Specialized verpasst dem Stumpjumper eine Frischzellenkur und holt gleichzeitig zum Rundumschlag in der Produktpallette aus. Neue Geometrie, Rahmenkonzept und drei verschiedene Modelle haben uns in Holzkirchen, dem deutschen Specialized Hauptquartier erwartet.

Specialized Stumpjumper
Black Beauty – das Specialized Stumpjumper ST

Die neue Stumpjumper Reihe verkörpert bei Specialized das Model für den Trail Sektor. Damit sie jedem Fahrer gerecht werden, wird die Familie neben dem Hauptakteur Stumpjumper mit 150 mm Federweg an der Front und 140 mm am Hinterbau um die Modelle Stumpjumper ST (Short Travel) mit 130/120 mm Federweg und dem Stumpjumper EVO ergänzt. Die Modelle Stumpjumper und Stumpjumper ST konnten wir bereits für euch testen. Das EVO Model wird in der zweiten Jahreshälfte erscheinen und soll im Gegensatz zur letzten Version nicht einfach nur durch mehr Federweg brillieren, sondern eine komplett neue Geometrie erhalten und als 29er Parkbike neben dem Enduro bestehen.
Mit diesem Update räumen sie gleichzeitig Ihre Produktpallette auf und verabschieden sich damit vom Camber, um eine bessere Trennung des Cross Country und des Trail Segments zu realisieren. Das Camber, mit seinem eher straffen Setup wurde bereits vom Epic ersetzt und bildet die Speerspitze im Cross Country Sektor. Um weiterhin ein spaßorientiertes, kurzhubiges Trailbike zu haben, wurde das Stumpjumper ST ergänzt.

Stumpjumper ST S-Works
Stumpjumper ST S-Works

Neues Rahmenkonzept des Specialized Stumpjumper

Anstatt nur die Geometrie auf den neusten Stand zu bringen, hat Specialized sich entschlossen den Rahmen komplett zu überarbeiten. Hauptaugenmerk lag hierbei darauf, die Steifigkeit zwischen Steuerrohr und Tretlager zu erhöhen, was mit zusätzlichen Lagen Carbon an hoch belasteten Stellen und dem asymmetrischen Rahmendesign im Bereich des Dämpfers erreicht wurde. Die neuen Ansätze beim Rahmendesign ermöglichten es Specialized zusätzlich zu einem steiferen Rahmen das Gewicht um bis zu 250 Gramm zu reduzieren. Auch hier wurden neue Wege beschritten. Ausgehend davon, dass Fahrer der kleineren Rahmengrößen (S und M) auch leichter sind, hat jeder Rahmen ein anderes Carbon Layup. Somit konnten bei den kleineren Modellen belastungsgerecht 250 Gramm eingespart werden und bei den Modellen in L und XL immerhin bis zu 100 Gramm.

Das Carbon Layup wird akribisch geprüft.

Passend zum neuen Rahmen wurde zusätzlich die Hinterbaukinematik angepasst. Eine neue Dämpferanlenkung soll dem Rahmen eine progressivere Kennlinie verleihen und vor allem stabiler im mittleren Federwegsbereich sein. Wer sein Stumpjumper mit einem Stahlfederdämpfer fahren möchte, hat also freie Fahrt. Generell hat der Fahrer eine freie Dämpferwahl, da Specialized bei dem Stumpjumper auf metrische Dämpfer mit dem Einbaumaß 210 x 50 mm zurückgreift.

Wie von Specialized gewohnt, sind alle Züge intern verlegt, was zu einer sauberen Optik verhilft. Wer schon einmal selber versucht hat Leitungen durch einen Rahmen zu fummeln und dabei viel Schweiß, Flüche und Bier benötigt hat, wird sich beim Stumpjumper freuen. Interne Kunststoffrohre führen die Leitungen vom Eingang in den Rahmen bis zur gewünschten Destination und sollen gleichzeitig ungewollte Geräuschentwicklung im Rahmen unterbinden. Genauso leicht montiert wird auch das geschraubte BSA Tretlager.

