Eine zentrale Frage beim Mountainbiken ist die, nach dem optimalen Grip. Ein optimal eingestelltes Fahrwerk soll stets optimale Traktion generieren. Die Wahl des Reifens soll die optimale Bodenhaftung erzielen. Last but not least ist die Verbindung zwischen Bike und Fahrer schon fast eine Glaubensfrage: Klick oder Flatpedal. Diese Frage hört aber nicht beim Pedal auf, sondern geht einher mit der Suche nach dem optimalen Schuh. Wir sind der Frage nachgegangen und haben seit Juni den Ion Raid_AMP Schuh im Test.

Ion Raid_AMP
Von hinten erkennt man sehr gut, dass der Schaft auf der Innenseite deutlich höher gezogen ist.

Der Raid_AMP ist der Flatpedal-Schuh von Ion und kommt mit klassischer Schnürung daher. Damit die Schnürsenkel nicht links und rechts herunterbaumeln oder sich gar verfangen, hat die Zunge des Schuhs einen sogenannten Lacelock spendiert bekommen, unter dem die Schnürung sauber fixiert werden kann. Der Schaft des Raid_AMPs ist asymmetrisch gestaltet, d.h. auf der der Kurbel zugewandten Seite ist der Schuh etwas weiter nach oben gezogen als auf der Außenseite. Ebenfalls auf der Innenseite befindet sich das sogenannte Ankle-Pad. Beides soll vor schmerzhaften Berührungen mit der Kurbel bewahren. Der Schaft ist hauptsächlich aus synthetischem Leder hergestellt. Zum Schutz vor Steinen und Wurzeln ist die Zehenkappe als eine stabile Box gefertigt. Der Fuß wird in eine Zweikomponenten-Einlegesohle gebettet. Diese ist so geformt und konstruiert, dass der Fersenbereich beim Gehen gedämpft und der Mittelfuß ausreichend unterstützt wird, damit dieser nicht so schnell ermüdet.

Ion Raid_AMP
Das sogenannte Ankle-Pad soll den Knöchel schützen

Am wichtigsten an einem Bikeschuh ist die Sohle. Diese muss den Grip auf dem Pedal generieren aber auch die Kraft optimal übertragen. Und zu guter Letzt muss sie gefühlsechtes Feedback vom Untergrund geben. Auf all diese Anforderungen antwortet Ion mit ihrer SupTraction Rubber Soul mit EVA-Zwischensohle. Die Sohle des Raid ist in drei Zonen aufgeteilt. Im Mittelfußbereich befindet sich die sogenannte Pedalzone. Das Profil in dieser Zone ist engmaschiger und besteht aus viereckigen Blöcken. In dem Bereich davor und dahinter weist die Sohle ein anderes, offeneres Profil auf. Dies sind die Steigzonen und sollen entsprechenden Halt beim Gehen liefern. Was die Steifigkeit anbelangt, verspricht Ion ebenfalls den idealen Mix aus Flexibilität und Festigkeit. Preislich liegt der Raid_AMP bei 119,95 € (UVP).

Ion Raid_AMP
Die sogenannte SupTraction Rubber Soul ist in drei Zonen eingeteilt.

Ion Raid_AMP im Erstkontakt

Jetzt sind Geschmäcker bekanntlich verschieden, aber vom Stylefaktor waren wir in der Redaktion alle hellauf begeistert. Der Schuh sieht sehr schick, stylisch und clean aus. Die Verarbeitung konnte uns auf den ersten und auch auf den letzten Blick überzeugen. Soviel können wir nämlich schon vorwegnehmen: nachdem wir den Schuh nun den ganzen Sommer über getragen haben, weist er kaum Verschleiß auf. Alle Nähte sind nach wie vor sauber an Ort und Stelle. Einzig die Sohle hat durch die aggressiven Pins etwas gelitten. Fairerweise wollen wir nicht unerwähnt lassen, dass die Pins an unseren zwei Testpedalen (Sixpack Icon & Sixpack Millennium) mit neuen Edelstahlschrauben versehen wurden und diese einen Überstand von 6 mm haben.

