Früher wurden Magura MT7 Bremsen mit einem extrem langen und damit eher nicht mehr zeitgemäßen Mehrfinger-Bremshebel geliefert. Viele Fahrer haben diesen gehasst, manche hat er nicht gestört, so richtige Liebe entstand jedoch nie. Seit kurzem werden die Schwabenstopper mit dem neuen Magura HC1 Bremshebel geliefert, somit wurde auf Kritik reagiert. Es dürfte jedoch noch viele Räder geben, welche mit den alten Hebeln herumfahren. Wir haben uns die HC1 Hebel, so wie das Topmodell HC3 angeschaut und zeigen euch, wie man diese montiert.

Hier zeigt sich, dass auch der herkömmliche Griff weit außen genutzt wird. Die HC1 Hebel waren also eine logische Konsequenz.
Der ursprüngliche Mehrfinger Griff – hier ergibt das Nachrüsten Sinn!

Magura HC1

Der Magura HC1 Hebel gehört seit kurzem zum Standard-Lieferumfang der Magura MT7. Der Name der Bremse mutierte damit selbstbewusst zu MT7 HC – das HC steht für Hardcore! Was ist neu? Der Hebel ist nun mit einem Finger bedienbar, denn Länge und Ergonomie wurden verbessert und modernisiert. Beide Hebel kommen weiterhin aus Aluminium. Wenn zusammen mit der Bremse gekauft, bietet der HC1 eine werkzeuglose Hebelweitenverstellung. Als Nachrüstprodukt sind die Teile ebenfalls mit Verstellung mittels Innensechskantschlüssel verfügbar. Im Nachrüstmarkt kostet ein Hebel so um die 28 €, was ebenfalls dem UVP entspricht.

MT7 HC mit Magura HC1 Hebel

Magura HC3

Danny MacAskill, wohl einer der bekanntesten Magura-Fahrer, hat sich einen eigenen Bremsgriff gewünscht. Dieser sollte für seine Trail- (und Trial-) Künste über eine anpassbare Bremskraft, und natürlich eine Hebelweitenverstellung verfügen. Herausgekommen ist dabei der HC3 Hebel, welcher ursprünglich nur mit der Sonderedition „MT7 Danny MacAskill“ zu kaufen war. Seit letztem Jahr ist der Hebel für sportliche 68 € UVP (Straßenpreis teils um die 55 €), wohlgemerkt pro Stück, auch für Nachrüster zu haben. Im Vergleich zu Shimano: Eine komplette Saint Gebereinheit liegt bei 69 € UVP, eine gesamte Bremse gibt es zum Preis zweier HC3 Hebel.

Magura MT7 mit HC3 Hebel

Das besondere an dem HC3 Hebel ist, dass nicht nur die Hebelweite, sondern ebenfalls die Bremskraft einstellbar ist. Mittels T25 Torx kann ziemlich einfach die Übersetzung des Hebels auf den Zylinder justiert werden. Die Vorteile sollen sein:

  • auf griffigem Untergrund eine große Übersetzung = hohe Bremspower
  • auf rutschigem Untergrund, z.B. nass oder matschig eine kleine Übersetzung = für bessere Modulation

Magura HC1 und HC3 Bremshebel montieren:

Die Montage der Bremshebel ist relativ einfach. Man benötigt dazu einen T25 Torx zur Demontage des ganzen Griffs vom Lenker. Ein kleiner Schraubendreher, ein Messer oder etwas Vergleichbares muss genutzt werden, um den MT7 Sticker herauszuhebeln. Ein Durchschlag und ein kleiner Hammer sind erforderlich, um den Befestigungsstift des Hebels herauszutreiben. Ebenfalls ist eine kleine Nuss oder etwas Ähnliches als Widerlager zum Austreiben empfehlenswert.

Mehr Werkzeug braucht man nicht zum Tausch der Bremshebel

Step 1: Lösen des Bremsgriffs

Zuerst lösen wir mittels Torx Schlüssel den Bremsgriff. Wir belassen ihn fürs erste leicht beweglich am Lenker, um für weitere Schritte beide Hände frei zu haben.

Step 2: Entfernen des Druckpunktverstellers

Als nächstes muss die Kontermutter für die Druckpunktverstellung in Richtung Griff gedrückt und um 90° gedreht werden. Achtung! Unter der Mutter liegt eine Feder, welche vorgespannt ist. Die Feder entfernen. Im Anschluss betätigt man die Bremse ein wenig, dann lässt sich der Druckpunktversteller nach oben heraus ziehen.

Step 3: Entfernen des Aufklebers

Entfernen des Aufklebers

Danach nutzen wir einen kleinen Schraubendreher um den MT7 Aufkleber heraus zu hebeln.

Step 4: Austreiben des Befestigungsstiftes

Austreiben des Stiftes (Anmerkung der Redaktion: Jaaa, die Nuss steht beim Fotografieren schief. Also hier aufgepasst)

Nun muss der Befestigungsstift heraus getrieben werden. Bei Magura spricht man davon, dass dieser von links nach rechts durchgeschlagen werden soll. Die Antwort auf die Frage, wo bei einem symmetrischem Teil links und wo rechts ist, fanden wir nicht. Der Bremsgriff muss auf ein Widerlager gelegt werden. Eine Nuss hilft hier, etwas Weicheres wäre von Vorteil. Beim Austreiben ist Vorsicht angesagt!  Der Bremsgriff (Geber) ist aus Kunststoff und sehr empfindlich. Wenn der Stift entfernt ist, ist der Bremshebel vom Griff gelöst.