Mit einem ruhigen Innenleben wollte sich Specialized aber nicht zufrieden geben und so entstand der optisch etwas gewöhnungsbedürftige Kettenstrebenschutz. Uns wurde dabei die Analogie eines Bauchklatscher Sprunges im Freibad näher gebracht. Ein Bauchklatscher auf flaches Wasser ist zumeist sehr laut (und tut höllisch weh), bricht man allerdings die Wasseroberfläche durch Wellen, wird der harte Aufprall gemindert und leiser. So in etwa soll der neue Kettenstrebenschutz funktionieren.

Wäre noch der Preis. Wir haben das Stumpjumper Expert für 5.499 € und das Stumpjumper ST in der Topausstattung S-Works für 8.999 € getestet. 
Insgesamt stellt sich Specialized in einem Preisbereich von 1.999 € für das Einstiegsmodel bis zum Topmodel S-Works für 8.999 € sehr breit auf. Das Rahmenset gibt es wie gewohnt nur in der S-Works Variante und erleichtert die Geldbörse um 3.699 €. Alle Modelle rollen dabei auf 29″ bzw. 650B+ Reifen. Lediglich das günstige Einstiegsmodel wird für den deutschen Markt mit 650B Laufrädern angeboten.

Die Ausstattung

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Preisliste

Stumpjumper
S-Works 29 8.999 €
Expert Carbon 29 5.499 €
Comp Carbon 29 3.999 €
Comp Aluminium 29 2.999 €
Comp Aluminium 27,5 2.999 €
Stumpjumper ST
S-Works 29 8.999 €
Expert Carbon 29 5.499 €
Comp Carbon 29 3.999 €
Aluminium 29 1.999 €
Rahmenset 3.699 €

Geometrie

Neben den ganzen Rahmendetails wurde die Geometrie trendkonform länger und flacher. Bis hierher noch identisch, trennen sich die Wege des Stumpjumper und Stumpjumper ST ein wenig. Das auffälligste ist dabei der um 10 mm längere Reach des Stumpjumper ST, der aus der Verwendung einer anderen Umlenkwippe resultiert.

Weiterhin wurde die Sitzrohrlänge aller Größen drastisch reduziert, um so problemlos Sattelstützen mit größerem Hub verbauen zu können und somit mehr Freiheit bergab zu verschaffen. Dass Specialized hier einen Klasse Job gemacht hat erkennt man daran, dass selbst der 1,63 m kleine Redakteur mit kurzen Beinen (74 cm Schrittlänge) überglücklich auf dem Stumpjumper ST in Größe M und der Command Post mit satten 160 mm Verstellweg Platz nehmen konnte. Möglich machte es zusätzlich die neue Command Post von Specialized, die scheinbar sehr Kurz baut und komplett im Sitzrohr versenkt werden kann. Mit der X Fusion Manic, war dies leider nicht möglich.

Dank eines Flip-Chips, wie vom Enduro bekannt, hat der Fahrer die Möglichkeit das Tretlager um 6 mm und gleichzeitig den Lenkwinkel um 0,5° zu verstellen.

Flip-Chip
Flip-Chip

Das Specialized Stumpjumper auf dem Trail

In der Nähe des deutschen Specialized Hauptquartiers in Holzkirchen ging es auf eine abwechslungsreiche Runde mit Transferstrecken auf Asphalt und Schotter, steilen Rampen und zum Teil technischen Abfahrten. Also genau das Paket, was man von einem Ritt auf einem Trailbike erwartet.

Wer runter will, muss zuerst einmal Klettern.

Zuerst durfte ich meine Beine über das Stumpjumper ST schwingen und sofort macht sich das geborgene „Hier bin ich zu Hause“ Gefühl breit, was man von Specialized Bikes kennt. In moderater Sitzposition rollten wir entspannt über Straßen und Feldwege los, in Richtung der Trails. Bei hoher Trittfrequenz vernimmt man ein leichtes Wippen im Hinterbau, was man mit Umschalten in den Trailmodus am Dämpfer aber unterbinden kann. Auf Asphalt wurde das Stumpjumper ST mit geschlossenem Dämpfer zur Bergziege und die Trails kamen schnell in greifbare Nähe.