Ion Raid_AMP
Die Kontaktflächen der Pins sind nach einem halben Jahr zwar gut zu erkennen, aber noch in einem vertretbaren Rahmen

Genug der grauen Theorie – wie schlägt sich der Raid in der Praxis?

Reinschlupfen und wohl fühlen. Der Raid hat sich am Fuß sofort vertraut und sehr bequem angefühlt. Wir haben keine Eingewöhnungszeit beziehungsweise Zeit gebraucht, um ihn einzutragen. Am Fuß macht er eine recht schlanke Erscheinung.

Ion Raid_AMP
Die Schnürsenkel sind dank des Lacelock-Systems sicher verstaut

Auf ausgedehnten Trailtouren hat uns der Raid total begeistert. Stets hatten wir einen sicheren Stand auf den Pedalen und ein Verrutschen konnten wir selbst in Kurven nicht feststellen. Trotz profilierter Sohle konnten wir auf Anhieb eine angenehme Position finden. Was uns ebenfalls voll überzeugt hat, ist die Tatsache, dass wir mit den Ion Raid super lange Tagestouren fahren konnten ohne dass der Fuß ermüdete. Die Sohle weist eine sehr gute Steifigkeit auf, so dass der Druck aufs Pedal effizient in Vortrieb transformiert werden konnte. Dennoch hat sie ausreichend Flexibilität, um auch auf längeren Tragepassagen zu gefallen. Selbst auf unwegsameren Pfaden hat sie genügend Halt und Traktion geliefert, selbst wenn der Untergrund mal nass war. „Nass“ ist ein gutes Stichwort. Denn beim Nässeschutz konnte uns der Raid leider nicht begeistern. Bei Regen trat doch recht schnell Wasser ein und der Socken wurde eben nass. Dafür trocknet das Schuhwerk von Ion recht zügig. Verantwortlich dafür sind die großflächigen Meshpartien. Diese bieten einerseits eine gute Belüftung, andererseits kommt der Schuh durch sie bei Nässe und Kälte an seine Grenzen.

Ion Raid_AMP
Der Vorderfuß wird einerseits durch eine stabile Box geschützt und große Mesheinsätze sorgen für die Belüftung

Grundsätzlich konnte uns die Sohle des Schuhs mit einem guten Grip überzeugen. Wurde das Gelände dann doch mal ruppiger mit schnellen, harten Schlägen wie beispielsweise in groben Steinfeldern, haben wir das klebrige, klickpedal-ähnliche Gefühl von den Five Tens vermisst. Denn unter solchen Bedingungen ist der Kontakt zwischen Sohle und Pedal doch auch mal abgerissen bzw. man hat den Fuß etwas ungewollt versetzt. Dafür sorgte die verstärkte Box um die Zehen für ordentlich Sicherheit und hat die ein oder andere Berührung mit Steinen weniger bis gar nicht schmerzhaft werden lassen. Und auch das Lacelock-System hat uns sehr gut gefallen. So bleiben die Schnürsenkel an Ort und Stelle.

Fazit

Der Ion Raid Amp lieferte alles in allem eine sehr gute Performance ab. Er wusste nicht nur mit seiner Optik und Verarbeitung zu gefallen. Auch auf dem Trail hat er eine sehr gute Figur abgegeben. Die Sohle hat uns mit einem optimalen Kompromiss aus Steifigkeit und Flexibilität gerade auf langen Touren überzeugt. Der Grip war überwiegend gut. Lediglich bei ordentlichem Stempeln mussten wir ein paar Abstriche in Sachen Grip auf dem Pedal in Kauf nehmen. Dafür kann der Raid mit einer tollen Haltbarkeit punkten.

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