Step 5: Montieren des Magura HC1 Hebels

Beim Montieren auf jeden Fall auf fluchtenden Bremshebel achten!

Im Anschluss wird der HC1 (oder HC3) Bremshebel in den Griff gesetzt und mittels neuem beiliegenden Stift befestigt. Hier ist mit Vorsicht zu arbeiten und darauf zu achten, dass Bremsgriff und Hebel fluchten. Gewalt und Ungeduld sind an der Stelle nicht ratsam, denn wir erinnern uns -> Kunststoff! Der Stift passt von einer Seite besser als von der anderen. Hier sollte man ein wenig probieren, die Angaben „links“ und „rechts“ verwirren hier eher.

Weitere Schritte

Zuletzt führen wir die oben genannten Schritte in umgekehrter Reihenfolge aus. Zuerst kleben wir den MT7 Aufkleber wieder auf den Bremsgriff. Da die Druckpunktverstellung der Bremse mit 3 mm Verstellbereich generell nicht sehr wirkungsvoll ist, montieren wir einen Blindstopfen, statt des Verstellrädchens. Fertig!

Magura HC1 Hebel frisch montiert

Auf dem Trail

Verbessern HC1 und HC3 Hebel die Performance der MT7 Bremse merklich? Ja, unbedingt! In Sachen Ergonomie sind beide Bremshebel beinahe ein Muss für Fahrer der alten klobigen Hebel. Die Hebel liegen beide nun sehr angenehm in einem Finger, so wie es Wettbewerber vorgemacht haben. Der Druckpunkt wird gegenüber dem alten großen Kunststoffhebel spürbar härter und dürfte damit alleine schon für eine bessere Modulation sorgen.

Magura HC1 (links) und HC3 (rechts)
Magura HC1 (links) und HC3 (rechts)

Die Hebelweitenverstellung der Magura HC1 ist sehr wirkungsvoll und deckt einen großen Bereich ab. Ist der Hebel jedoch ganz nah an den Lenker geschraubt, fehlt der Rändelschraube der Gegenhalt und sie sitzt locker im Gehäuse. Nicht so schön. Knapp 30 € pro Bremshebel sind allerdings schon eine Ansage, lassen sich aber noch verschmerzen. Auf dem Trail begeistert die Bremse mit der gewohnt guten Dosierbarkeit bei verbessertem Bremsgefühl.

Magura HC1 Lieferumfang – Bremshebel mit Stift. 30 €

Die Weite der Magura HC3 Hebel wird nicht mittels Rändelschraube eingestellt, sondern über eine kleine Innensechskantschraube. Interessant ist, dass nicht der gesamte Hebelarm justiert wird, sondern sich der Hebel in der Mitte wie ein Finger beugt. Das funktioniert sehr gut und fühlt sich hochwertig an, macht den Hebel jedoch auch sehr teuer. Zusätzlich kann, wie eingangs beschrieben, die Bremskraft mittels T25 Torx auf persönliche Vorlieben eingestellt werden. Über Sinn und Unsinn lässt sich streiten, denn wenn wir bei der MT7 bisher eine Sorge nicht hatten, dann war es die der zu hohen Bremskraft. Magura hat generell eine extrem gut dosierbare Bremse geschaffen, welche unserer Ansicht nach nicht „heruntergeregelt“ werden muss. Um es abzukürzen: Viel Bremskraft, top Dosierbarkeit! Betrachtet man den Preis von 68 € (Straßenpreis rund 55 €) pro Bremshebel, fragt man sich ob der Preis dem Nutzen gerecht wird.

Fazit:

Magura HC1 und HC3 Hebel lassen sich mit ein wenig Übung und der nötigen Vorsicht einfach montieren. Generell ist der Zugewinn im Bedienkomfort durch einen härteren Druckpunkt und verbesserte Ergonomie bei beiden Versionen deutlich wahrnehmbar. Magura tut gut daran, die HC1 Hebel nun serienmäßig an der MT7 HC zu montieren. Die HC1 Hebel halten wir ebenfalls als Nachrüstteil für absolut empfehlenswert.

Ein ziemlich exklusives Produkt ist jedoch der HC3 Hebel, welchen wir lediglich Fahrern empfehlen können, die die gleiche Bremse wie ein MacAskill benötigen. Alle anderen greifen besser zur Magura HC1 und bekommen damit weitaus mehr als ausreichend Funktion zum akzeptablen Preis. Danke für die Weiterentwicklung!


Fotos: Thorsten Illhardt, Jakub Reichhart
Redaktion: Thorsten & Mina Illhardt

4 Kommentare

    • Hallo Jakob, das sind Winkelabgänge einer OEM MT7. Prinzipiell sehr praktisch, aber mit seitlichem Zug auf die Leitung kann man diese leicht ein Wenig lösen. Dann ist sofort Luft im System. Ist uns jedoch nur einmal passiert.

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