Auch die Aussicht darf auf einem Trailritt nicht fehlen.

Bergab lässt sich das Stumpjumper ST am besten mit einem Wort beschreiben: „Lebendig“! Die Trails, die uns mit einer Mischung aus flowigen, teils steilen und verwinkelten Passagen begrüßten, haben mich durchaus freudestrahlend am Trailaustieg ankommen lassen. Um das Wort lebendig näher zu umschreiben: Man ist jederzeit Herr der Lage. Das gut abgestimmte Fahrwerk spricht mit dem Fahrer, gibt von jedem Zentimeter Trail ein hervorragendes Feedback, welches speziell aktive Fahrer dazu animiert mit dem Untergrund zu spielen. So kam es nicht selten vor, dass man dank der kurzen Kettenstreben nur auf dem Hinterrad aus dem Anlieger oder leichtfüßig auf den Vorderrad abbog. Ein Teppich aus Oberarm großen Wurzeln wurde leichtfüßig überrollt, auch hier ist die Konversation von Ross und Reiter stets präsent.

Immer wieder wird man zum spielen animiert.

Um die Bauchklatscher Metapher noch einmal aufzugreifen, das Stumpjumper ist das leiseste Bike was mir je unter den Füßen klebte! Keine klappernden Züge im Rahmen, kein Kettenschlaggeräusch, nichts! Lediglich das Ächzen der Stollen konnte man hören. Hier hat Specialized ganz stark abgeliefert.

Bremse auf und ab dafür.

Nach ein paar Auf- und Abfahrten gab es das Upgrade auf den großen Bruder. Mit mehr Federweg am Rad, rückte die Linienwahl ein wenig in den Hintergrund. Neben 2 cm mehr Federweg an Front und Heck gab es auch etwas dickere Schlappen (2,6“), die zusätzlich für erhöhten Grip sorgten. Somit hat das Stumpjumper kaum an der Manövrierbarkeit verloren, aber immens an Vertrauen gewonnen. So erweckte das Stumpjumper immer wieder das Gefühl, man könne sich in brenzligen Situationen zurücklehnen und das Bike einfach machen lassen. Obwohl der Federweg an der Front nahezu auf Enduro Niveau liegt, gibt es dennoch feine Unterschiede. Vertrauen in das Material erwecken beide, wobei das Enduro spürbar auf Rennen ausgelegt ist. Das Stumpjumper wirkt auch sehr stabil auf dem Trail, ist dabei aber etwas flinker und spritziger zu fahren als das Enduro.

Auch wenn es mal schüttelt, das Stumpjumper gibt keinen Mucks von sich.

Bergauf nehmen sich das Stumpjumper und Stumpjumper ST nicht viel. Mit zugeschalteter Plattform am Dämpfer ist schnell Ruhe im Hinterbau und es pedalliert sich flink den Berg hinauf.

Die griffigen Reifen erlauben es mit etwas mehr Geschwindigkeit in die Kurve zu gehen.

Fazit

Specialized hat es mit der neuen Stumpjumper Reihe geschafft das bestehende Konzept noch einmal zu verbessern. Ob man zum lang- oder kurzhubigen Bike greift entscheidet die Vorliebe. Sei es der Enduro- oder Downhillfahrer der ein spritziges Trailbike sucht oder der Cross Country Fahrer der nach ein wenig mehr bergab Performance strebt.
 Wer das berühmte „Bike für Alles“ sucht, wird unserer Meinung nach eher zur langhubigen Version greifen.

Egal wie man sich entscheidet, mit dem neuen Stumpjumper Lineup hat es Specialized geschafft die Latte im Trail Bereich verdammt hoch zu legen.


Text: Thomas Kappel
Redaktion: Robin Krings
weitere Information: Specialized
Bilder: Specialized
Actionbilder: Adrian Greiter

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