konstrukteure wollten das SLAMR Hybride außerdem so leicht verständlich und wartungsfreundlich wie möglich kreieren. Auch hier ist die Lösung des semi-integrierten Akku ideal gewählt, da man den Akku mit zwei Handgriffen auf der Tour getauscht hat oder er einfach nach absolvierter Arbeit zum Aufladen mit in die Wohnung genommen werden kann.

Ghost SLAMR Hybride
Der Carbonrahmen ist nicht nur schick, sondern auch leicht.

Ganz nach dem Motto: „Keep it simpel“. Wurde auch der Rock Shox Super Deluxe Stahlfederdämpfer gewählt. Einmal mit der passenden Feder bestückt und eingestellt, muss man sein Fahrwerk in aller Regel nicht mehr anfassen. Eine auf die Rahmengröße angepasste Federhärte soll jeden Kunden glücklich stellen.
Sollte die Federhärte wider Erwarten doch nicht passen, kann man laut Ghost über seinen Händler schnell und unbürokratisch einen Dämpfer zum Tausch erhalten.

Der Rock Shox Super Deluxe Stahlfederdämpfer soll für beste und gleichbleibende Performance sorgen.

An der Front gesellt sich die Rock Shox Lyrik RCT3 DPA dazu, mit der man den Hub von 160 mm auf 130 mm reduzieren kann. In Kombination mit den 455 mm langen Kettenstreben ist das SLAMR Hybride bereit auch die steilste Rampe zu erklimmen. Kurze Kurbelarme sollen für massig Bodenfreiheit sorgen. Da es am Markt aber keine richtig kurzen Kurbelarme gab, hat Ghost das selber in die Hand genommen und das SLAMR Hybride mit eigens Entwickelten 155 mm kurzen Kurbeln ausgestattet. Parallel dazu besteht das Cockpit des SLAMR Hybride aus Komponenten der neuen Eigenmarke Ground 51.

Bei den Laufrädern wird mit den H1700 Hybrid auf die Expertise von DT Swiss gesetzt. Der Clou ist hier, dass das Vorderrad 29“ groß ist, während das Hinterrad 27,5“+ hat. Der stabile Maxxis Shorty soll dabei für ein sehr gutes Überrollverhalten und höchste Präzision sorgen, während der Maxxis DHR in 2,8“ Breite für maximalen Vortrieb verantwortlich ist. Für extra Durchschlagsschutz in schroffem Gelände bekommt das Hinterrad den Felgenschutz Pepi’s Tire Noodle.

Geometrie

Die Geometrie zeigt sich, wie bei der SLAMR Plattform zu erwarten, modern abfahrtsorientiert. Ein flacher Lenkwinkel von 65,6° soll für Laufruhe sorgen, während der steile Sitzwinkel von 76,1° für eine entspannte Kletterposition sorgt. Der 420 mm (Größe S) lange Reach integriert den Fahrer wunderbar im das Rad.

Quelle: Ghost Bikes

Das Ghost SLAMR Hybride auf dem Trail

Von Ghost´s Slogan „keep it simple“ konnten wir uns beim Setup direkt überzeugen. Die Federhärte des Dämpfers hat sofort gepasst und auch die Federgabel war schnell eingestellt. So konnten wir uns direkt von der sehr guten Kletterperformance des SLAMR Hybride an den unbarmherzig steilen Anstiegen um den Ledrosee überzeugen. An Rampen, jenseits dessen was man ohne Motor gerade noch hinauf treten mag, stellte sich das erste „Aha! Erlebnis“ ein. Klettert das Ghost SLAMR Hybride bereits willig bergauf, so verschiebt es die Grenzen des eigenen Könnens nach Absenken der Gabel erneut nach oben. Dabei war die Trittfrequenz auf Grund der kurzen Kurbel stets sehr hoch. Was sich am Anfang der Tour noch gewöhnungsbedürftig angefühlt hat, wurde später jedoch kaum noch wahrgenommen. Seinen Zweck hat sie auf jeden Fall erfüllt, wir haben trotz sehr technischem Gelände nicht einmal mit dem Pedal aufgesetzt.

Im Boost Modus schiebt das Ghost SLAMR Hybride ordentlich vorwärts.

Auf festem Untergrund bietet es sich an, den straffen Lockout des Super Deluxe Stahlfederdämpfers zu nutzen, um ein wenig höher im Federweg zu sitzen. Das begünstigt zwar die Kletterposition, sorgt bei kleinen Unebenheiten für leichten Traktionsverlust. Sein volles Potential schöpft der Stahlfederdämpfer erst im offenen Zustand aus. Mit einem super weichen Ansprechverhalten folgt er unbeirrt dem Untergrund, dass der Grip nur abriss, wenn der Fahrer einen Fehler machte.

Ghost SLAMR Hybride
Spitzkehren stellen für das wendige SLAMR Hybride keine Hindernisse dar.

Das positive Verhalten des Stahlfederdämpfers aus dem Uphill, setzt sich auch im Downhill fort. Kleine Unebenheiten werden förmlich planiert. Im groben Geläuf der Region blüht der Hinterbau förmlich auf und lässt den Nutzer immer wieder mit dem Gefühl zurück viel mehr Federweg als 140 mm unter dem Hintern zu haben. Schnelle Schläge werden dabei sanft pariert und selbst große Einschläge haben selten zu einem Durchschlag geführt. Dabei haben Gabel und Dämpfer stets miteinander harmoniert und dem Fahrer ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Trotz einiger hörbarer Durchschläge am Hinterrad wurden wir von Reifenpannen verschont, was sicherlich nicht zuletzt an Pepi´s Tire Noodle lag. Den Schritt vorne auf ein 29″ Rad zu setzen empfinden wir als die richtige Wahl. Um Grip zu generieren muss Plusbereifung mit recht wenig Druck gefahren werden, was allerdings zu starkem Walken führt, was wir deutlich am Hinterrad wahrgenommen haben. Der 2,5″ breite Maxxis Shorty hat dagegen unbeirrt seine Spur gehalten.

Die Steinrinnen um den Ledrosee waren ein perfektes Gebiet, um dem Fahrwerk auf den Zahn zu fühlen.

Fazit

Ghost hat mit dem SLAMR X Hybride ein absolutes Trailgeschoss in den Ring geworfen. Mit einer Ausstattung die keine Wünsche offen lässt und einem sehr gut harmonierenden Fahrwerk, fühlt man sich auf jedem Trail wohl. Die Kombination aus traktionsstarken 27,5″+ Reifen am Hinterrad und spurtreuem 29″ Reifen am Vorderrad haben uns vollends überzeugt.


Text: Thomas Kappel
Bilder: Manuel Sulzer, Thomas Kappel
weitere Informationen: Ghost Bikes

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Thomas
Laufen war noch nie Thomas sein Ding. In seiner Jugend war er viel auf Skateboard oder Inline Skates unterwegs und jetzt nur noch auf dem Bike. Auch heute noch läuft er nur freiwillig, wenn es darum geht sein Rad unfahrbare Passagen hoch zu bekommen. Die meiste Zeit findet man ihn auf seinem Enduro auf flowig bis technischen Trails. ///Daten, Fahrstil und Vorlieben: 1,63 m groß, 66 kg (fahrfertig). Fahrstil am liebsten beide Räder am Boden und Vollgas mit tendenz im Trail zu spielen. Vorliebe für Naturtrails, ruppig bis technisch

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